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Zum Schutz: Kinder sollen Caldener Flüchtlingslager verlassen

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Von: Rainer Hahne

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Nach der Massenschlägerei im Caldener Flüchtlingslager fordert Augenzeugin Bärbel H., dass Kinder und Schwangere das Lager verlassen sollten.

Kassel. Die Schlagzeilen nach der Massenschlägerei in der Erstaufnahmeeinrichtung von Calden sind durch Deutschlands Medien gegangen. Der EXTRA TIP sprach mit einer Frau, die hautnah dabei war.

ET: Sie waren dabei als die Schlägerei begonnen hat.

Bärbel H.: Ich war zur Essensausgabe eingeteilt. In der Schlange rangelten schon Ältere und Jüngere. Ein älterer Herr wurde geschubst. Nach der Essensausgabe ging der Streit weiter und einige Flüchtlinge haben gedroht: "Heute Nacht gibt’s Ärger. Das lassen wir nicht auf uns sitzen.” Die Securities haben die Prügelnden durch den Hangar nach außen geschoben. Die Stimmung in der Einrichtung war sowieso hochaggressiv, da viele der Männer darüber informiert worden waren, dass sie zurück in ihre Heimat müssen. Solche Leute kann man nicht mit Kindern und hochschwangeren Frauen in einem Raum lassen.

ET: Was hat die Polizei gemacht?

Bärbel H.: Erst wurde Verstärkung geholt. Niemand durfte zurück in die Einrichtung. Das war mittags um 14 Uhr.

ET: Wie ging es weiter?

Bärbel H.: Abends war ich wieder bei der Essensausgabe. Ich habe ins Lager geschaut und auf einmal gesehen, dass ein einzelner Mann von dreißig Männern mit Knüppeln gejagt wurde. Ich habe mich mit Frauen und Kindern hinter den Toilettenwagen in Sicherheit gebracht. Wir hatten Todesangst, haben geschrien. Der Mann konnte sich in die Halle retten und wurde dort von der Polizei verhaftet. Die anderen hat man in Ruhe gelassen. Da habe ich die 110 angerufen und gefordert, dass hier mehr Polizisten hinkommen. Die zwanzig, die hier waren, haben sich nicht in das Lager getraut.

ET: Damit war Ruhe?

Bärbel H.: Nein, ich habe ein Interview gegeben und wurde entlassen. Trotzdem habe ich natürlich mitbekommen, dass die ganze Nacht keine Ruhe war. Viele Flüchtlinge wurden auf eigenen Wunsch in andere Lager verlegt.

ET: Wie sollte es in Calden weitergehen?

Bärbel H.: Wir sollten eine Bürgerversammlung abhalten. Schließlich ist ganz Calden im Ausnahmezustand. Ich möchte mich nur für die Kinder stark machen. Die sind schon traumatisiert in diese Einrichtung gekommen und müssen dann solche Szenen erleben. Es gibt doch genug Menschen, die helfen wollen.

Hier gelangen Sie zum Interview von Regierungspräsident Dr. Walter LübckeDen Briefwechsel von Rainer Hahne zum Thema "Flüchtlinge"

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