Stillstand auf der Partyinsel - „Coronavirus legt auch Mallorca lahm“

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Der „Große Platz“ ganz einsam. Die Touri-Hochburg Palma ist wie leergefegt. Überall steht die Polizei und kontrolliert. Wer unnötig draußen ist, zahlt 600 Euro Strafe.

Der Kaufunger Nils Gießler ist schon seit zwei Jahren in Palma, arbeitet dort beim Inselradio und berichtet wie es ist, wenn der Ballermann plötzlich still ist.

Palma/Kassel. Normalerweise steppt der Bär auf Mallorca. Doch in diesen Tagen geht selbst auf der Partyinsel nichts mehr. Die Hotels schließen, es herrscht Ausgangssperre aufgrund des von Spanien ausgerufenen Alarmzustandes, Urlauber dürfen nicht einmal mehr an den Strand.

Der Kaufunger Nils Gießler ist schon seit zwei Jahren in Palma, arbeitet dort beim Inselradio und berichtet wie es ist, wenn der Ballermann plötzlich still ist. „Bei uns hat es eigentlich genauso angefangen wie in Italien und alle haben das Virus erst einmal nicht so ernst genommen. Erst als dann auf dem Festland immer mehr Fälle hinzukamen, hat man gemerkt, dass die Lage durchaus ernst ist. Dann hat die Regierung in Madrid reagiert und die anfänglichen Maßnahmen wurden dann auch bei uns auf Mallorca umgesetzt. Die ersten echten Auswirkungen waren eigentlich die Hamsterkäufe, die über einen längeren Zeitraum die Regale leer geräumt haben. Zehn Tage gab es weder Klopapier, noch Reis oder Nudeln“, berichtet uns der Kaufunger.

Nils Gießler arbeitet in Palma. Hier ist das öffentliche Leben aufgrund einer Ausgangssperre zum Erliegen gekommen.

Auch die ersten spanischen Fußballspiele wurden abgesagt, Schulen wurden geschlossen, es folgten Fitnessstudios, Museen, Kinos, Restaurants – ähnlich wie bei uns jetzt auch. "Freitag vergangene Woche wurde dann der Alarmzustand ausgesprochen und eine Ausgangssperre für mindestens zwei Wochen eingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Bars und Kneipen an der Strandpromenade noch geöffnet. Da konnte ich dort noch sitzen und Kaffee trinken. Mittlerweile kontrollieren Polizisten Menschen auf der Straße. Auch die Urlauber wurden dazu aufgefordert, in den Hotels zu bleiben. Einzig zur Arbeit, zum Supermarkt oder zu wichtigen Erledigungen wie zur Apotheke und zum Arzt sind erlaubt“, so der 23-Jährige. Kreuzfahrtschiffe dürfen nicht mehr anlegen, der Flughafen ist eigentlich gesperrt und nach und nach sollen die verbliebenen Touristen – rund 25.000 sind es noch auf Mallorca und den Nachbarinseln – ausgeflogen werden.

„Es ist schon ein harter Einschnitt für die vielen Einheimischen, die vom Tourismus leben. Wie sollen die Hoteliers und Barbesitzer ihre Miete und Mitarbeiter bezahlen? Nach zwei Wochen Ausgangssperre soll die Situation neu bewertet werden.“ Und was macht man, wenn man nichts machen darf? „Tja, also ich geh relativ spät ins Bett damit ich morgens lange schlafen kann. Dann frühstücke ich in Ruhe. Kurz vor der Ausgangssperre und als klar war, dass die Sportstudios dicht machen, habe ich mir noch für über 100 Euro noch Fitness-Equipment wie Springseil und Klimmzugstange gekauft. So kann ich auf der Terrasse gegen Mittag Sport machen. Danach lauf ich zum Supermarkt und nutze die kurze Zeit an der frischen Luft. Anschließend koche ich und dann ist der halbe Tag ja schon rum. Mit Playstation und Netflix lenke ich mich abends ab.“

Die vergangene Woche hatte er Urlaub, wollte eigentlich nach Barcelona reisen. Da aber Katalonien abgeriegelt wurde, verzichtete er auf die Reise, aus Angst, nicht wieder zurückkehren zu können. Ob Nils Gießler sich nach Deutschland ausfliegen lassen könnte, ist derzeit noch nicht klar. Momentan sagt er aber: „Ich bleibe auf der Insel.“

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