Sanierung Heinrich-Heine-Straße verzögert: Naturschutzverbände legten Widerspruch ein

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Zahlreiche Bürger legten bereits Protest gegen die geplante Fällung ein und statteten die Bäume der Heinrich-Heine-Straße mit provokanten Plakaten aus.

Zur Realisierung einer neuen Allee und umfassenden Sanierung der Heinrich-Heine-Straße ist eine Baumfällung geplant, die aktuell stark umstritten ist. Das sagen die Stadt, Parteien und Wehlheidens Ortsvorsteher zur Problematik:

Kassel. Die marode Heinrich-Heine-Straße soll zwischen Frankfurter Straße und Ludwig-Mond-Straße saniert werden, die dazu angekündigten Baumfällarbeiten sind aktuell stark umstritten. Nach Angaben der Stadt Kassel seien die Fällungen notwendig, da 90 der 137 stehenden Bäume in keinem guten Zustand mehr sind und als abgängig eingestuft werden. Die über drei Jahre lang entwickelte Planung sah es vor, die gefällten Bäume durch 122 neue Exemplare zu ersetzen und eine neue Allee entstehen zu lassen. Zahlreiche Bürger legten bereits Protest gegen die geplante Fällung ein. Auch die Kasseler Linke fordert den Erhalt möglichst vieler Bäume, da die Neupflanzungen ihre ökologischen Funktionen erst in den nächsten Jahrzehnten entfalten würde, so die Begründung.

In Frage gestellt wurde das Projekt im Besonderen von den Naturschutzverbänden Nabu, BUND und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Letztere und auch der BUND haben nun Widerspruch bei der Unteren Naturschutzbehörde eingelegt, weshalb die Fällarbeiten aufgeschoben und nicht wie geplant am vergangenen Donnerstag beginnen konnten. Laut BUND gäbe es für es für das Vorhaben keine ausreichend sachliche Begründung und im Hinblick auf die langsam heranreifenden Neuanpflanzungen würden die Baumfällungen umweltnützliche Wirkungen für viele Jahre unterbinden.

Aus einem Pressegespräch mit Stadtbaurat und Umweltdezernent Christopf Nolda und Verkehrsdezernent Dirk Stochla wurde ersichtlich, dass die Stadt Kassel trotzdem an besagtem Planungsvorhaben festhält. „Wir sind über das Aufkommen dieser negativen Wahrnehmung erstaunt, da wir immer daran interessiert sind, den Baumbestand der Stadt nachhaltig zu bewahren“, sagt Nolda. „Nach dem Umbau wird es rund 25 Prozent mehr Bäume als vorher geben“, so Nolda weiter.

Langjähriger öffentlicher Beteiligungsprozess

Ein Blick in die Projektchronik offenbare außerdem, dass der Naturschutzbeirat 2018 an zwei Terminen des Planungsprozesses beteiligt gewesen sei und keinen Widerspruch geäußert habe. Bereits vor zwei Jahren fand zudem ein Workshop im Bürgersaal statt, in dessen Rahmen 71 Anwohner und Bürger Kritik, Pläne und Anregungen zum Projekt gaben. Während der Ortsbeirat Südstadt der geplanten Rodung umgehend zustimmte, machte sich der Vertreter Wehlheidens bei einer fachkundig begleiteten Begehung selbst ein Bild und stimmte ebenfalls zu. Mit Unverständnis bewertet dieser das plötzliche Einschreiten der Naturschutzverbände: „Im Naturschutzbeirat wurden alle entsprechenden Verbände am Verfahren beteiligt. Wenn die Vertreter der Verbände im Naturschutzbeirat nicht im Sinne ihrer Verbände entscheiden oder diese nicht entsprechend einbeziehen, kann dies nicht zu Lasten der Verfahren gehen, in denen alle Schritte sorgfältig abgestimmt wurden“, so der Wehlheider Ortsvorsteher Norbert Sprafke.

