Stolperfalle statt Sicherheitszone: Metallscheiben erweisen sich als Unfallgefahr

Schilderwald: Wenn man vom Parkplatz des Schwimmbads kommt, muss man auf Fußgänger achten, den Gegenverkehr berücksichtigen, Fahrradfahrer im Auge behalten und möglicherweise den Kölner Tellern ausweichen.
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Vor kurzem wurde Baunatal als fahrradfreundlichste Stadt Hessens ausgezeichnet. Nun sorgt eine Unterführung bei Fahrrad- und Rollerfahrern für Unmut.

Baunatal. Sie galten lange als das Rezept gegen Raser: „Kölner Teller“. Das sind Metallscheiben, die auf den Straßenbelag montiert werden, um den Verkehr zum langsamen Fahren zu zwingen. Walter Schulze wären sie fast zum Verhängnis geworden. Mit seinem Roller befuhr er letzte Woche die enge Straße, die vom Parkplatz des AquaParks zur Altenbaunaer Straße führt. Er stürzte schwer, da zu dem Zeitpunkt noch kein Hinweisschild auf die Gefahren hinwies. „Ich hätte tot sein können, so hoch bin ich mit meinem Roller abgehoben und auf die Straße gestürzt. Dabei bin ich nicht mal 15 kmh gefahren! Wäre mir ein Auto entgegen gekommen, ich weiß nicht, was passiert wäre“, sagt Schulze. Durch den folgenschweren Sturz trägt er nun die nächsten Wochen eine dicke Schiene am Bein und muss operiert werden. Diagnose: Muskelfaserriss, Achillessehnenriss, Abschürfungen und Prellungen. Auch der Roller hat Schäden von über 2.000 Euro, doch darum geht es dem 68-Jährigen nicht. „Ich will die Leute darauf aufmerksam machen, dass es hier sehr gefährlich werden kann! Wenn man vom Parkplatz AquaPark kommt, muss man auf den Gegenverkehr achten, blickt auf den angebrachten Spiegel, schaut nach Fußgängern und achtet auf die Fahrradfahrer, die in hohem Tempo von den Waldwegen kommen. Und jetzt muss man noch schauen, dass man nicht über die Poller stürzt“, so der 68-jährige Baunataler.

Mehrere Stürze an der Unterführung

Mittlerweile steht ein behelfsmäßiges Schild auf dem Parkplatz, was vor den Unebenheiten warnt. „Ich bin nicht der Erste, der hier gestürzt ist, die Ecke ist gefährlich und sollte anders entschärft werden“, sagt Walter Schulze. Auch Heinz Rödger stürzte mit seinem Fahrrad schwer, brach sich die Hand, prellt sich Rippen und musste sogar genäht werden. „Wieso machen die sowas?“ fragt sich Rödger „die Stelle war doch nie unsicher“, so der Baunataler weiter. Abgelenkt vom Blick in den Spiegel bemerkte er die Kölner Teller zu spät und dachte erst, es seien halbrunde Solarleuchten. „Wenn man hier im Dunklen entlang fährt und stürzt, kommt bestimmt keine Hilfe. Hier herrscht doch sonst schon wenig Verkehr.“ Er versteht nicht, welchen Sinn die Poller an dieser Stelle haben sollen. Ihm hat die Stadt Baunatal nun geraten, eine Entschädigung über die Versicherung einzureichen. „Ich will damit nichts rausschlagen, viel wichtiger wäre es mir, wenn man die Situation entschärft,“ so der 65-Jährige. Seine Hand kann er bis heute noch nicht richtig bewegen. Im Rahmen der Baumaßnahmen für „barrierefreies Baunatal“ wurde die Unterführung im Herbst 2016 in Angriff genommen. Eine Verbreiterung des Gehwegs für Fußgänger war jedoch nicht möglich, so dass Fußgänger nun auf einem blau markiertem Streifen der Fahrbahn laufen. Zusätzliche Fahrbahnmarkierungen machen alle Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam, sich gegenseitig zu verständigen, um passieren zu können. Die Poller sollen zum Langsamfahren ermahnen. Walter Schulze fuhr langsam und stürzte dennoch. Er wünscht sich eine zufriedenstellende Lösung, die die Gefahr der Unterführung behebt und nicht vergrößert.

„Jeder Sturz ist einer zuviel“

Roger Lutzi, Fachsbereichleiter Bürgerservice dazu: „Nachdem sich Rollstuhlfahrer und Rollator-Benutzer an uns gewandt haben, wurde sich 2016 darauf verständigt, die Bordsteine abzusenken, die Fahrbahn bunt zu markieren und mit Schildern auf Fußgänger hinzuweisen. Nun ist die Fahrbahn von allen Verkehrsteilnehmer zu benutzen und es wird zur Vorsicht gemahnt. Der Abstand zwischen Bordstein und erstem Kölner Teller ist breit genug, dass ein Radfahrer durchfahren oder, wenn der Verkehr es erlaubt, herum fahren kann. Rollerfahrer müssen langsam darüber fahren. Das Problem liegt da bei der Geschwindigkeit. Wir beobachten die Situation weiterhin, denn jeder Sturz dort ist einer zuviel.“

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