Sie schnürt jede Frau zur erotischen Göttin

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Kunden aus ganz Deutschland lassen sich von Michaela Kirschberger aus Kassel Korsetts auf den Leib schneidern. Sogar Männer lassen sich einschnüren...

Kassel. Fragt man Männer nach dem erotischsten Körperteil einer Frau, nennen sie Busen oder Po. Für Michaela Kirschberger liegt es genau dazwischen. Die Taille, dieser Übergang zur Hüfte: Für die Kasselerin ist das Erotik pur. Die Körpermitte zum Hingucker zu machen, ist ihr Job: Michaela Kirschberger ist eine Korsettière. Aus ganz Deutschland kommen Kunden in das Atelier der "Midinetten” im Vorderen Westen, um sich ein Korsett auf den Leib schneidern zu lassen.

"Bei einem Korsett geht es um Millimeter"

Ob  korpulente Frauen, die ihre Pfunde in eine tolle Silhouette verwandeln möchten; Bräute, die sich ein besonderes Hochzeitsensemble wünschen, oder Opernsängerinnen, die ein extravagantes Bühnenoutfit brauchen:  Alle Korsetts werden von Michaela Kirschberger nach den individuellen Vorstellungen der Kunden handgefertigt. "Nach einem Vorgespräch machen wir eine erste Anprobe, bei der ich das Korsett genau anpasse. Erst danach wird es verstabt”, erklärt die gelernte Maßschneiderin. Genau diese Perfektion fasziniere sie bis heute. "Ein Korsett ist kein normales Kleidungsstück.  Hier geht es um Millimeter, um die perfekte Anpassung an den Körper.”  Ab 500 Euro kostet ein maßgeschneidertes  Stück aus dem Hause Kirschberger. Je nach Stoff und Aufwandblättern Kunden auch schon mal mehrere tausend Euro hin.

Selbsbewusste Trägerinnen

Die aufrechte Haltung gibt es gratis. Immer wieder erlebt Michaela Kirschberger, wie sich ihre Kundinnen durch das Korsett verwandeln. "Sie verlassen den Laden als neuer  Mensch.  Selbstbewusst und mit Grandezza”. Eine Kundin schwärmte vor Jahren, das Korsett fühle sich an, als  würde jemand von hinten die Arme um sie legen. "Das ist ein schönes Kompliment”, sagt die 45-Jährige.  Manchmal kommen auch Herren in ihr Atelier. Geschäftsleute, die klassische Herrenkorsetts unterm Anzug tragen. Oder Männer, die als Frau leben und mithilfe des Korsetts weiblicher wirken möchten. Leder-Korsetts, wie sie die Gothic-Szene trägt, oder sogenannte Tight Lacer, mit denen der Taillenumfang durch enges Schnüren extrem verringert werden soll, bietet Michaela Kirschberger nicht an. "Fetisch-Mode ist nicht mein Ding. Ich mag es  detailverliebt mit ein bisschen Chichi.”  Auch Patienten mit Rückenproblemen muss Michaela Kirschberger weg schicken. Zwar fördern ihre Korsetts eine gesunde Körperhaltung, orthopädisch-medizinische Zwecke erfüllen sie jedoch nicht.

Die Kasselerin würde sich wünschen, dass mehr Menschen Korsett tragen. Nicht nur zu besonderen Anlässen sondern auch mal als Stilbruch zur Fetzenjeans. "Frauen sollten ihre Weiblichkeit mehr zelebrieren. Die geht im Alltag viel zu oft flöten”, sagt Michaela Kirschberger.  Dabei ist das mit dem Alltag so eine Sache: Bücken ist mit dem Korsett nicht drin, ebenso wenig tiefes Luftholen oder exzessives Schlemmen. "Das perfekte Outfit also, um schlank durch die Weihnachtsfeiertage zu kommen”, sagt die Korsettière und lacht.

+++ EXTRA INFO: Die Midinetten +++

Die Näherinnen der Pariser Haute Couture wurden von den Bewohnern ihrer Stadt liebevoll Midinetten (midi, frz.: Mittag) genannt, weil diese in ihren farbenfrohen Kleidern ihre Mittagspause nutzten, um in einem Bistro eine kleine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Nach ihrer Pause gingen die Midinetten wieder in die Schneiderateliers zurück, wo sie in kleinen und wenig komfortabel eingerichteten Arbeitsräumen an langen Tischen eng beieinander sitzend an einem Kleid arbeiteten.Am 27. August 1949 streikten drei Tage vor den Herbstmodenschauen der Haute Couture 12.000 Midinetten, um für bessere Löhne und mehr Urlaub zu demonstrieren.

Die MidinettenPestalozzistraße 634119 KasselTel.: 0561/8166931Mail: info@die-midinetten. dewww.die-midinetten.de

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