Schulstart in Corona-Pandemie: Mehrstufige Konzepte für Schulen, Kitas und Horte in Kassel

Es gilt eine Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen in den Schulgebäuden.

Kassel. Wie in ganz Hessen starten auch in Kassel die Kinder und Jugendlichen in das neue Schul- und Kitajahr. In den vergangenen Wochen haben alle Beteiligten dazu Hygienekonzepte erarbeitet, um auf Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bestmöglich vorbereitet zu sein. "

Sollte es zu Verdachtsfällen an Schulen kommen, haben wir ein vernünftiges Konzept, das sich bereits bewährt hat", sagte Oberbürgermeister Christian Geselle. "Vor den Ferien gab es beispielsweise Fälle an Königstor- und Losseschule. Daraufhin haben wir die Schulen vorsorglich vorrübergehend geschlossen, Kontaktpersonen getestet und verhindert, dass es zu weiteren Infektionen kam. So konnten die Schulen auch schnell wieder geöffnet werden." "Natürlich steht der Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen, aber ebenso von Lehrenden, pädagogischen Fachkräfte und den weiteren Berufsgruppen, die an einer Schule arbeiten, an oberster Stelle", betonte Bildungs- und Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote zu den Planungen der Stadt Kassel.

"Zugleich haben Kinder und Jugendliche aber genauso ein Recht auf Bildung, Teilhabe, Förderung und Betreuung. Längere Schließungen wie vor den Sommerferien wollen wir nach Möglichkeit vermeiden, damit wenig Unterricht ausfällt und Kinder in den Schulen, Kitas und Horten spielen und lernen können." Über die aktuellen Regelungen hat am Donnerstag, 13. August, das Land Hessen informiert. So gilt landesweit unter anderem eine Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen in den Schulgebäuden. Während des Unterrichts dürfen diese abgenommen werden. Vorsorgliche Quarantäne bis zur Klärung der Lage Tritt der Fall eines Nachweises der Atemwegserkrankung COVID-19 auf, sei es nach wie vor nicht auszuschließen, dass Einrichtungen vorübergehend ganz oder teilweise geschlossen werden müssten, erläuterte Gote. "Grundsätzlich ist es nicht unser Ziel Schulen, Kitas und Horte komplett zu schließen. Aber wir werden gewissenhaft und auch verantwortungsvoll entscheiden. Sofern es die Infektionslage erfordert, werden wir kurzfristig – bis zum Vorliegen der Ermittlungsergebnisse – eine größere Anzahl von Personen bzw. einzelne Gruppen- oder Klassenverbünde vorsorglich in Quarantäne nehmen." Dabei gehe die Stadt Kassel in Abstimmung mit den jeweils betroffenen Einrichtungen stufenweise vor – dem Prinzip zur Bildung von Clustern folgend. "Sobald die Lage klar ist, werden nur die Personen in Quarantäne bleiben müssen, die für die Unterbrechung der Infektionskette erforderlich sind", sagte Gote. "Alle anderen werden nach einigen Tagen wieder arbeiten, lernen oder spielen können."

Zeit gewinnen, um Kontakte zu ermitteln und zu kategorisieren

Die kurzzeitige Quarantäne größerer Gruppen werde vorsorglich erfolgen und verschaffe dem Gesundheitsamt zunächst einmal wichtige Zeit. Im Falle eines positiven Abstrichs in einer Schule, Kita oder einem Hort kann es im Zuge der Ermittlung von Kontaktpersonen dazu kommen, dass Personengruppen (Klasse, Lerngruppe, Kurs) oder in Ausnahmefällen alle Personen, die die Einrichtung besucht haben, kurzzeitig in Quarantäne genommen werden müssen. "Diese Zeit der vorsorglichen Quarantäne benötigen unsere ermittelnden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sich in ausführlichen Gesprächen mit den Betroffenen über die Art und die Qualität der Kontakte informieren zu können", erläuterte Regine Bresler, Leiterin des Gesundheitsamts Region Kassel.

Die Gespräche seien notwendig, um die betroffenen Personen den entsprechenden Kontakt-Kategorien zuordnen zu können. Die Kategorie 1 bezeichnet beispielsweise Personen mit einem engen Kontakt zu einer infizierten Person und damit einem höheren Risiko, sich eventuell angesteckt zu haben. Im weiteren Verlauf werden dann die Personen, die nicht zur Kategorie 1 gehören schnellstmöglich aus ihrer Quarantäne entlassen. Gleichzeitig werden ggf. weitere Maßnahmen (zum Beispiel Abstriche bei Kontaktpersonen) angeordnet und umgesetzt. Beratung nach Empfehlungen von Kinder- und Jugendmedizinern Das Gesundheitsamt Region Kassel hat bereits zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas und Horte umfangreich beraten, mit welchen Schutzmaßnahmen der Betrieb bei unterschiedlich stark ausgeprägten Infektionsgeschehen aufrechterhalten werden kann.

Handlungsleitend sind dabei Empfehlungen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) sowie natürlich die Vorgaben des Hessischen Kultusministeriums (https://kultusministerium.hessen.de/schulsystem/coronavirus-schulen/fuer-schulleitungen-und-lehrkraefte). Unabhängig von der Zahl der Infektionen ist laut DAKJ grundsätzlich das gründliche Händewaschen mit Wasser und Seifenlösung und Benutzung von Einmal-Papierhandtüchern sowie das stündliche Lüften angezeigt. Empfohlen wird bei einem entsprechenden Infektionsgeschehen, dass feste Gruppen und Klassen bestehen und diese nicht gemischt werden.

 Dazu zählen auch separate Pausengruppen. Bekannte Hygieneregeln bleiben die besten Schutzmaßnahmen "Im Alltag bleiben die besten Maßnahmen zum Infektionsschutz nach wie vor die bekannten Hygieneregeln, die viele Kinder und Jugendliche oftmals besser verinnerlicht haben als manche Erwachsene", ruft Gote in Erinnerung. "Dazu gehört ein Mindestabstand von 1,50 Meter und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung unter anderem in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr – also immer da, wo Abstandsregeln nicht eingehalten werden können." Hintergrund – Erkenntnisse der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin Obwohl seit dem Beginn der Corona-Pandemie viele neue Erkenntnisse veröffentlicht werden, seien noch nicht alle Fragen zur Rolle von Kindern und Jugendlichen bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 abschließend geklärt, so die DAKJ. Weitere seriöse wissenschaftliche Studien seien notwendig. Nach den bisherigen Erkenntnissen der DAKJ bestehe bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen eine geringere Infektionshäufigkeit, eine geringere durchschnittliche Erkrankungsschwere sowie damit einhergehend ein deutlich geringeres Risiko für schwerste Verläufe von CoVID-19.

Vieles spreche dafür, dass Kinder und Jugendliche (zumindest bis 14 Jahre) das Coronavirus SARS-CoV-2 seltener als Erwachsene auf andere Menschen übertragen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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