Ab sieben Metern wird's mulmig: Flic Flac-Nummern selbst getestet

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Der Flic Flac im großen Circus-Check: Selbstversuch und die Frage, wie es ist, selbst Artist zu sein?

Kassel. Atemloses staunen, stilles bewundern und tosender Beifall – Momente, die die Besucher bei jeder Flic-Flac-Show, dem "Festival der besten Artisten", erleben. Doch wie fühlt es sich an, in schwindelerregender Höhe auf dem Seil zu tanzen, am Trapez zu hängen oder im Todesrad gen Boden zuzurasen?

Der EXTRA TIP wollte es genau wissen – und schickte Sportredakteur Thomas Lange in die Manege zum Artisten-Training.

Ab aufs Drahtseil

Montag Morgen vor dem schwarz-gelben Flic-Flac-Zelt.  Mein Ziel sind nicht Kassen- oder Zuschauerraum. Ich will in die Manege, will selbst ein paar Nummern ausprobieren, spüren, was die Artisten fühlen.

Gesichert werde ich auf einem Drahtseil unter dem Zirkusdach balancieren, am Trapez kopfüber schaukeln, im "Todesrad" meine Runden drehen und schließlich in einer Eisenkugel stehen, während Motorradfahrer darin donnern.

Julio Robles ist der erste, der sich meiner annimmt. Neun Meter hoch klettere ich – natürlich gesichert – zu ihm und seinem Drahtseil. Weit höher wirkt es von oben, als aus dem Zuschauerraum. Während er  ungesichert vor mir balanciert, halte ich mich an seinen Schultern fest. Das daumendicke Drahtseil schwankt unter meinen zittrigen Knien. Hauptproblem: Wenn ich stürze, reiße ich Julio mit. Ich jedoch  bin gesichert, er nicht. Meine unsicheren Schritte gleicht er gekonnt aus. Normalerweise springt er auf dem Seil, wagt Salti. Mich hinüber zu führen ist da kein Problem, wir kommen an. Durchatmen.

Kein Problem sei auch das Gehen im Todesrad. Meint jedenfalls Jessé Brandao (22), der seit acht Jahren innen wie außen das Rad erklimmt. Er  springt auf dem doppelten Metallrad wie es ihm beliebt. Ich dagegen stolpere, stoße mich, trete ins Leere oder kippe vorne über. "Steh aufrecht und mach einfach normale Schritte", ruft er mir auf spanisch zu. Spaß macht es, elegant, lässig wie bei ihm sieht es bei mir jedoch nicht aus. Während Jessé in der Show ungesichert außen auf dem Rad mit verbundenen Augen balaciert, schaffe ich es immerhin, nicht aus dem Inneren herauszufallen.

Lange Arme am Trapez

Körperlich am härtesten wird ein Ausflug ans Trapez. Lisa Rinne (27) lädt mich ein, in acht Metern Höhe zu schaukeln, im Stehen und kopfüber. Beeindruckend, was die attraktive Blondine mit dem stahlharten Körper an Seil und Strickleiter zeigt. Mir gelingt es immerhin beim Schaukeln zu stehen. Sogar kopfüber, nur an den Beinen hängend, gelingt – gesichert und mit wenig Eleganz. Als ich nach kaum fünf Minuten wieder festen Boden unter den Füßen hab, kann ich meine Unterarme kaum noch bewegen. "Das ist die Angst, zu fallen. Normalerweise braucht man nicht so viel Kraft", lächelt Lisa Rinne. Ein kleiner Trost.

Dass ich nach diesen Nummern noch in die Stahlkugel zu den "Pinillo Moto Riders" steige, während zwei der waghalsigen Kolumbianer über, hinter und neben mir ihre Runden drehen, frage ich mich, wie sie dies während der Show zu zehnt schaffen. So ist es schon eng genug, heiß und der Lärm furchteinflößend.

Gute drei Stunden dauert mein Ausflug in die Welt der Artistik, Eleganz und Gefahr. Anstrengend war es und ein außergewöhnliches Erlebnis. Fazit: Maximaler Respekt vor der Leistung der Artisten. Und die Erkenntnis: Mein Platz ist vor dem Bildschirm der Redaktion – und nicht in der Manege des Zirkus’ Flic Flac.

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