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Schutz aus dem 3 D-Drucker: Kasseler Werkstatt produziert Gesichtsschilde

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Von: Isabell-Carolyn Schulz

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Die Kasseler Designerin Gita Wikullil ist eine von 6500 Freiwilligen, die mit dem 3 D-Drucker die Teile für das sogenannte ‚Prusa Faceshield‘ produzieren. © Wikullil

In der offenen Werkstatt Hammertime konnten Interessierte handwerkliche Projekte umsetzen, nun werden dort Gesichtsschilde zusammengebaut. Die Teile dafür produzieren rund 6500 Freiwillige mit ihren 3 D-Druckern.

Kassel. Gita Wikullil ist Diplom-Designerin, vertreibt in ihrem gleichnamigen Geschäft Baubedarf für Design- und Architekturmodelle und ist seit einigen Tagen Teil eines rasant aufstrebenden Kasseler Projekts. „Wann immer ich meine Maschine anschmeißen kann, helfe ich natürlich gern“, sagt die 37-Jährige. Mit der Maschine meint sie ihren 3 D-Drucker, mit dem sie die gemeinnützige Unternehmergesellschaft ‚Hammertime‘ bei der Herstellung von Gesichtsschilden unterstützt. Diese Plastikschilde werden aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie dringend für medizinisches Personal benötigt, damit es sich provisorisch vor direktem Tröfchenflug durch Anhusten oder -niesen abschirmen kann.

„Das Projekt geht gerade durch die Decke, unter dem Slogan ‚#MakerVsVirus‘ haben sich nach zwei Wochen schon 6500 Freiwillige aus ganz Deutschland zusammengetan“, erklärt Sven Wienforth. Mit weiteren Ehrenamtlichen zählt er zum rund zwölfköpfigen Organisationsteam der offenen Kasseler Werkstatt Hammertime. In den Interim-Räumlichkeiten am Kulturbahnhof wird Interessierten dort sonst die Möglichkeit geboten, handwerkliche, technische oder künstlerische Projekte umzusetzen. Seit sich ein Arzt des Kasseler Klinikums an die ihm bekannten Hammertimeler wandte, werden in der Werkstatt am Bahnhof nun die Gesichtsschilde zusammengebaut. „Herr Fink hat einen Bericht über den tschechischen 3D-Drucker ‚Prusa‘ gelesen, der das gleichnamige Gesichtsschild konzipiert hat und die zugehörige Druckdatei online zur Verfügung stellt“, sagt Sven Wienforth.

Gemeinschafts-Produktion ‚Prusa Faceshield‘

Mittels dieser lizensierten Datei drucken die Freiwilligen mit zwei Kunststoffteilen quasi die Halterung für das aus mehreren Teilen bestehende Gesichtsschild. Ebenso Schulprojekte, Universitäten und professionelle Dienstleister mit verfügbaren Produktionskapazitäten haben sich dem Projekt bereits angeschlossen. Die Kopfteile, die sie herstellen, werden in der Hammertime-Werkstatt anschließend um Gummibänder zur Fixierung sowie jeweils einer eigens gelaserten Plastikfolie ergänzt.

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Oben sind im Bild die fertigen, gelochten Halterungsteile zu erkennen, unten rechts die gelaserten Plastikfolien. © Makersvsvirus

Die erste, 200 Schilde umfassende, Bestellung des Kasseler Klinikums ist längst abgefertigt und die aktuelle Nachfrage von Arztpraxen oder auch dem Deutschen Roten Kreuz ist derzeit hoch. Ihre tägliche und deutschlandweite Produktionskapazität schätzt die Initiative auf 10.000 Schilde.

Gita Wikullil erklärt als eine der tausenden Helfenden: „Ich produziere jetzt erst einmal drauf los und schaffe vier Teile pro Tag, wenn es gut läuft.“ Das klingt nach wenig, aber der entscheidende Faktor seien hier nicht etwa die Produktionskosten, die sich sehr gering halten, sondern ein gravierender Zeitfaktor von mehreren Stunden pro Teil. „Wir liegen insgesamt bei rund 2,50 Euro Produktionskosten pro Maske und bieten diese derzeit kostenlos an. Unter www.makervsvirus.org erbitten wir aber Spenden zur Herstellungsfinanzierung“, betont Sven Wienforth.

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