Stadtbaurat Nolda zur Bausituation in Kassel: "Straßen sind das Wichtigste"

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Auch nicht schön: Straßen haben eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren. Dann entstehen Schlaglöcher und andere Unebenheiten.

"An jeder Ecke in Kassel wird gebaut. Geht das nicht anders?", fragen sich derzeit viele Kasseler und Besucher der Stadt. Stadtbaurat Christof Nolda ist sich seiner Sache aber sicher: "Wir bauen für die Bürger."

Kassel. Mehr als 20 Millionen Euro investiert die Stadt Kassel jedes Jahr in ihre Straßen und Brücken. Das Ziel: Die Verkehrsinfrastruktur erhalten, die Verkehrssicherheit erhöhen sowie das Stadtbild und das Wohnumfeld verbessern. Etwa 110 Millionen Euro hat die Stadt Kassel in den vergangenen fünf Jahren seit der letzten documenta in ihre Straßen und Brückenbauwerke und 5,9 Millionen Euro für die Signalsteuerung der Ampeln investiert. Hinzu kommen noch einmal zirka 60 Millionen Euro, die der städtische Eigenbetrieb Kasselwasser investiert hat, um die Kanalrohre zu erneuern oder zu reparieren. Öffentlich wahrgenommen werden meist nur die großen Baustellen, wie etwa die in der Friedrich-Ebert-Straße oder die Erneuerung und Modernisierung der Schönfelder Straße – die vor wenigen Tagen rechtzeitig vor Beginn der documenta 14 abgeschlossen wurden.

„Für jeden Anlieger ist aber die Straße vor seiner Tür die wichtigste“, erklärt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda. Und so sind die meisten der 85 in den zurückliegenden Jahren realisierten Bauprojekte auch solche, die in der breiten Öffentlichkeit zwar nicht wahrgenommen werden. Die aber dennoch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Infrastruktur und zur Zukunftsfähigkeit der Stadt leisten: Oft wird dabei nicht nur die Fahrbahn erneuert, sondern auch das sogenannte Wohnumfeld verbessert, z. B. die Parksituation, die Gehwege oder die Grünstreifen.

Drei Beispiele dafür sind die Gartenstraße/Hartwigstraße im Stadtteil Wesertor, die Haroldstraße in Harleshausen und die Grebensteiner Straße in Nord Holland.

Gartenstraße/Hartwigstraße: Nicht nur der Zustand der Fahrbahn wurde verbessert. Hier wurde auch die Aufenthaltsqualität auf den Gehwegen erhöht, indem durch bauliche Maßnahmen verhindert wird, dass Autos auf dem Gehweg geparkt werden. Zusätzliche Aufenthaltsflächen für die Anwohner wurden geschaffen und begrünt. Bauzeit: 2014; Kosten: ca. 950.000 Euro.

Haroldstraße: Zwischen der Wolfhager Straße und der John-F.-Kennedy-Straße wurden die Leitungen und die Fahrbahn erneuert, die in einem schlechten Zustand war. Die Fahrbahn war acht Meter breit und damit überdimensioniert – was Autofahrer dazu verleitete, zu schnell zu fahren. Um die Verkehrssicherheit und die Aufenthaltsqualität zu verbessern, wurde die Fahrbahn schmaler gebaut. Hierdurch wurde Platz gewonnen für einen breiteren Gehweg und einen ausreichend breiten Grünstreifen. Bauzeit: 2015; Kosten: ca. 425.000 Euro.

Grebensteiner Straße: Diese galt lange als eine der schlechtesten Straßen im Stadtteil. Da zwischen Holländischer Straße und Hauptfriedhof ohnehin am Kanal gearbeitet werden musste, beschloss die Stadt, in diesem Zuge auch die Straße grundhaft zu erneuern. Durch den Ausbau wurde ein angemessenes Straßenbild geschaffen, das auf der einen Seite ausreichend Platz für Fußgänger und Parkplätze schuf. Auf der anderen Seite konnten die das Straßenbild prägenden Bäume in großzügige Baumscheiben gefasst werden. Die Bäume strukturieren dort die Parkflächen. Bauzeit: 2015/16; Kosten: ca. 560.000 Euro.

Mehr als 20 Millionen Euro jedes Jahr für die Infrastruktur

Jedes Jahr investiert die Stadt Kassel etwas mehr als 20 Millionen Euro in ihre Verkehrsinfrastruktur. „Wir bauen für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, wenn wir die Straßen und Brücken baulich erhalten, die Verkehrssicherheit erhöhen und ein zukunftsfähiges Stadtbild mit hoher Aufenthalts- und Lebensqualität erzeugen“, erklärt Stadtbaurat Christof Nolda.

