Studie der Uni Kassel: Das Gender-Sternchen lässt uns bevorzugt an Frauen denken

Gendern, Sprache
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Psychologinnen und Psychologen der Universitäten Kassel und Würzburg haben untersucht, welche kognitiven Auffassungen von biologischem bzw. sozialem Geschlecht verschiedene Sprachformen hervorrufen. 

Die einen finden es grauenvoll und sprechen davon, man verunstalte die deutsche Sprache. Andere wiederum halten dagegen, Sprache habe sich schon immer verändert und gendern ist zeitgemäß. So kontrovers auch diskutiert wird, die Universität Kassel ist wissenschaftlich an das Thema herangegangen. Zusammen mit Kollegen der Uni Würzburg haben Psychologinnen und Psychologen untersucht, ob wir beim Gendern wirklich an beide Geschlechter denken.

Kassel Das Ergebnis: Das geschriebene Gender-Sternchen lässt uns bevorzugt an Frauen denken und „führt nicht zu einer gleichstarken kognitiven Repräsentation beider Geschlechter“, so die Autoren.

Eine Vielzahl psycholinguistischer Experimente habe gezeigt, dass das sogenannte generische Maskulinum (z.B. Nachbarn) dazu führe, dass viele Lesende dazu tendieren, die genannten Personen für Männer zu halten. Nachbarn seien also in den Vorstellungen eher Männer als Frauen. Auf diese Studien stützen sich auch die aktuellen Diskurse um Gleichberechtigung in der Sprache.

Neu an der Studie ist, dass auch die Genderstern-Variante (z.B. Nachbar*innen) untersucht wurde. Ergebnis war, dass die Genderstern-Variante zugunsten von Frauen verstanden wird, dass Lesende also dazu tendieren, Nachbar*innen als Nachbarinnen und nicht als Nachbarn zu interpretieren.

Mit dem Gendersternchen verfehlt man demnach also das eigentlich Ziel der gleichberechtigten Sprache. Anders sieht es aus, wenn man die männliche und weibliche Form ausschreibt. „Eine gleichstarke Vorstellung von Männern und Frauen wird erzielt, wenn sowohl die weibliche als auch die männliche Form (z.B. Nachbarinnen und Nachbarn) genannt werden“, schreiben die Autoren der Studie.

600 Versuchspersonen nahmen an der Studie teil. „Kognitionspsychologische Studien wie diese zeigen, wie genderbezogene Informationen von Lesenden tatsächlich verarbeitet werden“, betont Dr. Anita Körner, Erstautorin der Studie. „Diese und ähnlich Forschung kann im gesellschaftlichen Diskurs helfen, evidenzbasiert zu entscheiden, welche Sprachformen zu einer Gleichbehandlung der Geschlechter beitragen können.“

So lief die Studie ab

An der Studie nahmen in zwei Durchgängen rund 600 Versuchspersonen teil. Sie lasen Sätze über Personengruppen in jeweils einer der drei Varianten. Im jeweils zweiten Satz wurde auf einen männlichen oder weiblichen Teil der Gruppe verwiesen. Ein Beispiel:

1a Die Autor*innen waren schon am Flughafen. 
1b Die Autoren waren schon am Flughafen.
1c Die Autorinnen und Autoren waren schon am Flughafen. 
2a Man konnte beobachten, dass einige der Männer erschöpft waren.
2b Man konnte beobachten, dass einige der Frauen erschöpft waren.

Die Forschenden erfassten, wie häufig und wie schnell die Versuchspersonen erkennen konnten, dass der zweite Satz eine mögliche Fortsetzung des ersten Satzes ist. Wenn beispielsweise im ersten Satz die Genderstern-Form gelesen wurde (Satz 1a), funktionierte dieses Erkennen im nächsten Satz richtiger und schneller, wenn dort von Frauen (Satz 2b) als von Männern die Rede war (Satz 2a). Das zeigt, dass beim Lesen des Gendersterns Frauen stärker repräsentiert sind als Männer. 

Die ganze Studie der Forscherinnen und Forscher von den Universitäten Kassel und Würzburg finden Sie hier.

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