Stadt Kassel, Land und Bund zahlen 24 Millionen für documenta-Institut

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documenta-Geschäftsführer Wolfgang Orthmayr, OB Christian Geselle, Kunst-Minister Boris Rhein, Kulturdezernentin Susanne Völker und Uni-Präsident Prof. Dr. Reiner Finkeldey.

Mit einem Finanzierungskonzept für den Neubau und den Betrieb des documenta Instituts in Kassel hat der Magistrat jetzt die notwendige Basis für dessen Realisierung geschaffen. Konkretisiert werden damit die gemeinsamen Projektplanungen der Stadt Kassel, des Landes Hessen, der documenta und Museum Fridericianum gGmbH sowie der Universität Kassel und mit Unterstützung des Bundes.

Kassel.  Die nächste Etappe zu einem documenta-Institut ist absolviert: Am Mittwoch wurde die frohe Botschaft über die geregelte Finanzierung von Bau und Betrieb des geplanten Instituts verkündet.

 „Nach Jahrzehnten verschiedener Ansätze hat die Stadt Kassel jetzt mit den weiteren Beteiligten die Rand- und Rahmenbedingungen definiert und ausgehandelt, unter denen diese für Kassel, die Kunstwelt und die Forschung so wichtige Institution realisiert werden kann“, sagte Oberbürgermeister Christian Geselle, der kraft Amtes auch Vorsitzender des documenta-Aufsichtsrates ist.

 24 Millionen (zwölf vom Bund, sechs vom Land und sechs von der Stadt) darf der Bau kosten, der auf dem Parkplatz der Uni am Holländischen Platz entstehen soll. Das städtische Grundstück war im Jahr 2017 unter 18 untersuchten Orten in der Stadt als der geeignetste hervorgegangen und als Baugrund für das documenta-Institut festgelegt worden. Die in der Stadt herrschende Kritik wischte Minister Boris Rhein vom Tisch: „Es wird das Institut verkraften, dass es nicht neben dem Fridericianum gebaut werden wird.“

Parkplätze und Bäume: Das für den Bau vorgesehene Grundstück am HoPla.

Der Universitätspräsident Professor Dr. Reiner Finkeldey ist vom Standort begeistert – und überzeugt, dass sich Kassel mit dem documenta-Institut zu einem bedeutenden Ort für die Erforschung zeitgenössischer Kunst entwickeln wird: „Der wissenschaftliche Beitrag der Universität wird umfangreich, fächerübergreifend und bedeutend sein. Neben der documenta-Professur und drei neuen Professuren werden sich weitere Fächer engagieren. Gemeinsam mit allen Partnern wird es uns für Kassel gelingen, exzellente und international sichtbare Forschung zur documenta und zur zeitgenössischen Kunst zu etablieren.“

Das alles soll nicht hinter verschlossenen Türen passieren, wie Kulturdezernentin Susanne Völker unterstrich: „Das Institut basiert auf drei Säulen: Der Forschung und wissenschaftlichen Arbeit, dem documenta-Archiv als DNA des Instituts sowie der Vermittlung. Eine der zentralen Aufgaben wird daher sein, alles dort auch für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar zu machen.“

Mit der bis Ende 2018 angestrebten endgültigen Beschlussfassung durch die Stadtverordnetenversammlung soll die notwendige Klarheit für den weiteren Projektfortgang geschaffen werden, der dann auch einen Architektenwettbewerb für das Institut mit einer Grundfläche von rund 6.500 Quadratmetern vorsieht. Die Magistratsvorlage führt neben der Baukostenbeteiligung auch weitere Kosten auf: Die Betriebskosten für das Gebäude in Höhe von jetzt kalkulierten 200.000 Euro sollen zukünftig jeweils zur Hälfte von der Stadt Kassel und dem Land Hessen getragen werden. Und auch bei der Kostensteigerung für das documenta-Archiv (bislang eine Million Euro jährlich) um weitere 420.000 Euro greifen Stadt und Land – wie bisher – gemeinsam in die Tasche.

Nur bei einer Sache würde die Stadt ganz allein im Regen stehen: Wird der Bau teurer als 24 Millionen Euro, muss die Stadt die Mehrkosten ganz allein tragen. Allerdings steht in der Magistratsvorlage auch: „Mehrkosten sind durch entsprechend geeignete konzeptionelle oder durch bauliche Maßnehmen unter Berücksichtigung von Standortfaktoren zu verhindern oder wären zu gegebener Zeit im städtischen Haushalt zu veranschlagen.“

14 Ideen fürs Institut

Was ist ein angemessenes architektonisches Konzept für das geplante documenta-Institut? Antworten hierauf geben 14 Entwürfe, die Architekturstudierende der Universität Kassel am Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen (Prof. Philipp Oswalt) im Sommersemester 2018 entwickelt haben. Anlässlich der Ausstellungseröffnung im KAZ im Kuba (Hauptbahnhof) findet am 30. Oktober, 19.30 Uhr, ein moderiertes Gespräch statt, angeregt durch „44 Wünsche für das documenta-Institut“ aus der Stadtgesellschaft. Auf dem Podium sitzen MdL Martina Feldmayer, Stadtbaurat Christof Nolda und documenta-Professorin Nora Sternfeld. Die Moderation übernimmt Prof. Philipp Oswalt. Die Ausstellung ist bis zum 10. November im Kulturbahnhof zu sehen, Mi bis Fr 17 bis 20 Uhr; Sa und So 14 bis 17 Uhr.

Zwischenruf:

Vorsicht, Kostenfalle!

Einen Bau zu planen ist im Grunde immer schön. Alle dürfen sich ihre Wünsche reinzeichnen. Bei privaten Projekten ist es dann mal eine Sauna, mal ein Wintergarten. Natürlich: Der Kostenrahmen muss kalkuliert und festgezurrt werden. Denn wenns teurer wird, gerät der private Bauherr schnell ins Schlingern. Und auch jede Kommune tut gut daran, das immer zu erwartende Überschreiten des Kostenrahmens nicht zur Explosion werden zu lassen. Da murrt nicht nur der Steuerzahler, da wird auch schnell mal Unfähigkeit und Fahrlässigkeit der Planer unterstellt. Und weil die Stadt Kassel im Fall des documenta-Instituts laut Vereinbarung ganz allein für Mehrkosten beim Bau geradestehen müsste, tut sie gut daran, einen entscheidenden Passus in die Magistratsvorlage mit aufzunehmen. Eine Notbrems-Funktion, um ungeachtet aller schönen Pläne noch rechtzeitig einschreiten zu können – mit baulichen oder konzeptionellen Maßnahmen. Und da fällt dann, um beim Beispiel des Häuslebauers zu bleiben, der offene Kamin oder die Dachterrasse weg. Denn bei aller Liebe zur documenta, beim aus tiefstem Herzen vorgetragenen Bekenntnis für das documenta-Institut und die Weltkunstausstellung sowieso: Es muss bezahlbar für die Stadt bleiben. Und schon mit der (Teil-)Übernahme der Betriebs- und Personalkosten wird die Stadt fürs neue Institut einiges mehr für die Kunst springen lassen müssen, als es bisher der Fall war. Da möchte man sich nicht noch den dicken Klotz ans Bein binden, wenn der Bau mehr als die kalkulierten 24 Millionen Euro kostet.

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