Im Seniorenzentrum Jungfernkopf steht ein Alpaka im Aufzug

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Wenn Alpakamädchen Zapaya durch die Flure des Seniorenzentrums Jungfernkopf schreitet, dann öffnen sich nicht nur die Zimmertüren, sondern auch die Herzen der Bewohnerinnen und Bewohner. Alle vier Wochen steht die tiergestützte Betreuung in der Seniorenarbeit auf dem Programm des Hauses.

Kassel. Sie ist elf Jahre alt, hat einen frechen Strubbelkopf und tiefbraune große Augen. Ein Parade-Enkelkind, wenn sie nicht nur alle paar Monate im Seniorenheim am Jungfernkopfvorbeikommen würde. Und dennoch –oder gerade deswegen – wird Zapaya bei ihrem Besuch am Mittwoch mit Leckerli überhäuft. Denn außer ihrem exotischen Namen hat Zapaya noch einen besonderen Besucherstatus: Das Alpaka-Weibchen gehört zum Team des „Hollerhofs“ bei Felsberg, von wo aus Kristina Hellmann alle vier Wochen mit Hühnern und Meerschweinchen, Hunden und eben dem Alpaka das Seniorenzentrum Jungfernkopf vom DRK ansteuert.

„Bei ihrer Geburt muss ein Sonnenstrahl sie direkt geküsst haben. Denn sie geht mit solch heiterer Zuversicht und lebendigem Interesse durchs Leben, dass man sich ihr sofort anschließen und die Welt mit ihren Augen sehen möchte“, sagt Besitzerin Kristina Hellmann.

Schon im Foyer nimmt Heideruth Gerdsen den Besuch im Empfang, füttert mit Begeisterung die Brotstücken, die Zapaya sanft aus der flachen Hand knabbert. 79 Jahre alt ist die Bewohnerin des Seniorenzentrums und wünscht sich ein Foto – für die Enkelkinder.

 Als Zapaya mit sanft wiegendem Schritt durch die Gänge in die Aufenthaltsräume steuert, bringt sie allerorten Freude mit. Eben noch im Puzzlespiel vertieft oder still den Gedanken nachhängend nimmt das Altenheim-Leben auf einmal Fahrt auf. Komplimente für das schöne Tier fliegen durch den Raum. Und als Zapaya die Brotstückchen nicht richtig zwischen den Schneidezähnen des Unterkiefers und der oben sitzenden Kauplatte zu fassen bekommt, gibt's einen Vergleich, der großes Gelächter hervorruft: „Als würde unser Gebiss nicht richtig sitzen“. Und der tierische Besuch weckt Erinnerungen – wie bei Dieter Grau, der einst für seine vierjährige Enkelin ein Katzenjunges in Obhut nahm, weil sie es nicht behalten konnte. „Heute ist meien Enkelin 24 Jahre alt – und die Katze lebt immer noch“, ist er überzeugt. Zapaya scheint ihm zugetan, lässt sich sogar anfassen. „Das mögen Alpakas leider nicht so gerne“, berichtet Hellmann. Ein Alpak-mich-nicht-an sozusagen.

Für Ursula Heinemann gibt es eine Ausnahme. Ganz nah kommt Zapaya an sie heran: „Oh, sie ist ja frisch geschoren“, begeistert sich die blinde Dame, als ihre faltige Hand den schlanken Hals des Alpaka-Mädchens streift.

„Es ist wundervoll zu sehen, wie ängstliche und zurückgezogen lebende Bewohnerinnen und Bewohner aufblühen, wenn das Team vom Hollerhof mit einem Alpaka durchs Haus zieht“, sagt Rebecca Reintjes, Leiterin der Sozialen Betreuung im Seniorenzentrum. Sie berichtet: „Viele Seniorinnen und Senioren hatten früher selbst Tiere und freuen sich deshalb besonders über den tierischen Besuch. Sofort entstehen an allen Tischen lebhafte Gespräche. Denn ein Alpaka im Gemeinschaftsraum ist nun wirklich nicht alltäglich“.

Auch nicht alltäglich ist, was dann passiert: Zapaya betritt den Aufzug, um die mobilitätseingeschränkten Bewohner in der oberen Etage an ihren Betten zu besuchen. „Das kann unser Esel nicht – der ist dafür verschmuster“, lacht Kristina Hellmann. Das kleine Kunststück hat einen traurigen Hintergrund: Ein Sohn bat um einen letzten Besuch des Alpakas bei seinem sterbenden Vater. Er sah es so gerne. Und seitdem kann auch ein Aufzug die Neugier von Zapaya nicht stoppen. Und das Alpaka-Mädchen kann Heiterkeit auch dort verbreiten, wo Menschen in ihren Betten liegend sie so dringend benötigen.

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