Stoppen oder sterben

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Briefwechsel von Rainer Hahne an Vellmars Bürgermeister Dirk Stochla, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgibt.

Sehr geehrter Dirk Stochla,Sie sind der Bürgermeister von Vellmar und haben viele Menschen mit der Nachricht geschockt, dass Sie zur Wiederwahl nicht mehr antreten werden. Den Grund können sicher viele Bürgermeister der Region nachvollziehen – Sie haben sich tief in die Arbeit ihrer Stadt reingekniet und nicht den notwendigen emotionalen Abstand gehalten, um sich selbst zu schützen.

Die Folge – gesundheitlich ging es Ihnen immer schlechter. Zuletzt mussten Sie mit Herzproblemen in die Klinik.Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir uns mal über ein Radargerät in Ihrer Stadt auseinander gesetzt haben. Sie haben sich schützend vor Ihre Mitarbeiter gestellt wie es Ihnen gerade erst in einer Weiterbildung beigebracht worden war. Vorbildlich!

Ausgerechnet der Hessentag 2013, der die Krönung Ihrer Arbeit für Vellmar werden sollte, hat Ihnen meiner Meinung nach den Rest gegeben. Sie waren so stolz darauf, dass es  gelungen war, das große Fest der Hessen in Ihre  Stadt zu holen. Und wieviel haben Sie sich davon versprochen. Sie wussten ganz genau, dass Vellmar neue Impulse braucht. Die Bevölkerung wird älter, die städtischen Gebäude auch. Leistungsträger gehen in Rente und zahlen nichts mehr in die Stadtkasse ein. Und Firmen, die Gewerbesteuern zahlen, gibt es viel zu wenige.Die Werbeplattform Hessentag, der Fachleute einen Werbewert von bis zu 20 Millionen Euro zubilligen, sollte Kassels Nachbarstadt in neuem Glanz erstrahlen lassen. Millionen aus Wiesbaden für die Infrastruktur und eine neue S-Bahnstrecke sollten ein Übriges tun.

Sie hatten alles vorbereitet. Alle Parteien zogen anfangs mit. Doch unter Politikern gibt es solche und solche. Sie und der Hessentag wurden von Abweichlern gekippt. Als Sie mich kurz nach der Abstimmung angerufen haben, klangen Sie am Telefon wie tot.  Geglaubt habe ich Ihnen anfangs auch nicht, zu überzeugend hatten Sie in Wiesbaden verhandelt. Ich hielt es für einen Scherz.

Aber das war diese Abstimmung wahrlich nicht. Das Ergebnis ist bekannt. Kassel feierte den besten Hessentag aller Zeiten. Verbesserte die Infrastruktur und machte ein dickes Plus.Während der Veranstaltung habe ich Sie mehrmals angerufen und eingeladen. Schade, Sie konnten nicht kommen. Sie waren fix und fertig. Aber den Rat Ihrer Mitarbeiter, Urlaub im Ausland zu machen, konnten Sie auch nicht folgen. Sie mussten die schlimmste Niederlage Ihrer Laufbahn aus der Ferne bis zur bitteren Neige miterleben.

Lieber Dirk Stochla, ich wünsche Ihnen gute Besserung.Mit sparsamen Grüßen

Rainer HahneChefredakteurP.s. Passen Sie bei ihrem neuen Job genau auf, mit wem Sie zusammenarbeiten müssen. Meiden Sie Politiker aus Vellmar!

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