Strom: Wer zahlt zu viel Lehrgeld?

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Briefwechsel. Putzige Energiewende: In seinem Briefwechsel richtet Chefredakteur Rainer Hahne seine Worte an SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel.

Sehr geehrter Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel,

beim Zuschnitt Ihres Ministeriums haben Sie darauf bestanden, die Energiewende unter Ihre Fittiche zu bekommen. Sie wussten genau, dass dieser Bereich einer der wichtigsten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird. Wer ihn hinbekommt, wird ein Held, ein Herkules, denn eine herkulische Leistung ist das in der Tat allemal.Doch kriegen Sie das hin? Lassen Sie mich im Moment mal ein wenig daran zweifeln, denn die aktuelle Stromerzeugung ist mehr als putzig.  Fangen wir mal im Norden an. Dort werden auf den Wassern große Windkraftwerke errichtet. Leider fehlen die notwendigen Leitungen Richtung Festland. Und selbst wenn sie da wären, fehlt eine Stromtrasse, die die Windenergie in den Süden unserer Republik leitet.

Dafür qualmen in Nordrhein-Westfalen "kra(e)ftig" die alten Braunkohle- und Kohlekraftwerke unter Volllast. Kohlendioxid spielt dabei offensichtlich keine Rolle mehr.  Dabei sollten diese alten Öfen eigentlich bei einer vernünftig durchdachten Energiewende ganz oben auf der Streichliste stehen, um auch den Klimawandel hinzukriegen. Aber nein, wir behalten unsere gigantischen Überkapazitäten.

Die Folgen sind mehr als putzig. An der Börse stürzen die Strompreise ins Nichts. Doch wir kleinen Endverbraucher haben nichts davon. Große Gewinner sind die Industrieunternehmen, die nicht nur von der EEG-Abgabe verschont werden, sondern aktuell Strom zu abartig niedrigen Preisen beziehen können.

Und der Solarbereich? Große Solarparks lohnen sich in Deutschland nicht mehr. Förderung gibt es nicht mehr, und der Stromverkauf lohnt sich nicht. Und nur mit kleinen Kraftwerken auf privaten Dächern für den privaten Verbrauch sind die geplanten Ziele für die alternativen Energien nicht zu erreichen. Wasserkraft? Lohnt sich auch kaum noch. Tagsüber gibt es soviel Solarenergie, dass wir unseren europäischen Nachbarn Geld dafür geben müssen,  damit sie unsere Netze entlasten.

Und die modernen Gaskraftwerke, die mal eine wichtige Rolle im Zusammenspiel mit den alternativen Energien spielen sollten? Die liegen still, weil sie sich nicht rentieren. Oder werden – wie in Bayern – erst gar nicht gebaut.Ihr erstes Klassenziel haben Sie nicht erreicht, Herr Gabriel. Stattdessen haben Sie den deutschen Solarmarkt entgültig abgewürgt. Alle dort  Tätigen werden es Ihnen danken. Sie wenden nicht, Sie bremsen nur. Und das ist eindeutig zu wenig.

Mit alternativen GrüßenRainer HahneChefredakteur

P.s. Ich habe mich mal mit einigen Ministerpräsidenten über die Energiewende unterhalten. Sie waren sich einig. Jeder wollte in seinem Land Strom erzeugen und den anderen verkaufen. Keiner wollte Strom durchleiten und keiner wollte kaufen. An dieser Grundhaltung hat sich offensichtlich wenig geändert.

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