Maßgebliches Ziel der 4,5 Millionen teuren Sanierung soll es sein, die Heinrich-Heine-Straße durch eine Verringerung der Fahrbahn in eine verkehrsberuhigte Straße umzuwandeln. Zudem sollen die sehr schmalen Grünstreifen und Gehwege, die nicht mehr der heutigen Norm entsprächen, angepasst werden. „Der Zustand der Heinrich-Heine-Straße ist in Kassel bekannt, das etwas geschehen muss steht außer Frage. Die alten Bäume müssen fallen, weil wir dem Ziel einer grünen Allee zukunftssicher gerecht werden wollen“, sagt Verkehrsdezernent Stochla. Fraglich sei außerdem, ob die geschädigten Bäume eine derartige Baumaßnahme, bei der ein Eingriff in die Tiefe und somit in den Wurzelraum erforderlich ist, längerfristig überstehen. „Wir stehen zu der Sanierung weil es ein guter, offener und transparenter Planungsprozess war, der die Pflanzung von mehr Bäumen, bessere Fuß- und Radwege und einen verkehrsberuhigten Straßenverlauf zum Ziel hat“, stellt Christine Hesse, umweltpolitische Sprecherin der Grünen Rathausfraktion, fest.

Der eingelegte Widerspruch verzögert das gesamte Projekt, die Untere Naturschutzbehörde muss nun entscheiden. Fakt ist, dass es einer schnellen Entscheidung bedarf. Im Hinblick auf die Vogelbrutzeiten ist die geplante Baumfällung auf Grundlage des Naturschutzgesetzes nur noch bis zum 28. Februar zulässig. Jeder weitere Zeitpunkt brächte erschwerte Bedingungen mit sich. „Ein Eingriff in die Natur darf nur an bestimmten Zeitpunkten erfolgen und wir halten uns an alle“, sagt Nolda.

Nur noch wenige Tage bleiben, um die geplante Fällung durchführen zu können.  

In Pressemitteilungen bezogen nun ebenfalls SPD und CDU Stellung:

Volle Unterstützung bekommen Bau- und Umweltdezernent Christof Nolda und Verkehrsdezernent Dirk Stochla in Sachen Heinrich-Heine-Straße von der SPD. „Für uns ist klar, dass die Linden in einem schlechten Zustand sind und die nächsten zehn Jahre nicht überstehen. Es ist scheinheilig und schadet ihrer Glaubwürdigkeit, wenn jetzt einige Umweltverbände behaupten, nicht frühzeitig und ausreichend informiert worden zu sein“, betont Harry Völler. Es sei schade, dass die Anwohner durch das Verhalten einiger Naturschutzverbände möglicherweise auf Jahre auf eine Sanierung ihrer Straße verzichten müssten, wenn die Bäume nicht bis zum 28. Februar gefällt werden, da dann die Fördermittel wegfallen. Wenn die Fördermittel wegfallen, obwohl lang und breit mit allen Beteiligten diskutiert und geplant wurde, wird die Sanierung der Heinrich-Heine-Straße in den nächsten Jahren sicher nicht erfolgen.

Aufgrund der positiven Prognosen, die von externen Fachleuten hinsichtlich der Erhaltungsfähigkeit der Bäume in der Heinrich-Heine-Straße geäußert werden, wendet sich die Kasseler CDU-Fraktion gegen das sofortige Abholzen des gesamten Baumbestandes, erklärte Fraktionsvorsitzender Dr. Michael von Rüden. Zunächst müsse erst einmal geklärt werden, ob die Aussagen der Stadt hinsichtlich der starken Schädigung der Bäume tatsächlich zutreffen. Sollte es aufgrund dieses neuen Sachverhaltes zu einer Verzögerung der gesamten Baumaßnahme kommen, trage dafür der rot-grüne Magistrat die Verantwortung, so Dr. von Rüden.

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