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Mit Supernase gegen Corona

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Suche mit Näschen: Drago und Hundeführer Daniel Jannett (AWiAS Aviation Services).
IMG_0782.JPG © Krümler

Spürhunde erkennen mit SARSCoV-2 infizierte Personen zuverlässig und in sekundenschnelle

Kassel Spürhunde finden Drogen, Geld oder Sprengstoff in Koffern, spüren vermisste Menschen und Leichen auf. Selbst beliebte Schmuggelwaren wie beispielsweise Elfenbein erschnüffeln Spürhunde zuverlässig. Aber riechen sie auch, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert ist? „Ein ganz klares Ja“, so Daniel Janett von AWiAS Aviation Services, ein Unternehmen, das im Bereich Flugsicherheit tätig ist und u. a. mit speziell ausgebildeten Hunden Luftfracht auf Sprengstoffe überprüft. Auf Einladung von protex-Geschäftsführer Ernesto Plantera und in Begleitung von Schäferhund-Malinois-Mischling Drago war der Hundeführer jetzt in Kassel, um die Viren-Erkennung per Nase eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Denn die protex Sicherheitsdienste GmbH bietet ab sofort als erste in Nordhessen den Einsatz der Corona-Spürhunde zur Reduzierung potentieller Corona-Ansteckungen im Eventbereich an.

„Auf die Idee hat mich mein Freund Stefan Schreckenberger gebracht“, so Ernesto Plantera. Dessen Agentur ProEvent Hannover und Kooperationspartner der protex Sicherheitsdienste hat sich für den Einsatz von Corona-Spürhunden in der Veranstaltungsbranche eingesetzt und an einer umfangreichen Machbarkeitsstudie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) teilgenommen, in der – finanziell unterstützt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur – heraus gefunden werden sollte, ob ausgebildete Corona-Spürhunde im Alltag eingesetzt werden können, um mit SARS-CoV-2 infizierte Personen aufzuspüren. „Ziel des gemeinsamen Projekts ,Back to Culture 2021‘ war es zudem zu prüfen, wie und ob Großveranstaltungen durch den Einsatz von Corona-Spürhunden sicherer werden können“, erläutert Stefan Schreckenberger.

Ein Wattepad, Schweiß und eine Supernase reichen

Bei vier Veranstaltungen, indoor und outdoor sowie mit Gästezahlen von 500 bis 1.500, mussten die Corona-Spürhunde unter Getesteten, Geimpften und Ungeimpften diejenigen aufspüren, die das Coronavirus in sich tragen. Verfahren wurde wie folgt: Die Besucher strichen sich bei der Einlasskontrolle mit einem Wattepad über die Armbeuge, gaben das Pad ab, dieses wurde zu den Hunden gebracht, die in einem separierten Bereich an den Proben riechen. Das Ergebnis: Die ausgebildeten Spürhunde waren in der Lage, zwischen infizierten (positiv) und nicht infizierten (negativ) Proben zu unterscheiden. Bisher erzielten die Hunde im Einsatz und im Training eine Trefferquote von 99 Prozent. Die Antigen-Schnelltests und selbst die PCR-Tests bringen es teilweise auf schlechtere Bilanzen. Machbarkeitsstudien der Bundeswehr und bei AWiAS bestätigen die Ergebnisse: an speziellen Trainingsboxen markierten die Hunde mühelos die positiven Proben. „40 frei stehende Becher schaffen sie in zwölf Sekunden“, erzählt Ausbilder Daniel Jannett. Für die Tiere sei es eine vergleichsweise einfache Aufgabe, da sie sich bei Corona nur auf einen Duft konzentrieren müssen. „Im Fall von Sprengstoff müssen sie im Einsatz immer mehrere Gerüche unterscheiden.“ Ein geeigneter Hund lerne in wenigen Wochen, Covid-19 anhand von Speichel-, Schweiß- oder Urinproben zu erschnüffeln. Ob Schäferhund, Cocker oder Mischling ist dabei egal: „Jeder Hund mit einigermaßen langer Schnauze und Motivation kann es lernen“.

Riechen Infekt schon, wenn Test noch gar nicht anschlägt

Aber was riechen die Hunde eigentlich? Sehr wahrscheinlich nicht den Virus selbst. Vielmehr erkennen sie Veränderungen in der Bio-Chemie des Menschen. Kaum hat der Virus einen Organismus erreicht, beginnen typische Umwandlungen im Stoffwechsel. Das Immunsystem reagiert, Botenstoffe und Hormone werden ausgeschüttet. Dennoch können Hunde einen Schnupfen und andere Infektion jederzeit sicher von Corona-Fällen unterscheiden. Der Virus hinterlässt also eine einzigartige Geruchs-Signatur. Wie sich diese darstellt, will die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg jetzt genauer heraus finden. Besonders bemerkenswert ist, dass die ausgebildeten Super-Nasen die Infektion schon wenige Stunden nach der Ansteckung erkennen und das bis zu drei Tage vorher, ehe jeder chemisch-pharmazeutische Test anschlägt.

In Kassel setzt protex die Corona-Spürhunde vorerst am Kongresspalais ein – auf Anforderung und bei Veranstaltungen aller Art. In diesem Zusammenhang weist Ernesto Plantera ausdrücklich darauf hin, dass die Besucherinnen und Besucher nicht mit den Hunden in Kontakt kommen werden. „Vereinfacht ausgedrückt streift man sich mit einem Papierstreifen, wie man ihn aus Parfümieren kennt, über den Arm, gibt die Probe ab und Sekunden später hat man das Ergebnis – mit Nase geprüft.“

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