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Saftabfüller Lothar Herrmann beklagt katastrophale Apfel-Ernte

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Von: Rainer Hahne

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Nichts auf Lager: Wo sonst alles voll steht, sind in diesem Jahr nur vier Paletten Apfelsaft. © Soremski

Dieses Jahr ist kein gutes für den Kasseler Apfelsafthersteller Sonbosa: Die Apfelernte ist so schlecht wie seit 1920 nicht mehr.

Kassel. Es ist nichts los im Kasseler Hafen. Zu Dutzenden stehen bei Sonbosa normalerweise die Kunden, um Äpfel abzugeben. In diesem Jahr ist davon nichts zu spüren. „Wir haben um diese Zeit normalerweise schon den Keller voll mit Paletten voller Apfelsaftkisten. Heute ist der Keller leer. Und draußen stehen die Kunden normal bis zur Einfahrt in den Hafen. Heute ist keiner da“, zieht Sonbosa-Chef Lothar Herrmann eine traurige Zwischenbilanz der Apfelernte 2017.

Zwei gute Ernten habe es gegeben 2015 und 2016 , die jeweils rund 200 Tonnen (4000 Zentner) eingebracht hätten. 2017 ist bisher eine Tonne Äpfel (20 Zentner) über die Waage gegangen. „Nach Rekordernten ruhen sich die Bäume aus“, weiss Herrmann. In diesem Jahr ist Frost dazu gekommen und hat die Blüten kaputt gemacht. „So eine schlechte Ernte haben wir seit 1920 nicht in unseren Büchern gehabt.“

Und nicht nur Sombosa geht es so. Die Äpfel werden bei der Firma Geerths in Reinhardshagen verarbeitet. Dort werden normalerweise pausenlos die Früchte aus dem apfelreichen Nordhessen mit seinen Streuobstwiesen angenommen. „Jetzt haben sie eine Klingel angebracht. Wenn ich komme, kommt jemand aus dem Getränkeladen gegenüber. Es lohnt sich nicht, jemand den ganzen Tag dorthin zu stellen“, weiss Herrmann aus Erfahrung. Das treibt die Preise für die wenigen Äpfel in die Höhe. „Da most Du hin“, wirbt Becker’s Bester im Harz und bietet mittlerweile zehn Euro pro hundert Kilo Äpfel. Normalerweise zahlt man dort die Hälfte. Bei Sonbosa gibt es für fünfzig Kilo sieben Flaschen gratis.

Ganz hat Lothar Herrmann die Hoffnung noch nicht abgegeben. „Die späten Sorten sind noch an den Bäumen. Boskop und Ontario könnten uns noch retten. Aber dafür brauchen wir jeden Apfel.“ Herrmann ist selbst unterwegs und pflückt. Die Zeit dafür hat er ja. Und wenn es in Nordhessen nicht mehr besser wird? Herrmann zuckt die Achseln. „In Baden Württemberg ist die gesamte Apfelernte ausgefallen. Dort haben wir oft dazu gekauft. Ware aus dem Osten möchte ich meinen Kunden nicht zumuten. Die hat einfach nicht unsere Qualität und unseren Geschmack. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Von Montag bis Donnerstag nimmt Sonbosa am Hafen 15 in 34125 Kassel die Äpfel von 9 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr in der Erntezeit entgegen. Samstags ist ganzjährig von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet.

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