Er soll 4,7 Millionen Euro veruntreut haben: Prozess gegen Sicherheitsdienst-Chef und Mitarbeiter beginnt

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Dem kometenhaften Aufstieg und der Einweihung der neuen Firmenzentrale der Sicherheitsfirma in Vellmar folgte im letzten Jahr eine Steuerrazzia.

Am Mittwoch beginnt vor dem Landgericht Kassel der Prozess gegen den Chef des insolventen Sicherheitsdienstes 24 wegen Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug.

Kassel. Es geht um knapp 5 Millionen Euro: Am Mittwoch beginnt vor dem Landgericht Kassel der Prozess gegen den Chef des insolventen Sicherheitsdienstes 24 wegen Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug.

Der 36-Jährige sitzt seit Dezember wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft in der JVA Kassel-Wehlheiden. Mitangeklagt sind auch fünf weitere Personen, darunter auch seine Ehefrau. Vorgeworfen wird dem Mann aus dem Landkreis laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft: Verdacht des Vorenthaltens und Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Steuerhinterziehung, Fälschung beweiserheblicher Daten, Untreue, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Der 36 Jahre alte Angeklagte war in verantwortlicher Position in einer Gesellschaft, deren Unternehmenszweck im Betrieb eines Sicherheitsgewerbes lag, tätig. Er hielt zunächst einen Großteil der Gesellschaftsanteile selbst, bevor er diese an seine Ehefrau übertrug. Er soll in den Jahren 2014 bis 2016 als Geschäftsführer bzw. später als sogenannter faktischer Geschäftsführer der Gesellschaft zum Zwecke der Gewinnsteigerung den Großteil der dort beschäftigten Arbeitnehmer nicht bzw. lediglich unter Angabe niedrigerer Löhne zur Sozialversicherung angemeldet und dementsprechend keine bzw. zu geringe Sozialversicherungsbeiträge abgeführt haben. Auch soll er Lohnsteuer hinterzogen haben.

Verschleierung mit Abdeckrechnungen

Zur Verschleierung der tatsächlichen Arbeitsverhältnisse und deren Umfang sollen Abdeckrechnungen vermeintlicher Subunternehmer erstellt worden sein bzw. Arbeitnehmer veranlasst worden sein, selbst Rechnungen zu erstellen, um deren Selbständigkeit vortäuschen zu können. Hierdurch soll bei der Sozialversicherung ein Gesamtschaden in Höhe von circa 3,3 Millionen Euro entstanden sein. Des Weiteren sollen Lohn- und Umsatzsteuern in einer Gesamthöhe von circa 1,5 Millionen Euro hinterzogen worden sein. Mitangeklagt sind die 25 Jahre alte Ehefrau des Angeklagten sowie eine 32 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Würzburg, die ebenfalls im Unternehmen tätig waren und an einem Teil der Taten beteiligt gewesen sein sollen.

Gefälschte Qualifikationen 

Des Weiteren sind mitangeklagt eine 26 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Kassel, eine 56 Jahre alte Frau aus Kassel sowie ein 40 Jahre alter Mann aus Fulda. Ihnen wird Beihilfe zu einem Teil der Taten zur Last gelegt. Sie sollen an der Erstellung einer falschen Buchführung mitgewirkt haben bzw. an der Auszahlung von Schwarzlöhnen beteiligt gewesen sein. Dem 36 Jahre alten Angeklagten wird weiter zur Last gelegt, im September 2015 beim Ordnungsamt der Stadt Kassel für 11 Personen die Zulassung zum Einsatz verschiedener Arbeitnehmer als Wachpersonal beantragt zu haben, wobei er gefälschte Qualifikationsnachweise vorgelegt haben soll. Weiterhin soll der Angeklagte in der Zeit zwischen Januar 2016 und Juni 2016 als Alleingesellschafter einer Münchener Gesellschaft deren Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro veruntreut haben. Zudem soll der Angeklagte für die Jahre 2011 bis 2013 für ein weiteres, faktisch von ihm geführtes Unternehmen Umsatzsteuern in Höhe von circa 55.000 Euro hinterzogen haben.

Fahren ohne Führerschein 

Schließlich soll er im November 2016 in drei Fällen mit einem PKW im Straßenverkehr gefahren sein, obwohl er die dazu erforderliche Fahrerlaubnis nicht besitzt.

Für den Prozess sind weitere elf Verhandlungstage angesetzt, die sich bis Ende Februar erstrecken. Beginn ist jeweils um 9 Uhr im Saal D130.

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