Schulden trieben ihn zur Tat: Milde Strafe für Angeklagten im Untreue-Prozess

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Kassel. Er hatte Standmieten auf Hessentag und Stadtfest kassiert und behalten. Dafür gab's eine Geldstrafe für den Ex-Kassel Marketing-Mitarbeiter

Kassel. Am Ende konnte sich der 31 Jahre alte Angeklagte nicht beschweren: 120 Tagessätze à 40 Euro brummte Richterin Schornstein-Bayer ihm am Donnerstag wegen Untreue auf.Dagegen war der verursachte Schaden um einiges höher.Rückblick, Juni 2013: Als Bevollmächtigter der Kassel Marketing GmbH hat der Angeklagte Zugriff und Verantwortung über die bezahlten  Standmieten der Gewerbetreibenden auf dem Kasseler Hessentag. Als einer der Geschäftsleute seine Standmiete an Kassel Marketing bezahlt, nimmt der Angeklagte 1600 Euro an sich. Doch statt es an seinen Arbeitgeber weiter zu geben, lässt er es in die eigene Tasche wandern. Ähnliches geschieht im September auf dem Stadtfest: Dort übergeben drei Marktbeschicker ihre Miete an den Angeklagten – wieder wandert das Geld, knapp 3600 Euro, in die eigene Tasche.Kurz darauf fliegt der Schwindel auf. Angesprochen auf die Taten gibt der Ex-Mitarbeiter  alles zu, akzeptiert seine fristlose Kündigung und zahlt die Schadenssumme vollständig zurück. Um ein Verfahren wegen Untreue kommt er dennoch nicht herum.Am Donnerstag wurde nun das Urteil gesprochen: Eine Geldstrafe reichte der Richterin, die auch die Gesamtsituation des Angeklagten bewertete: "Ihre Lebenslage ist doch misslich derzeit", sagte sie. Tatsächlich plagten den gescheiterten Eventmanager zum  Tatzeitpunkt Schulden in Höhe von über 20.000 Euro. auch heute noch stundet er monatlich. Seit der Kündigung ist er arbeitslos, ohne Aussicht auf berufliche Zukunft aus Kassel weggezogen und  wohnt wieder bei seinen Eltern. "Ich habe mich damals in einem Tief befunden, die Schuldenfalle hatte zugeschnappt", rechtfertigte sich der 31-Jährige. Und zeigte sich – mit einem Blick auf den Anklagestuhl auf dem er saß – einsichtig: "Ich weiß nur, dass ich auf diesem Stuhl nie wieder sitzen möchte."Übrigens: Mit Blick auf die Schuldenlast des Täters rieten sowohl Richterin als auch Vertretung der Anklage, dass der 31-Jährige seine Geldbuße abarbeiten sollte. 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit entspreche der Strafsumme. "Aber viel Zeit haben Sie derzeit ja wohl", so der Anklagevertreter.

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