Sinnloses Tierleid stoppen: Die Pelz Polizei klärte in Kassel über Echtpelz auf

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Eindeutig Kunstpelz, oder doch nicht? Julia Weibel vom Tierschutzbüro klärt EXTRA TIP-Redakteurin Nadja Feldle auf. Der so billig aussehende Schalkragen besteht tatsächlich aus echtem Fell und stammt von einer günstigen Jacke. Die Besitzerin der Jacke wollte den Kragen nach der entlarvenden „Feuerprobe“ nicht behalten. Nun dient er als Anschauungsbeispiel.

Muss das „echt“ sein? Tierschützer vom Deutschen Tierschutzbüro klärten Passanten in der Kasseler Fußgängerzone auf

Von Isabell Schulz & Nadja Feldle

Kassel. Auch in diesem Winter sieht man sie bei den niedrigen Temperaturen wieder: Mantelkapuzen und Mützen, die mit Pelz besetzt sind. Mit diesem Modetrend geht allerdings oft große Grausamkeit einher. Um die Fell-Accessoires herstellen zu können, müssen eine Vielzahl von Füchsen, Nerzen, Marderhunden, Waschbären oder Kaninchen ihr Leben lassen und werden auf brutalste Weise getötet. So riesig das Angebot für Fellbesetzte Kleidung bei den bekannten Modelabels ist, so wenig überschaubar ist es gleichzeitig.

Um Echtpelz an der Kleidung zu identifizieren, haben Julia Weibel (33) und Simone Sommerfeld (28) als Pelz Polizei auch in Kassel Halt gemacht.

Vielen Kunden ist gar nicht bewusst, dass das vermeintliche Kunstfell am neuen Wintermantel oft gar kein Plastik mehr ist, sondern echter Pelz. Ein Grund dafür sind die Produktionskosten. In den meisten Fällen sind diese für falsches Fell inzwischen wesentlich höher als für echten Pelz. Der Preis des Kleidungsstückes ist längst kein Indikator mehr dafür, ob Pelz verwendet wurde oder nicht.

Im Einsatz mit der Pelz Polizei

Als wichtigstes Mittel gegen einen steigenden Konsum von Echtpelz-Produkten erachtet das Deutsche Tierschutzbüro die Aufklärung der Verbraucher. Im direkten Kontakt mit Menschen wollen die Mitglieder dieser Tierrechtorganisation das Bewusstsein für das Tierleid schärfen. Als Pelz Polizei sind Julia Weibel und Simone Sommerfeld auf Städtetour und waren am Montag auch vor dem Kasseler City-Point im Einsatz, um die Passanten über den Fellbesatz an der Kleidung aufzuklären.

Echt oder unecht? Verbrauchen können kaum unterscheiden, was sie um den Hals tragen. Die Pelz Polizei klärt auf.

„Viele Leuten wissen gar nicht, dass sie Echtpelz an der Kapuze tragen und sind dann ganz erschrocken. Gerade an den Kapuzen ist Pelz unnötig, da die Accessoires überhaupt keine Wärme spenden“, sagt Julia Weibel, die schon seit einem Jahr in Deutschlands Städten über Fellbesatz aufklärt. „Wir fragen Pelzkragenträger, ob wir eine kleine Probe nehmen dürfen und zeigen direkt vor Ort, wie man Echtpelz identifizieren kann“, so Weibel weiter. Dazu gibt es drei einfache Möglichkeiten. Beim Reinpusten oder im Wind neigen sich echte Tierhaare zur Seite, Kunstpelz reagiert dagegen wenig auf Bewegung. Zieht man echtes Fell mit den Fingern leicht auseinander, ist eine natürliche Lederhaut zu erkennen.

Bei Synthetikfasern hingegen liegt eine gewebte Textilschicht vor. Die eindeutigste Methode ist es eine Haarprobe anzuzünden und bei der Verbrennung den Riechtest zu machen. Während echtes Haar nach Horn riecht, gibt Kunstpelz den Geruch von Plastik ab. „Die grundlegende Frage, die sich die Konsumenten stellen sollten ist: Wollen wir diesen Trend weiter fördern? Unser Anliegen ist es, dass diese Fellbesetzte Mode nicht mehr im Trend liegt und sich mehr Menschen beim Kauf bewusst dagegen entscheiden“, so Weibel.

Dabei kann das deutsche Tierschutzbüro bereits nachhaltige Erfolge verzeichnen. Die große Warenhauskette Breuninger und auch die Berliner Fashion Week haben eingelenkt und verzichten künftig auf Pelzprodukte.

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