Seit 50 Jahren läuft’s bei ihm rund: Uwe Welsch aus Kassel feiert 50-jähriges DJ-Jubiläum

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Voller Andenken: Die Wohnung von Uwe Welsch.

Als Uwe Welsch alias DJ Mr. Brown im Jahr 1967 einen befreundeten Club-DJ in einer Pause vertrat, hätte er nicht daran gedacht, dass daraus mal eine lange DJ-Karriere folgen wird.

Kassel. Wenn man die Wohnung von Uwe Welsch alias DJ Mr. Brown betritt, fühlt man sich wie im Museum. Fotos an den Wänden und Erinnerungsstücke von den 60er Jahren bis heute erzählen davon, was und wen der Musikexperte in dieser Zeit alles erlebt hat. Vor 50 Jahren hat der heute 72-Jährige zum ersten Mal aufgelegt.

Voller Andenken: Die Wohnung von Uwe Welsch.

Das war im Jahr 1967 im Fats-Domino-Club an der Wolfhager Straße, der zumeist von in Kassel stationierten GI’s besucht wurde. „Damals waren die DJs noch mehr Entertainer, mussten Sprüche machen, die heute keiner mehr hören will“, berichtet Welsch. Wenn er auflegt, kann die Partynacht schon mal bis 6 Uhr morgens gehen! Sein Erfolgsrezept: „Ich mache alles noch genauso, wie früher! Ich versuche die Leute zu unterhalten. Nur halt nicht mehr mit der Energie eines 20-Jährigen.“ Schon als 11-Jähriger begann Welsch sich für Musik zu interessieren und Platten zu sammeln. Sein Herz gehört der Soul- und Funk-Musik. „Die Musik hat mich damals schon gefesselt und tut es heute auch noch. Soul aufgrund der beeindruckenden Stimmen und Botschaften und Funk wegen der Musik-Power.“ Die meisten Schallplatten hat er aber mittlerweile seinem Sohn mit nach Berlin gegeben und durch CDs ersetzt. Vorteil dabei sei, dass man nicht ständig ein Rauschen und Kratzen wie bei Vinyl höre. Anderseits sei das bei alten Platten auch wiederum ein Reiz.

Anfang der 70er waren DJs auch Entertainer: Unser Archivbild zeigt Uwe Welsch im damaligen Club Atlantik

Bei seiner Arbeit als DJ seien CDs aber praktikabler. DJ wurde der Kasseler durch einen Zufall: „Im Fats-Domino wurde ich vom DJ, mit dem ich befreundet war gefragt, ob ich ihn mal vertreten könne.“ Als Uwe merkte, dass er gut ankam, nahm die Sache seinen Lauf: Der gelernte Großhandelskaufmann gab seinen damaligen Job als Buchhalter auf und war fortan als DJ unterwegs. Noch im selben Jahr gründete er zusammen mit drei Freunden im Hinterzimmer einer Kneipe an der Holländischen Straße den Musik- und Live-Club „Soul City“. Und trug fortan den Künstlernamen „Charlie Brown“. Am liebsten spielte er dort natürlich Musik von schwarzen Soul- und Funk-Künstlern. Mit der Zeit wurde die Räumlichkeit zu klein und der Besitzer vom „Club Atlantik“ bot ihm an, zu ihm zu wechseln. Gesagt, getan! Der Club war Treffpunkt für sämtliche Nationalitäten. Schwarze und weiße Amerikaner waren dort genauso zu sehen, wie deutsche Studenten oder Gastarbeiter aus aller Herren Länder. Alle hatten eins gemeinsam: Die Leidenschaft zur Soul-Music. In den 70ern wechselte Uwe seinen Künstlernamen in „DJ Mr. Brown“ und zog mit einer mobilen Disco durch Clubs und amerikanische Kasernen.

In den letzten 50 Jahren war der „Botschafter des Soul“ in vielen Clubs und Festivals wie beispielsweise dem Baltic Soul Weekender im In- und Ausland unterwegs. Und lernte dabei viele Stars der Szene kennen. „Ich liebe den Job und kann mir nicht vorstellen, damit aufzuhören. Er ermöglicht mir, meine Zeit frei einzuteilen und die u.a zum Reisen zu nutzen. Ich war schon auf jedem Kontinent.“ Auch in Zeiten von elektronischer Musik und Hip Hop ist Welsch gefragt wie kein anderer. „Es freut mich, wenn ich bei den Partys Leute von früher treffe, aber auch 20-Jährige im Club A.R.M., die meine Musik mögen. Dann weiß ich: Meine Mission kommt an.“ Natürlich spielt er auch neue Hits bzw vermischt die mit Soul-Klassikern. Zuhause, wenn er ein Erinnerungen schwelgt, gehört natürlich auch eine gute Soul-Platte dazu.

Sein Jubiläum feiert Welsch mit vier Auftritten. Zwei davon sind in Kassel: 1. September, Soultrain im Gleis1, 9. September, Last Penny Party im Theaterstübchen. Weitere Infos unter: www.djmrbrown.de

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