1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Kassel

Reisendes Klassenzimmer: Unterricht neben dem Riesenrad

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcel Ehrig

Kommentare

null
© Lokalo24.de

Mobile Schule unterrichtet die Kinder der Schausteller während des Frühlingsfests: So viele Schüler wie nie zuvor auf der Schwanenwiese.

Kassel. Noch ist es still auf der Schwanenwiese. Es ist 11 Uhr und die Fahrgeschäfte des Frühlingsfests haben noch nicht geöffnet, nur hier und da wird an den Fahrgeschäften herumgeschraubt. Abseits des Rummels stehen zwei Busse mit der Aufschrift: "Schule für Kinder beruflich Reisender".Hier werden die Kinder der Schausteller unterrichtet. Noch vor sechs Jahren besuchten die Kinder Stützpunktschulen in der näheren Umgebung der Festplätze. Was für die Kinder bedeutete: Neue Lehrer, neue Mitschüler und andere Lerninhalte. Um den Kindern mehr Kontinuität beim Lernen zu gewährleisten fährt die "Schule für Kinder beruflich Reisender" dorthin, wo sie gebraucht werden. Momentan werden 20 Kinder unterschiedlichen Alters in den Bussen auf der Schwanenwiese unterrichtet. "So viele Kinder hatten wir hier noch nie", erzählt Heidrun Börner, die die Kinder auf dem Festplatz zusammen mit ihrer Kollegin Tatjana Meißner unterrichtet. Bis zu sieben Kinder können in einem Bus unterrichtet werden.

"Hier können wir viel individueller mit den Kindern arbeiten und sie fördern", erklärt Heidrun Börner, die zuvor auch schon an einer öffentlichen Schule lehrte. Die Kinder haben dabei die selben Unterrichtsfächer wie auch an anderen Schulen. Allerdings: Jedes Kind des "reisenden Klassenzimmers" führt ein Lerntagebuch, in das die Lehrer die Lernstandsberichte schreiben und die Lehrpläne stehen. Zu Börners Schülerinnen zählt auch die zwölfjährige Kathleen Hardt – ihre Eltern sind mit einem Schießstand auf dem Frühlingsfest vertreten. Das Reisen sei manchmal schon anstrengend berichtet sie, während der Wintermonate, wenn die Familie nicht unterwegs ist, geht sie in ihrer Heimat Herford zur Schule. "Dort sind meine gleichaltrigen Freunde, die vermisse ich natürlich schon", erzählt die Sechstklässlerin.

Mike Nier aus Kassel war vor fünf Jahren der erste Schüler von Heindrun Börner, der den Realschulabschluss machte. Er hat die Zeit des ständigen Schulwechsels noch miterlebt: " Es gab schon viele Vorurteile gegenüber uns Schaustellerkindern. Die meisten haben mich Zigeuner genannt, dabei hat der Beruf meiner Eltern damit ja gar nichts zu tun", so Nier. Heute arbeitet auch er als Schausteller und betreibt zum Beispiel das Riesendrad auf dem Stadtfest. Auf die Frage, was sie später einmal werden wolle antwortet die zwölfjährige Kathleen lachend: "Schaustellerin natürlich, jemand muss doch das Geschäft übernehmen."

Das Kasseler Frühlingsfest auf der Schwanenwiese ist noch bis zum 8. Mai geöffnet.

Auch interessant

Kommentare