Schimmelbude, Gewalt und Schikane – Mieter bleiben

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Kassel. Vom Vermieter abgezockt, beleidigt und sogar mit Reizgift attackiert: Die Rumänen bleiben trotzdem und kämpfen für ihr Recht.

Kassel.  In dem herunter gekommenen Mietshaus in der Rothenditmolder Straße ist die Hölle los. Hier versucht Vermieter André S. seinen rumänischen Mieter Ion Robesco los zu werden. Dabei geht er wenig zimperlich vor.

"Über 7000 Euro haben wir für diese Wohnung bezahlt. 450 Euro im Monat steht auf dem Mietvertrag. 150 Euro pro Person sollten wir bezahlen”, klagt Robesco. Ein schönes Geschäft für André S., wenn die Aussage so stimmen sollte. Denn: Zwischenzeitlich haben in der völlig herunter gekommenen Wohnung acht Rumänen gewohnt.Jetzt sind sie nur noch zu zweit, um für ihr Recht zu kämpfen, wie Robesco sagt: "Der Mann hat unser Werkzeug gestohlen, schuldet uns viel Geld.”  Deshalb bleibt er – sogar als der Vermieter gewalttätig wurde.

Am 12. Oktober musste Robescu nach einer Auseinandersetzung ins Elisabeth-Krankenhaus. "Prellungen, Distorsionen, Rippenbrüche, kleine Wunden und Reizgaskontakt”, stehen auf der Notfalldokumentation. "Ich dachte ich ersticke”, denkt Robescu mit Schrecken an den Reizgasangriff zurück.

In der Zwischenzeit hatte der Vermieter den Strom abgestellt. Per SMS verhöhnte er Robescu: "Immer schön zuhause bleiben, Fürst der Dunkelheit. Ich werde regelmäßig prüfen, ob Du Stromklau begehst. Das wird hart bestraft in Deutschland.”"Morgen gibt es trockenes Brot. Ich habe was im Mülleimer gefunden. Das kannst Du essen. Schimmel abkratzen. Dann schön kauen, Fürst der Finsternis.”

 Fürst der Finsternis

"Heute morgen gab es Eier mit Speck. und heute Mittag Wiener Würstchen. Weißt Du noch wie das riecht? Im Knast gibt es gute Suppe. Hmmm.”"Wie ist es mit dem Hunger, kleiner Freund? Ich bin gerade in einem Restaurant. Schön essen. Du wirst nicht einmal die Fahrkarte nach Rumänien verdienen.”"Es ist peinlich, dass so ein daher gelaufener rumänischer Straßenköter in Deutschland sich aufhalten darf. Aber das werde

ich ändern. Wenn ich einen von Euch arbeiten sehe, hole ich die Polizei und die Handwerkskammer.”

André S. erklärte auf Anfrage, er kaufe "kranke” Häuser in Kassel und mache sie günstig wieder fit. "Ich bedauere es mittlerweile sehr, dass ich die Rumänen nach Deutschland geholt habe. In der Wohnung hatte ich mit ihnen nichts als Ärger. Sie schulden mir noch reichlich Geld. Ich habe denen fristlos gekündigt.” Auf die Verletzungen des Mieters angesprochen sagte er nur: "Ich habe mich verteidigt.”

 Kein Schweigegeld

"Von mir”, so S. weiter, "bekommen die keinen Cent mehr. Die wollen, dass ich Schweigegeld bezahle. Deshalb machen sie öffentlich so einen Aufruhr. Aber ich bin zum Zoll gegangen und habe dafür gesorgt, dass das alles genau unter die Lupe genommen wird.”

Und was sagt die Polizei dazu? Pressesprecher Jungnitsch hat sich kundig gemacht: "Ich bezweifle, ob es möglich sein wird, herauszufinden, wer wem was schuldet. Aber sicher ist, dass hier Hausfriedensbruch und Körperverletzung begangen wurden. Das haben die Kollegen vor Ort festgestellt.” In der nächsten Woche werde es noch eine ganze Reihe Vernehmungen dazu geben.

Seit Monaten ermittelt auch der Zoll,  den beide Seiten eingeschaltet haben. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.Der EXTRA TIP wird weiter berichten. S. hat mittlerweile den Strom wieder angestellt.

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