„Die Rente ist nicht mehr sicher”

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Briefwechsel vom EXTRA TIP Chefredakteur Rainer Hahne. Diesmal an Norbert Blüm.

Briefwechsel. Sehr geehrter Norbert Blüm,

Sie waren in der Ära Helmut Kohl Bundes”Renten”minister und haben in einer groß angelegten Werbekampagne gegen die Skepsis in der Bevölkerung angekämpft. Schon damals glaubten immer weniger Menschen, dass es auf Dauer mit der Rente so weitergehen würde. Zu dreist war immer wieder in die Rentenkasse gegriffen worden. Sie haben es uns Deutschen förmlich eingehämmert. Ingrid Steeger wird man für immer mit dem "Schlitz im Kleid” in Verbindung bringen und Sie mit dem Spruch "Die Rente ist sicher”.

Hätten Sie nur geredet, wäre das längst vergessen. Doch Sie waren einer der wenigen Politiker, die Maßnahmen zur Sicherung der Rente eingeführt haben. Die Möglichkeiten der Frühverrentung wurden eingeschränkt. Dreiste Versuche der Industrie ältere Arbeitnehmer abzuschieben, erschwert. Die Altersgrenzen wurden erhöht und Abschläge eingeführt. All das hatte den Glauben an die Rente gefestigt.

Und jetzt das. Ausgerechnet zum 125jährigen Geburtstag der Deutschen Rentenversicherung stehen Sie da und erschüttern Deutschlands Rentner bis ins Mark: "Die Rente ist nicht mehr sicher.” Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ausgerechnet Sie das aussprechen würden.

Und Sie haben Ihre Gründe. Die Erhöhung des Rentenalters auf 67 hatte Sie noch optimistisch gestimmt. Doch dann kam die neue rot-schwarze Regierung und führte sich mit dem größten Wahlgeschenk in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein. Rente ohne Abschläge mit 63 nehmen bereits 160.000 Arbeitnehmer in Anspruch. Und die Mütterrente wird "millionenfach” ausgezahlt wie unsere Bundeskanzlerin betont hat. Macht alles in allem 300 Milliarden Euro – zum großen Teil zweckentfremdet aus der Rentenkasse. Eine Frechheit sondergleichen und für mich nichts anderes als dreistester "Diebstahl”.

Viele Politiker schämen sich wenigstens dafür und wissen ganz genau, dass diese Geschenke steuerfinanziert werden müssen. Andere hingegen sprechen dreist von "Umstrukturierung”.

Sie, Herr Blüm, haben es auf den Punkt gebracht: "Ein System, aus dem man mit Beiträgen nicht mehr bekommt als ohne, erledigt sich von selbst.” Und auf diesem Weg sind wir bereits. Irgendwann, wenn die jetztigen Politiker schon lange kein Thema mehr sind, wird die Absicherung auf Sozialhilfeniveau gesenkt. Bis dahin wird weiter verschenkt. Demnächst zwei Miliarden Euro durch Beitragssenkung. Und das wagen die angesichts einer demografischen Katastrophe, die auch durch immer mehr Einwanderer nicht zu verhindern sein wird.

Mit verrenteten GrüßenRainer HahneChefredakteur

P.s. Adenauer hat 1957 die Rente um 60 Prozent erhöht. Das war angesichts ausgedünnter Kriegsjahrgänge und zu Beginn des Wirtschaftswunders machbar. Frau Nahles hingegen wird als "Totengräber der Rente” in die Geschichte eingehen.

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