"Die Situation ist dramatisch"

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Kassel. Gabriele Kopp, Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes Hessen, über Geburtshelferinnen in Sorge und die Folgen für werdende Mütter.

Kassel. Immer mehr freiberufliche Hebammen stehen vor dem beruflichen Aus, weil sie die explodierenden Haftpflichtprämien nicht mehr bezahlen können. Der EXTRA TIP sprach mit Gabriele Kopp, Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes Hessen e.V., über Folgen für Berufsstand und schwangere Frauen.

Frau Kopp, die Nürnberger Versicherung will zum 1. Juli 2015 aus den beiden noch verbliebenen Versicherungskonsortien  für Hebammen aussteigen. Wie steht es um die Zukunft der freiberuflichen Hebammen?Die Situation ist dramatisch. Ohne Versicherung dürfen Hebammen nicht einmal mehr Hausbesuche machen.  Das kommt einem Berufsverbot gleich. Schon jetzt geben viele Hebammen auf,  weil sie sich die Prämien für ihren ohnehin schlecht bezahlten Job nicht leisten können. Viele schulen um oder geben nur noch  Kurse für  Beckenbodentraining, Babyschwimmen oder Yoga.

Welche Folgen hat das für die schwangeren Frauen?Die Frauen verlieren ihr Recht auf Wahlfreiheit des Geburtsortes. Sie finden immer schwerer eine Hebamme, die sie während der Geburt in der Klinik betreut oder sie können  nicht in einem Geburtshaus  oder  zuhause gebären. Schon jetzt gibt es Engpässe, weil immer mehr freiberufliche Hebammen keine Geburtshilfe mehr anbieten können oder die verbliebenen ausgebucht sind. Vor allem im ländlichen Raum kann das fatale Folgen haben. Die Frauen müssen längere Fahrstrecken in Kauf nehmen. Wenn es schnell gehen muss, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Die Grundversorgung für Schwangere bricht zusammen.

Abgesehen von der Geburtshilfe. Warum sind Hebammen in der heutigen Zeit wichtig?Hebammen sind wichtiger denn je: Familien, Großeltern, wohnen oft hunderte von Kilometern weit weg, junge Eltern fühlen sich schnell alleine und überfordert mit der neuen Situation. Frauen werden heute durchschnittlich nach 48 Stunden aus den Kliniken entlassen, früher waren es sechs bis acht Tage. Umso wichtiger ist es, eine vertraute Hebamme jederzeit fragen zu können.

Welche Forderungen stellen Sie an die Politik?An erster Stelle muss die Politik sich darum kümmern, die flächendeckende Grundversorgung sicherzustellen. Wir fordern einen staatlichen Fond, der die immer höheren Schadenssummen-Forderungen auffängt.  Außerdem müssen die Regressansprüche  von 30 auf zehn Jahre gesenkt werden.

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