Sanierung der Kaufburg: Disco-Teil wird abgerissen

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Die „Kaufburg“ an der Friedrich-Ebert-Straße soll umfangreich saniert werden, bei der Stadt bestätigt man Gespräche über eine „städtebauliche und architektonische Aufwertung des Objekts“.

Hier waren das "Yello", das legendäre "Prigogine" - und die vergangenen elf Jahre das "Soda": Nun soll im April im Zuge der Sanierung der "Kaufburg" an der Friedrich-Ebert-Straße der Gebäudeteil abgerissen werden, den die Nchtschwärmer als Disco-Standort kennen.

Kassel. Seit Anfang der 80er Jahre steht der markante rote Ziegelbau mit seinen Erkern und der zinnenartig ausgeprägter Dachform an der Friedrich-Ebert-Straße. Konzipiert mit sechs Büros und Praxen, 16 Ladenlokalen und über 48 Wohnungen. Während die Nutzung der „Kaufburg“ als Ladenpassage aufgrund der architektonischen Eigenheiten nie richtig in Fahrt kam, war die gastronomische Nutzung von Erfolg gekrönt: Als Disco-Legende Frank Rusteberg 1987 das „Prigogine“ als Nachfolger seines legendären „Yello“ an gleicher Stelle eröffnete, kamen die Nachtschwärmer aus dem Staunen nicht raus: Architekt Christian Hunziker hatte mit der französischen Bildhauerin Francoise Joilevt dem Zweckbau eine fantasievolle Raumgestaltung entgegengesetzt. Verschnörkelte Kunstschmiedearbeiten und grottenartige Wandverläufe kennzeichneten das „Prigo“ – und die Nächte dort waren lang und ausschweifend. Den Ball nahm vor elf Jahren das Soda auf: Glamour und eine ausgetüftelte Lichttechnik boten den Rahmen für zahlreiche gute Parties. Vor zwei Jahren dann lief der Mietvertrag der Betreiber Karl Börries und Georg Brechtken aus, wurde seitdem vom Inhaber Dr. Dr. Helmut Wagner (Gründer und Inhaber des Labors „wagnerstibbe“) nur monatlich verlängert, da man an einer neuen Nutzung für das Gebäude mit seinen 7789 Quadratmetern Gesamtfläche feilte. Die scheint jetzt gefunden: Das „Soda“ feiert mit drei großen Parties im März seinen Abschied aus dem Kasseler Nachtleben, der Mietvertrag wird nicht verlängert. „Wir hatte gute Jahre und tolle Nächte – leider endet die Ära Soda nun. Aber jetzt wollen wir es noch drei Mal richtig krachen lassen – und danach sieht man sich sicher auf einen Gin-Tonic irgendwo“, prophezeit Karl Börries, der mit seinem Geschäftspartner Georg Brechtken auch die Discos „York“ und „Club22“ betreibt. Nach Informationen des EXTRA TIPs soll der vorgesetzte Gebäudeteil, der den Eingangsbereich der Disko bildet, abgerissen werden. Den davorliegenden Platz hatte die Stadt Kassel, im Zuge der Neugestaltung der Friedrich-Ebert-Straße, als kleinen Stadtplatz sehr ansprechend angelegt.

Projektentwickler spricht von Sanierung

Der EXTRA TIP sprach mit dem beauftragten Projektentwickler Borzou Rafie Elizei (EBR Projektentwicklungs GmbH, Göttingen) über die Zukunft der Kaufburg. „Es ist richtig, dass wir mit der Sanierung des Gebäudes beauftragt sind. Dabei haben wir festgestellt, dass der betreffende Gebäudeteil nur mit sehr hohem Aufwand ertüchtigt werden kann, so dass die dann zu fordernde Miete nur schwer zu erzielen wäre“, sagt Raffie. Eine Umnutzung des Gebäudes zu einem Stadthotel, wie es die Gerüchteküche brodelt, sei kein Thema. „Wir sind noch in der Ideenfindung und auch in enger Abstimmung mit der Stadt Kassel. Im Sommer werden wir ein Gesamtkonzept präsentieren. Dabei werden die bestehenden Mieter – wie auch der beliebte Irish-Pub – berücksichtigt.“ An der Struktur des Hauses mit Büros, Wohnungen und Gewerbeflächen solle sich nichts ändern. „Wir sind aber natürlich gefordert, den Leerstand zu minimieren, der aktuell in der Kaufburg herrscht“, sagt Borzou Rafie Elizei. Auf EXTRA TIP-Anfrage bestätigt Michael Schwab von der Pressestelle der Stadt Kassel laufende Gespräche: „Die Stadt Kassel ist mit dem Eigentümer beziehungsweise dem beauftragten Architekten in Gesprächen zur städtebaulichen und architektonischen Aufwertung des Objektes.“

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