Sicherheitsdienst-Chef wegen Sozialversicherungsbetrug im großen Stil vor Gericht

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Sorgte mit dem kometenhaften Aufstieg seiner Sicherheitsfirma für viel Furore in der Branche. Seit Dezember 2016 sitzt Tim Lenhoff in der JVA Kassel-Wehlheiden in Untersuchungshaft. Ihm wird u.a. Sozialversicherungsbetrug im großen Stil vorgeworfen.  Anmerkung: Oft möchten Angeklagte auf Fotos unkenntlich gemacht werden. Lenhoff verzichtete auf Nachfrage darauf.

Mitangeklagt ist unter anderem auch die Ehefrau des 36-jährigen Hauptangeklagten. Da sie aber im siebten Monat schwanger ist, legte ihr Verteidiger ein Attest vom Arzt vor, in dem eine Verhandlungsunfähigkeit bestätigt wird.

Kassel. Mammutaufgabe für den Staatsanwalt: Mehrmals wisch er sich den Schweiß von der Stirn. Über eine Stunde dauert es, bis er die Anklageschrift gegen den ehemaligen Sicherheitsdienst 24-Chef Tim Lenhoff und die weiteren vier Mitangeklagten vorgelesen hat.

Lenhoff wird Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung im großen Stil vorgeworfen. Es geht um 4,6 Millionen Euro.

Mitangeklagt ist unter anderem auch die Ehefrau des 36-jährigen Hauptangeklagten. Da sie aber im siebten Monat schwanger ist, legte ihr Verteidiger ein Attest vom Arzt vor, in dem eine Verhandlungsunfähigkeit bestätigt wird. Mit Blick auf den errechneten Geburtstermin im Januar und der weiteren Prozesstage, die bis Ende Februar angesetzt sind, verzichtete der Richter auf eine Vorführung beim Amtsarzt und grenzte das Verfahren ab.

Lenhoff, der seit Dezember 2016 wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft sitzt und mit seinen damaligen 230 Mitarbeitern bundesweit in den Bereichen Event-Security, bei Bundesligaspielen und Konzerten sowie in Discotheken und als Sicherheitsdienst in Flüchtlingseinrichtungen agierte, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

Der Einweihung der neuen Firmenzentrale der Sicherheitsfirma in Vellmar folgte im letzten Jahr eine Steuerrazzia - und aus dessen Folge die Firmeninsolvenz.

Vorgeworfen wird ihm laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft: Verdacht des Vorenthaltens und der Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Steuerhinterziehung, Fälschung beweiserheblicher Daten, Untreue, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Lenhoff hielt zunächst einen Großteil der Gesellschaftsanteile der „SD 24 GmbH“ selbst, bevor er diese an seine Ehefrau übertrug. Er soll in den Jahren 2014 bis 2016 als Geschäftsführer bzw. später als sogenannter faktischer Geschäftsführer der Gesellschaft zum Zwecke der Gewinnsteigerung den Großteil der dort beschäftigten Arbeitnehmer nicht bzw. lediglich unter Angabe niedrigerer Löhne zur Sozialversicherung angemeldet und dementsprechend keine bzw. zu geringe Sozialversicherungsbeiträge abgeführt haben. Auch die Lohnsteuer soll er hinterzogen haben.

Verschleierung mit Abdeckrechnungen

Zur Verschleierung der tatsächlichen Arbeitsverhältnisse und deren Umfang sollen Abdeckrechnungen vermeintlicher Subunternehmer erstellt worden sein bzw. Arbeitnehmer veranlasst worden sein, selbst Rechnungen zu erstellen, um deren Selbständigkeit vortäuschen zu können. Hierdurch soll bei der Sozialversicherung ein Gesamtschaden in Höhe von circa 3,3 Millionen Euro entstanden sein. Des Weiteren sollen Lohn- und Umsatzsteuern in einer Gesamthöhe von circa 1,5 Millionen Euro hinterzogen worden sein. Mitangeklagt sind die 25 Jahre alte Ehefrau des Angeklagten sowie eine 32 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Würzburg, die ebenfalls im Unternehmen tätig waren und an einem Teil der Taten beteiligt gewesen sein sollen.

Gefälschte Qualifikationen 

Des Weiteren sind mitangeklagt eine 26 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Kassel, eine 56 Jahre alte Frau aus Kassel sowie ein 40 Jahre alter Mann aus Fulda. Ihnen wird Beihilfe zu einem Teil der Taten zur Last gelegt. Sie sollen an der Erstellung einer falschen Buchführung mitgewirkt haben bzw. an der Auszahlung von Schwarzlöhnen beteiligt gewesen sein. Dem 36 Jahre alten Angeklagten wird weiter zur Last gelegt, im September 2015 beim Ordnungsamt der Stadt Kassel für 11 Personen die Zulassung zum Einsatz verschiedener Arbeitnehmer als Wachpersonal beantragt zu haben, wobei er gefälschte Qualifikationsnachweise vorgelegt haben soll. Weiterhin soll der Angeklagte in der Zeit zwischen Januar 2016 und Juni 2016 als Alleingesellschafter einer Münchener Gesellschaft deren Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro veruntreut haben. Zudem soll der Angeklagte für die Jahre 2011 bis 2013 für ein weiteres, faktisch von ihm geführtes Unternehmen Umsatzsteuern in Höhe von circa 55.000 Euro hinterzogen haben. Schließlich soll er im November 2016 in drei Fällen mit einem PKW im Straßenverkehr gefahren sein, obwohl er die dazu erforderliche Fahrerlaubnis nicht besitzt. Für den Prozess sind weitere 11 Verhandlungstage zur Wahrheitsfindung angesetzt.

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