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„Der Sport verbindet“: JVA-Leiter Jörg-Uwe Meister über die Bedeutung von Fitness

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Warum Sport im Gefängnis für die Insassen wichtig ist, erklärt der Leiter, Jörg-Uwe Meister.

Kassel. Jörg-Uwe Meister, Leiter der Justizvollzugsanstalt Kassel I, erklärt, wieso der Sport (hier und hier zu den Artikeln) für die Insassen so wichtig ist:

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JVA-Leiter Jörg-Uwe Meister. © Feldle

"Dem Sport im Justizvollzug kommt im Freizeitangebot einer Justizvollzugsanstalt eine zentrale Rolle zu. Die Teilnahme an Sport- und Fitnessangeboten fördert die Persönlichkeitsentwicklung der Gefangenen und hat positiven Einfluss auf ihre soziale Kompetenz. Gerade Mannschaftssportarten unterstützen die soziale Kompetenz durch den Aspekt der Teamfähigkeit. Über das Erfahren von Erfolg und Misserfolg wird der Umgang mit Frustration und Aggression erlernt. Sport hilft, die Bedürfnisse nach Konditions- und Leistungssteigerung, Fitness und Ausgleich zu pflegen, und fördert Ehrgeiz und Ausdauer, vor allem aber Zielstrebigkeit. Der Sport stellt ein zentrales Wertevermittlungssystem dar, das auch diejenigen erreicht, die aus anderen Bildungszusammenhängen herausgefallen sind oder ihnen ablehnend gegenüber stehen. In diesem Sinn ist der Sport nicht nur als „Fitnessaspekt“ oder als „Ventilfunktion“ der Gefangenen zu sehen, sondern vor allem unter einem sozialen Aspekt und unter dem Gesichtspunkt der Erziehung und Bildung. Über den rein sportlichen Aspekt hinaus werden die Gedanken des Fairplay, der Gewaltfreiheit, der Toleranz und des friedlichen Miteinanders eingeübt. So unterstützen Sportangebote in besonderer Weise die Behandlungsmaßnahmen. Die Wertigkeit des Sports im hessischen Justizvollzug wird auch durch die Verankerung in § 31 des Hessischen Strafvollzugsgesetzes sowie in § 30 des Hessischen Jugendstrafvollzugsgesetzes verdeutlicht.

Sport stellt aber auch eine unterstützende Maßnahme im Bereich der Gesundheitsfürsorge für Gefangene dar und hilft ergänzend Gesundheitsprobleme, insbesondere Übergewicht u. ä. kooperativ in den Griff zu bekommen. Nicht zuletzt stellt der Sport in den Vollzugsanstalten einen Anteil an Resozialisierungs- und Integrationsmaßnahmen dar, da vielfach Kontakt zu externen Vereinen gepflegt wird und so ggf. Anlaufstellen für die Zeit nach der Entlassung geschaffen werden können. Für die Gefangenen bietet der Sport aber vor allem Abwechslung im Alltag des Justizvollzuges. Erfolgserlebnisse beim Sport heben die Stimmung und die soziale Atmosphäre eines sportlichen Spiels steigert das Wohlbefinden aller Akteure. Sportangebote im hessischen Justizvollzug werden nicht nur durch hauptamtlich tätige Sportlehrer und Sportübungsleiter vermittelt, sondern auch über Gefangenensportvereine, die zudem die Teilnahme von inhaftierten Sportlern am Spielbetrieb der hessischen Sportverbände ermöglichen. Ein Beispiel hierzu stellt der Gefangenensportverein (GSV) 74 e. V. der JVA Kassel I dar. Der Verein wurde am 16. März 1974 auf Anregung der damaligen Interessenvertretung der Gefangenen gegründet und als GSV 74 e. V. in das Vereinsregister eingetragen. Damit sollte der besondere Stellenwert des Sports innerhalb des Vollzuges betont werden. Ein weiteres wichtiges Ziel war die Integration des Vereins in die Strukturen des externe

n Sports, sprich den Hessischen Sportverband. Dieses Ziel konnte in die Tat umgesetzt werden und so ist der GSV 74 Kassel e. V. Mitglied im Landessportbund Hessen. Mit den Sparten Handball und Schach nimmt der Sportverein seit Beginn an am regelmäßigen Spielbetrieb teil. Neben dem regulären Sportangebot in der Woche gibt es immer wieder auch besondere Sportevents, so beispielsweise die einmal jährlich, meist im Mai oder Juni stattfindende erweiterte Sportwoche, in deren Verlauf 6- und 12-km-Läufe, Fitness- und Kraftsportwettbewerbe sowie Volleyball-, Fußball- und Handballturniere mit einer Vielzahl an Gastmannschaften stattfinden. Neben den sportlichen Aktivitäten ist es dem Verein in den Jahren seines Bestehens mehrfach gelungen, prominente Sportler wie z.B. Horst Eckel oder Uwe Seeler zu Besuchen in die Anstalt einzuladen, was die Akzeptanz des Vereins in der Öffentlichkeit durchaus stärken konnte."

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