Vom Schicksal auf die Probe gestellt: Kasseler Paar durchlebt schwere Zeiten

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Familienfoto aus der Reha-Klinik: Mama Manuela Lorenz kann Fynn nur im Sitzen halten. Ihre komplette linke Körperhälfte ist seit seiner Geburt gelähmt.

Statt die Zeit als kleine Familie gemeinsam genießen zu können, müssen René Waas und der sechs Wochen alte Fynn derzeit ohne Mama Manuela auskommen. Lest hier mehr über ihre tragische Geschichte.

Kassel. Sie waren ein glückliches Paar, das sich gemeinsam auf die Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes freute – doch dann kam alles anders: Als Manuela Lorenz am Abend des 23. Mai in die Kasseler Diakonie Klinik kam, um ihren Sohn Fynn zur Welt zu bringen, nahm das Schicksal seinen Lauf.

Zehn Tage vor dem eigentlichen Geburtstermin setzten die Wehen ein. In derselben Woche, in der seinem fünfjährigen Sohn während eines komplizierten Eingriffs eine Zyste am Hirn entfernt werden musste, fuhr René Waas seine Freundin ins Krankenhaus. Der Vater von zwei fünf- und siebenjährigen Kindern aus erster Ehe freute sich auf den Familienzuwachs und das perfekte Glück mit seiner neuen Partnerin: „Auch Manuela hat sich das sehr lange gewünscht“, erzählt der 36-Jährige.

Doch anstatt die ersten Regungen des kleinen Fynn gemeinsam erleben zu können, sitzt er nun, sechs Wochen nach der Geburt, allein Zuhause in Rothenditmold und kümmert sich um den Säugling, den Haushalt, seine beiden anderen Kinder und alle Behördengänge, die seine Freundin seit dem 24. Mai nicht mehr in der Lage ist, zu bewältigen. Denn Manuela Lorenz ist seit der Geburt von Fynn halbseitig gelähmt. Der Auslöser: das sogenannte HELLP-Syndrom (siehe Extra Info unten).

Kurz vor der Entbindung klagte die 35-Jährige über starke Kopf- und Oberbauchschmerzen. Dann handelten die Ärzte ganz schnell: Fynn wurde per Kaiserschnitt geholt und Manuela Lorenz auf die Intensivstation verlegt. „Dort lag sie drei Tage lang, musste künstlich beatmet und durch eine Nasensonde ernährt werden“, erzählt der dreifache Vater. Das Syndrom hatte Hirnblutungen verursacht. „Dass beide noch Leben und Fynn dazu ein kerngesundes Baby ist, grenzt an ein Wunder“, berichtet Waas. Nun, sechs Wochen später, ist seine Freundin wieder ansprechbar, befindet sich in der Reha in Bad Wildungen und kämpft sich zurück ins Leben. „Ela macht jeden Tag Fortschritte, das ist toll. Eine Garantie, dass sie wieder die Alte wird, gibt es aber nicht. Die Erfolgschancen der Therapie sind ungewiss“, erklärt René Waas.

Manuela, die beruflich ein Lingeriegeschäft im Kasseler DEZ leitet, sei sehr ehrgeizig. Gleichzeitig mache ihr die verpasste Zeit mit ihrem kleinen Sohn jedoch sehr zu schaffen. „Ich fahre jeden Tag eine Stunde nach Bad Wildungen, damit die beiden sich sehen können. Aber langsam bin ich am Ende meiner Kräfte“, erzählt Waas. Trotz großer Unterstützung durch Familie, Freunde, Ärzte, Krankenkassen und seinen Arbeitgeber hat der 36-Jährige kaum Schlaf. „Meine Mutter, die selbst erst vor ein paar Wochen eine Krebsdiagnose erhielt und nicht weiß, wie lang sie noch zu leben hat, kümmert sich aufopfernd um Manuela und nimmt mir auch den Kleinen mal ab. Dauerhaft möchte ich Fynn aber auf keinen Fall aus den Händen geben, er braucht mich ja“, so Waas.

Nach Wochen des Pendelns zwischen Kasseler und Göttinger Kliniken, dem Reha-Zentrum in Bad Wildungen, Behördenbüros und dem Zuhause in Rothenditmold, wurde das Auto der Familien nun auch noch von Unbekannten aufgebrochen und ausgeplündert. René Waas schüttelt ungläubig den Kopf: „Langsam reicht es. Alles, was wir uns jetzt wünschen, ist, dass unsere geliebte Mama und Partnerin bald nachhause kommt, gesund wird und unsere kleine Familie endlich zur Ruhe kommen kann.“

EXTRA INFO: HELLP-Syndrom

Das HELLP-Syndrom ist eine der schwersten schwangerschaftsbedingten Erkrankungen. Medizinisch wird es den sogenannten Spätgestosen zugeordnet, gehört also zu einer Gruppe von Schwangerschaftserkrankungen, die sich erst im letzten Schwangerschaftsdrittel zeigen. Ein voll ausgebildetes HELLP-Syndrom gefährdet das Leben der Mutter und des Babys – meist entscheiden sich die Ärzte deshalb zu einer sofortigen Kaiserschnittentbindung. Die auslösenden Faktoren für das HELLP-Syndrom sind bisher nicht endgültig erforscht.Tritt es auf, kommt es zu erhöhten Leberwerten, nachlassender Blutgerinnung und rapidem Blutdruckanstieg bei der Mutter. Statistisch tritt das HELLP-Syndrom bei 0,2 bis 0,85 Prozent aller Schwangerschaften auf.

Quelle: www.windeln.de

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