Streitthema documenta-Institut: Stimmen nach der Chaos-Sitzung in der Stavo

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Verlor am Montagabend die Mehrheit in Sachen documenta-Institut auf dem Karlsplatz und Markthalle: Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle.

Eigentlich war es nur Formsache. Der Standort für das documenta-Institut so gut wie klar. Dann kam in der Stadtverordnetenversammlung alles anders. Auch die Renovierung der Markthalle ist für OB Geselle nun in Gefahr.

Kassel. Montag 23 Uhr. Im Kasseler Rathaus herrscht völlige Ratlosigkeit. Andreas Ernst, die Ein-Stimmen-Mehrheit der rot-grünen Stadtregierung, ließ seine Koalition ohne Warnung im Regen stehen.

„Ich konnte vorher nichts sagen, sonst wäre der Tritt nicht da gelandet, wo er hin sollte“, sagte er im EXTRA TIP-Gespräch. Schon während seiner Haushaltsrede hatte Ernst aufhorchen lassen. Von den Radwegen bis zur Schulsanierung hatte er an fast keinem Projekt der Koalition, zu der er gehörte, ein gutes Haar gelassen. Zugestimmt hatte er letztlich dem Haushalt doch.

Begründung: Er habe die Projekte durchbekommen, die ihm wichtig gewesen seien. Zurück blieb ein riesiger Scherbenhaufen. „Durch diese Vorgehensweise wurde das documenta-Institut torpediert“, konnte es Dr. Sabine Schormann, die documenta-Geschäftsführerin, kaum glauben. „Der Ruf Kassels als documenta-Stadt steht auf dem Spiel.“

Die Sorgen der Anwohner hatte sie vorher schon ernst genommen. „Aber es hätte doch Lösungen gegeben. Es gibt für solche Aufgaben wunderbare Gebäude, die den Platz aufgewertet hätten. Stattdessen müssen wir befürchten, dass wir die Zuschüsse von Bund und Land verlieren.“

Ratlos wirkten Oberbürgermeister Christian Geselle und der SPD-Fraktionsvorsitzende Patrick Hartmann im EXTRA TIP-Gespräch. „Ich bin tief getroffen. Das war ein Schlag in den Magen ohne jede Vorwarnung. Die Erklärung Ernsts, er wäre nicht genug informiert worden, ist einfach lächerlich. Er war in jeder Koalitionsrunde. Er ist sogar zu jeder SPD-Runde eingeladen worden, hat die Unterlagen erhalten. Er wusste über alles genau Bescheid.“

Christian Geselle sieht die Investitionen in die Markthalle in Gefahr. „Im März haben noch alle Fraktionen zugestimmt, als wir festgelegt haben, was Investoren zu beachten haben. Ein wichtiger Punkt war dabei die Öffnung an fünf Tagen. Sonst lässt sich eine solche Halle nicht wirtschaftlich führen. Außerdem haben wir ganz klar gesagt, dass es keine Finanzierung durch die Stadt geben wird und darf.“ Ganz wichtig war es Geselle, dass das neue Konzept beinhaltet, dass alle Beschicker der Markthalle weiter dabei bleiben: „Wir wollen alle behalten. durch den geplanten Anbau und flexible Lösungen wäre das auch möglich.“

Montagabend hat Geselle den Antrag von der Tagesordnung genommen. Zu groß war die Gefahr, das die Markthalle im allgemeinen Chaos unter gegangen wäre. „Im Januar planen wir jetzt ein moderiertes Gespräch mit dem möglichen Investor und den Marktbeschickern.“ Pikant: Die Stadt hatte dieses Angebot über die Geschäftsführung der Markthalle schon mal gemacht, doch offensichtlich war das bei den Beschickern nicht angekommen.

 „Jetzt kommt die Einladung per Einschreiben“, kündigt Geselle an. Zu einer Lösung in dieser Frage könnte es also kommen. Doch was ist mit dem documenta-Institut? „Da habe ich noch keine Idee. Weder am Holländischen Platz, noch auf dem Karlsplatz soll es gebaut werden, obwohl die Uni, wie auch die documenta vom Standort Karlsplatz begeistert sind. Andere mögliche Standorte gehören dem Land. Das sind erfahrungsgemäß langwierige Prozesse, wenn man die erwerben will. Ob wir dann noch die Mittel von Bund und Land kriegen, weiß ich nicht.“

Geselle kündigte aber an, er könne sich auf dem Karlsplatz ein Gebäude vorstellen, dass drei unterirdische Stockwerke für das Archiv haben könnte. „Dann müssten auch die Anwohner zufrieden sein. Zumal auch Parkplätze vor den Geschäften bleiben würden.“ Ob sich für so eine Lösung eine politische Mehrheit finden wird? Auf den unberechenbaren Einzelgänger Ernst wird die SPD jedenfalls nicht mehr zugehen.

Lesen Sie auch: Nach Eklat: Kassels OB Geselle verschiebt Abstimmung über documenta-Institut

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