Schwere Schicksale

Gisela W. hatte ein schweres Leben und hat im „Panama“ neuen Halt gefunden.
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Gisela W. hatte ein schweres Leben und hat im „Panama“ neuen Halt gefunden.

Seit 25 Jahren: Panama hilft Menschen in Not! Der Extra Tip sprach mit Betroffenen...

Kassel. Heute, vor genau 25 Jahren – am 23. Februar 1989 – eröffnete die Tagesaufenthaltsstätte "Panama" in der Kölnischen Straße 35 in ­Kassel. "Wir bieten Menschen, die in Not geraten und durch finanzielle und persönliche Probleme ihren Halt verloren haben, einen Schutzraum", sagt Leiterin Ute Wienkamp und erklärt weiter: "Wir versuchen die Menschen aus ihrem Schattendasein zu ­holen, ­denn zu uns kommen nicht nur Obdachlose und ­Arme, viele von ihnen sind auch sehr einsam."

Zu ihnen gehören Gisela W., Hans L. und ein Mann, der schlicht "Herrmann" genannt werden möchte. Das Schicksal hat es mit den drei Wahl-Kasselern nicht immer gut gemeint. In einer Sache sind sie sich einig: "Das Panama hat uns neuen Halt gegeben."

"Panama gibt mir Halt"

Gisela W. erzählt beim Mittag­essen – das es im Panama für nur 1,25 Euro gibt – aus ihrem Leben. "Mein erster Mann ist an Herzversagen gestorben. Da war er erst 37 Jahre alt", erinnert sie sich und fügt mit trauriger Stimme hinzu: "Danach bin ich in ein tiefes Loch gefallen." Sie trankt viel Alkohol, "und mit meinem neuen Lebensgefährten ging dann das ‘volle Programm’ ab", sagt sie weiter. "Und zwar das volle Programm Schnaps."

1988 kam Gisela dann nach Kassel und schaffte den Entzug. Das war nicht ­immer leicht, be­sonders seit der Kontakt zu ­ihren vier ­Kindern abge­brochen ist, fühlt sich ­Gisela oft sehr einsam. "Ich würde mir von ­Herzen wünschen, dass wir wieder Kontakt ­haben", sagt sie traurig. Zuletzt sah sie ihre Kinder vor 17 Jahren – 1997. "Dennoch bin ich seit dem ab­stinent", sagt sie stolz.

Ein Grund dafür ist das ­"Panama". Hier fand Gisela immer ein offenes Ohr. "Ich bin seit 20 Jahren fast jeden Tag hier", erzählt sie. Am ­besten gefällt ihr, dass sie so wieder unter Leute kommt: "Hier ist man nicht einsam und es ist wirklich immer was los – auch an Feiertagen. Selbst  Weihnachten ver­bringe ich hier."

12.893 Gäste im letzten Jahr

Auch Hans L. und Herrmann wissen das zu schätzen. "Das gute Essen gefällt mir natürlich auch sehr gut", sagt Herrmann lachend. Er kommt gebürtig aus Hannover, war kaufmännischer Angestellter. Dann verlor er seinen Job, lebt heute von der Grund­sicherung. "Seit vier Jahren komme ich fast täglich ins Panama. "Toll ist auch, dass es Literaturrunden gibt und wir vergünstigt Veran­staltungen besuchen können." Für Herrmann Dinge, die er sich sonst nicht leisten könnte.

Ähnlich geht es Hans L. Der 56-Jährige kommt seit anderthalb Jahren täglich ins Panama. Er muss mit 70 Euro pro Woche auskommen. ­Einen Urlaub kann er sich nicht leisten. "Dank Panama schon. Im letzten Jahr war ich zwei Wochen auf Sylt. Eine unvergessliche Zeit", berichtet er mit strahlenden ­Augen.

Gisela, Hans und Herrmann sind nur drei der täglich rund 40 bis 50 Personen, die ins Panama kommen. "Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt 12.893 Besucher", so Leiterin Ute Weinkamp.

Aus dem heutigen 25-jährigem Jubiläum macht man bei Panama direkt ein ganzes Fest-Jahr. Und Weinkamp verspricht: "Es wird einige tolle Aktionen geben. Wie ­immer stehen unsere Be­sucher hier im Vordergrund." Mehr Infos: www.soziale-hilfe-kassel.de

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