Zwei Straßenbauprojekte, die in den kommenden Jahren anstehen, sind die Heinrich-Heine-Straße in Wehlheiden sowie die Kasseler Straße in Waldau.

Heinrich-Heine-Straße: Sie wird oft beispielhaft genannt als eine Straße in schlechtem Zustand. Am 30. Mai 2017 können Anwohner und Mitglieder des Ortsbeirates Vorschläge für die Gestaltung der Straße machen. Wichtige Punkte dabei werden sicher auch die bislang zu schmalen Gehwege sein sowie der Allee-Charakter der Straße, den es zu erhalten gilt. Um den Verkehrslärm zu mindern soll das Pflaster gegen Asphalt ausgetauscht werden. Bauzeit: 2019/20; Kosten, ca. 3,25 Millionen Euro.

Kasseler Straße: Zwischen Nürnberger Straße und Waldemar-Petersen-Straße soll die durch den alten Ortskern führende Straße erneuert werden. Der Zustand der Straße macht dies dringend erforderlich. Durch die neue Planung können zusätzliche Flächen für Gehwege und Freianlagen gewonnen werden. Bauzeit: 2020; ca. 900.000 Euro.

Auch in die Kasseler Verkehrssteuerung muss kontinuierlich investiert werden um das erforderliche Sicherheitsniveau zu erhalten. In den vergangenen fünf Jahren wurden hier fast sechs Millionen Euro in die Bestandssicherung investiert. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet konnten so zum Beispiel die Ampelanlagen auf dem Steinweg und in der Altenbaunaer Straße erneuert und die Steuerungszentrale im Bereich Helleböhn modernisiert werden.

Den baulichen Zustand hat die Stadt Kassel laufend im Blick. 2006, 2012 und aktuell in diesem Jahr wird das Straßennetz in Kassel darüber hinaus im sogenannten Straßenzustandsbericht komplett erfasst. Diesen finden die Bürgerinnen und Bürger auf den Internetseiten der Stadt Kassel unter http://www.stadt-kassel.de/stadtplan/

Drei Fragen an Dr. Georg Förster, Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamtes der Stadt Kassel

Man hat ja oft den Eindruck: An jeder Ecke in Kassel wird gebaut. Geht das nicht anders?

Eine Straße hat eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren. Um die Funktionsfähigkeit und den Wert unseres Straßennetzes zu erhalten, müssen wir also regelmäßig an unseren Straßen arbeiten. Hinzu kommen ja auch noch Bauarbeiten von den sogenannten Versorgungsträgern. Wenn also Kasselwasser einen mehr als 100 Jahre alten Kanal erneuern muss. Oder wenn die Städtischen Werke Leitungen für Gas oder Fernwärme verlegen. Baustellen bedeuten immer Beeinträchtigungen für die Anwohner und meist für die Verkehrsteilnehmer. Das lässt sich nicht verhindern. Aber wir sehen immer zu, dass wir die Beeinträchtigung so klein wie möglich halten.

Wie reduzieren Sie die Beeinträchtigungen auf Anwohner und Verkehrsteilnehmer?

Wir koordinieren alle Projekte gemeinsam mit den anderen Bauträgern. Dadurch verhindern wir, dass an einer Stelle in der Stadt kurz hintereinander mehrmals aufgegraben wird. Das reduziert die Belästigungen durch Baulärm, Dreck oder erforderliche Umleitungen. Es reduziert aber auch die Baukosten – entlastet also den städtischen Haushalt – und auch die finanziellen Belastungen für die Anlieger über die sogenannten Anliegerbeiträge werden gemindert.

Wenn man sich so manche Baustelle anschaut, dann denkt man schon: Das könnte doch aber schneller gehen. Kein Wunder, dass die da monatelang bauen, es sind ja nur ein paar Arbeiter vor Ort. Können Sie nicht schneller bauen, indem sie einfach mehr Arbeiter einsetzten?

Gerade bei größeren Bauvorhaben wie aktuell in der Schönfelder Straße ist der Bauablauf recht kompliziert. Grundsätzlich muss erst an den Kanälen und Versorgungsleitungen gearbeitet werden, bevor wir uns um die eigentliche Straße kümmern können. Und auch in jeder Bauphase müssen die unterschiedlichsten Gewerke ineinander greifen. Zwischen den einzelnen Bauphasen müssen wir auch immer einen kleinen zeitlichen Puffer einplanen. Dann kann es schon mal so aussehen, als ob dort nicht gebaut wird. Meist finden dann aber vorbereitende Arbeiten für den nächsten Bauabschnitt statt. Und für diese Vorbereitungen benötigt man eben etwas weniger Arbeiter. Ohne Pufferzeiten werden Baußmaßnahmen meist teurer und auch anfälliger für Störungen, zum Beispiel durch das Wetter.

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