Städtische Werke feiern 90. Geburtstag

Das Jubiläumslogo zum 90. Geburtstag der Werke
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Das Jubiläumslogo zum 90. Geburtstag der Werke

Die Städtische Werke AG feiert in diesem Monat ihren 90. Geburtstag. Und blickt auf eine lange Tradition als modernes und wandlungsfähiges Unternehmen zurück. Doch eigentlich reicht der Ursprung des kommunalen Energie- und Wasserversorgers sogar noch weiter zurück.

Nämlich bis ins Jahr 1850, als die private „Gasbereitungsgesellschaft zu Cassel“ gegründet wurde, oder als die erste Stromerzeugung im Wasserkraftwerk „Neue Mühle“ 1892 ans Netz ging. Damals, um 3.000 Glühlampen zu versorgen, unter anderem zur öffentlichen Straßenbeleuchtung in Kassel. Und auch, um Pumpen zur Wasserversorgung der Stadt zu betreiben. Ein Novum in der damaligen Zeit.

„Kern der Städtischen Werke damals wie heute war und ist, dass sie die Infrastruktur zur Entwicklung der Stadt bereitstellt. Ohne die sehr früh erfolgte Elektrisierung zum Beispiel wäre die Entwicklung der Stadt als moderner Industriestandort nie möglich gewesen. Strom ist für uns heute normal, vor 130 Jahren waren wir mit einer öffentlichen Stromversorgung dagegen Vorreiter. Das war ultramodern“, erläutert Dr. Michael Maxelon, heute Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, das gemeinsam mit seinen Tochtergesellschaften knapp 900 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Städtischen Werke betreiben auch die Bäder der Stadt. 1923 schon öffnet das Flussbad an der Fulda seine Pforten, in den 30er-Jahren folgten das Hallenbad Ost und die beiden Freibäder in Harleshausen und Wilhelmshöhe. Meilensteine und technische Innovationen des Unternehmens gab es unzählige. Zum Beispiel der erste Ferngasanschluss im Jahr 1941. Die Leitung wurde im Krieg zerstört und die Stadt erst 1965 wieder mit einer Ferngasleitung verbunden. Bedeutend auch die Fertigstellung der ersten Müllverbrennungsanlage (MHKW) im Jahr 1968. Für die seit Anfang der 1980er-Jahre neu entstehende Fernwärmeversorgung der Stadt wurde sie von Anfang an eine der wichtigsten Wärmelieferanten. Erster Fernwärmekunde übrigens: die Gesamthochschule am Holländischen Platz.

Die Liberalisierung der Energiemärkte 1998 löste das damalige Monopol der lokalen und regionalen Versorger auf. Das allgemeine Stadtwerkesterben wurde vorhergesagt. Die Städtischen Werke dagegen nutzen die Chancen und vergrößerten ihr Geschäftsfeld. Beispielsweise durch den bundesweiten Vertrieb von Naturstrom und Naturgas, dem Bau von Biogas- und Windkraftanlagen oder der schon 2013 beschlossenen Decarbonisierungsstrategie der Strom- und Wärmeerzeugung.

Die Zukunft wird nicht weniger spannend, verspricht Vorstandschef Maxelon: „Schon vor 90 Jahren haben wir Sachen gemacht, die damals als innovativ galten. Aus heutiger Sicht sind sie Standard. Und schon damals galt, dass die Versorgungsinfrastruktur das Nervensystem der gesamten Stadt bildete. Heute, in Zeiten der Digitalisierung und des Ausbaus digitaler Netze, wird sie zur Basis des digitalen Betriebssystems der Stadt. Erst unsere digitale Infrastruktur macht sie zukunftsfähig, weil vernetzt. Unsere Netze werden intelligenter und sie entwickeln sich von der Energie- zur Dateninfrastruktur“, so Werkechef Maxelon.

Konkret meint er drei zentrale Aspekte. Erstens den Ausbau eines umfassenden Glasfasernetzes in der Stadt. Damit werden künftig Schulen untereinander vernetzt, Ampeln gesteuert, private und geschäftliche Daten übertragen, sensible Daten öffentlicher Einrichtungen ausgetauscht, technische Anlagen überwacht und gesteuert oder ganz einfach Filme gestreamt. Das zweite große digitale Infrastrukturprojekt: LoRaWAN oder Low Range Wide Area Network. LoRaWAN ist ein sehr energiesparendes, weit reichendes Netz mit geringer Bandbreite oder niedrigen Datenübertragungsraten. Aber sie sind absolut geeignet, um beispielsweise die Zustandsdaten technischer Anlagen zu übertragen und sie umgekehrt zu steuern. Das können Messwerte in der Wassergewinnung sein, Zustandsdaten von Carsharing-Fahrzeugen oder auch Fenster- und Türkontakte und Temperaturwerte in Einrichtungen betreuten Wohnens. „Und schließlich haben wir einen eigenen Internetknoten für Kassel realisiert, der den Anschluss an das ganz schnelle Internet herstellt. Denn je digitaler das Leben und das Arbeiten werden, desto mehr Daten und desto schneller müssen Daten übertragen werden. Ein eigener Knoten stellt Kassel auf die Stufe weniger anderer Metropolen.“

„Mit einer digitalen Infrastruktur können wir unseren Kunden Produkte bieten, die besser ihren Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht werden. Stichwort 360°-Grad-Blick auf den Prosumer. Denn der Kunde wird immer mehr vom Abnehmer zum Erzeuger, also zum Prosumer. Wollen wir ihm beispielsweise eine energiewirtschaftliche Gesamtlösung anbieten, die das Management aller energierelevanten Aspekte im Haus übernimmt, so benötigen wir eine breite digitale Vernetzung“, so Maxelon. Sie kann dann von der Energielieferung, über die Energieabnahme der Strommengen aus heimischen Kunden-PV-Anlagen bis hin zum Management des Verbrauchs, der Speicherung sowie der Integration privater Elektrofahrzeuge reichen. Und je nach Datenaufkommen kommunizieren wir über Glasfaser oder über LoRaWAN. „Die Zukunft ist digital – und wir gestalten sie aktiv mit“, freut sich der Unternehmenschef und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Die Städtische Werke AG und ihre Schwester- und Tochterunternehmen

Die Städtische Werke AG wurde 1929 gegründet. Ihre Hauptaufgaben liegen in der Strom- und Gasversorgung, dem Fernwärmevertrieb, der Straßenbeleuchtung, dem Betrieb der Schwimmbäder, Energiedienstleistungen und der Elektromobilität. Hinzukommen der Betrieb von Biogas- und Windkraftanlagen sowie eines Wasserkraftwerks und einem zertifizierten Labor. Das Müllheizkraftwerk Kassel GmbH ist eine Schwestergesellschaft, die neben der Müllentsorgung Strom und Fernwärme produziert. Die Städtische Werke Netz + Service GmbH und die Städtische Werke Netz + Wärme GmbH sind Tochtergesellschaften. Sie wurden im Jahr 2010 gegründet, um den gesetzlichen Anforderungen einer Trennung von Netz und Vertrieb zu entsprechen.

Größter Anteilseigner der Städtische Werke AG ist die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) mit 75,1 Prozent der Anteile und die kommunale Thüga-Gruppe mit 24,9 Anteilsprozenten. Die KVV ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt Kassel.

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