Soldaten-Kinder auf der Suche: Papa, wo bist du?

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Kassel. Mehr als 35 Jahre wusste Thomas Hansmann (Name geändert) nichts von seinem Vater, außer dass er ein amerikanischer Soldat war.

Kassel. Mehr als 35 Jahre wusste Thomas Hansmann (Name von der Redaktion geändert) nicht, wie sein Vater aussieht. Er wusste nicht, wo sein Vater lebt und vor allem nicht, was er für ein Mensch ist. Seine einzige Information: Sein Vater sei amerikanischer Soldat gewesen, und bis 1960 in Fuldatal-Rothwesten stationiert. Doch zufrieden gibt er sich damit nie. Also fängt Hansmann an zu forschen und findet ihn wieder. Doch das war ein langer Weg.

Eltern unterbinden Kontakt

Thomas Hansmanns Mutter lernt den GI in den 50er Jahren kennen. Die beiden werden ein Paar, wollen heiraten. Der Schock kommt 1960: Sohn Thomas ist unterwegs, als die Amerikaner aus Rothwesten abkommandiert werden. Eine Katastrophe für das junge Glück. Bitter: Briefe erreichen die Liebenden nicht, die Eltern geben die Post nicht an ihre Kinder weiter. Schließlich fügen sich die Deutsche und der "Ami" in ihr Schicksal ohne einander – und finden eine neue Liebe. Thomas Hansmann bekommt einen "neuen" Vater und zwei Brüder. Als er acht Jahre alt ist, erzählen ihm seine Eltern, dass er adoptiert sei und sein leiblicher Vater amerikanischer Soldat war. Mehr ist von der Familie nicht zu erfahren. "In mir begann es zu arbeiten. Ich stellte Fragen, erhielt aber keine Antworten. Das Thema war tabu", erinnert sich Hansmann heute.

Tante gibt ersten Hinweis

Im Alter von 20 Jahren verrät seine Tante den Namen des Vaters: Walther Miller. Eine erste Spur. Der nächste Hinweis bringt endlich Licht in die Familiengeschichte: 1990 entdeckt Hansmann in den Unterlagen seines verstorbenen Großvaters ein Einschreiben von 1966 mit dem Postvermerk Illinois/USA. Fünf Jahre später – nachdem Botschaft und Konsulat nicht weiterhelfen konnten – ruft er die Auslandsauskunft an. Die Überraschung folgt sofort: Problemlos erhält er eine Telefonnummer, dann geht es Schlag auf Schlag. "Unter dem Anschluss ging ein Anrufbeantworter dran. Ich nannte meinen Namen, sagte ich sei sein Sohn und hoffe auf Rückruf." Dann geht Hansmann schlafen. Mitten in der Nacht klingelt sein Telefon: "‘Hi, here is Walther Miller’, hörte ich am anderen Ende. Er hatte wirklich zurückgerufen", kann Hansmann noch heute kaum fassen. Einige Monate später kommt Walther Miller mit seiner Frau nach Deutschland, besucht seinen Sohn. "Als ich ihn am Flughafen abholte, hatte ich das Gefühl ihn schon ewig zu kennen", beschreibt Hansmann die ungewönliche Situation. Es folgt ein Gegenbesuch in Illinois, plötzlich hat Hansmann noch drei weitere Schwestern und drei Brüder. "Es ist wunderbar, wenn sich alle Wurzeln zusammenfügen. Ich wurde sofort innerlich ruhiger, weil ich die so lange gesuchte Person endlich gefunden habe". Als Miller 2010 stirbt, hinterlässt er eine vereinigte Großfamilie mit sieben Kindern, 13 Enkeln und zwei Urenkeln, die in regem Kontakt stehen und sich weiterhin besuchen werden.

+++ EXTRA INFO: Deutschland: 96.000 Soldaten-Kinder+++

Das Statistischen Bundesamtes schätzt die Zahl der Besatzungskinder amerikanischer Soldaten in Deutschland auf ca. 96.000.In Kassel trifft sich die Selbsthilfegruppe "Amerikanische Besatzungskinder suchen ihre Väter" regelmäßig.Infos und Termine bei KISS unter 0561-920055399, www.selbsthilfe-kassel.de und bei Ilona Laudien-Gasch, laudien.ilona@t-online.de.

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