90 Stunden Mehraufwand pro Woche: Coronavirus erschwert Besuche im Seniorenheim

Kommunikation über den Balkon: Gisela Bossecker wohnt im ersten Stock des Käthe-Richter-Hauses. So kann sie sich regelmäßig mit Enkelin Janine unterhalten – und der Sicherheitsabstand wird immer gewahrt.
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Kommunikation über den Balkon: Gisela Bossecker wohnt im ersten Stock des Käthe-Richter-Hauses. So kann sie sich regelmäßig mit Enkelin Janine unterhalten – und der Sicherheitsabstand wird immer gewahrt.

Seit einigen Wochen dürfen Angehörige wieder für Besucher in die Pflege- und Seniorenheime. Aufgrund des Coronavirus war das lange Zeit nicht möglich.

Kassel. Eine einsame Zeit für viele Heimbewohner. Im Käthe-Richter-Haus der AWO Nordhessen hat man die Zeit genutzt, um verschiedene Möglichkeiten für Besucher zu schaffen, die jetzt gerne wahrgenommen werden. Zwischenzeitlich wurden extra drei Bildtelefone angeschafft, die eine Übertragung nach Hause möglich machten. „Es ist eine ungewohnte und unbefriedigende Situation für uns alle. Doch die Bewohner stecken diese teils besser weg, als die Angehörigen“, erzählt Einrichtungsleiter Gerald Fischer. Er und seine Mitarbeiter haben mit den Besuchen und dem Mehraufwand alle Hände voll zu tun.

In zwei Kabinen und mit Babyfon: Auch hier sind Gisela und Janine Bossecker durch eine Plexiglasscheibe getrennt, können sich über zwei Babyfone aber deutlicher verstehen. Nach jedem Besuch werden die Kabinen und Geräte desinfiziert.

„Wir haben zwischen 15 und 25 Besuchern am Tag. Jeder Besuch darf eine Stunde dauern, doch vorab bekommen alle Fieber gemessen, müssen sich die Hände desinfizieren, eine Schutzmaske tragen und ein Formular ausfüllen, damit wir nachvollziehen können, wer wann bei uns war. Die Papiere wiederum müssen wir bearbeiten und archivieren. Das sind für mich und mein Team ungefähr 90 Stunden mehr Aufwand pro Woche. Sprich: Ich könnte mehr als zwei Vollzeitstellen nur für die Besuche besetzen“, erklärt Fischer. Auch der Verbrauch von Schutzausrüstung ist in diesen Zeiten hoch. Doch all der Aufwand wird gerne in Kauf genommen, haben sich viele Angehörige und Bewohner in der vergangenen Zeit schmerzlich vermisst. Besuche können unter Aufsicht nun wieder auf der Terrasse, in einer der drei eingerichteten Babyfon-Kabinen oder – bei Bewohnern, die bettlägerig sind – auch im Zimmer stattfinden. Hier ist der Sicherheitsaufwand natürlich am höchsten.

Wie bei Romeo und Julia

Bei schönem Wetter können sich Angehörige und Senioren auf der Terrasse unterhalten – getrennt durch eine Plexiglasscheibe und einen großen Tisch. Jeder Besucher muss ein Formular ausfüllen und bekommt vorab Fieber gemessen.

Denn nicht jeder Heimbewohner ist am Tablet so fit wie die 96-jährige Gisela Bossecker (wir berichteten hier). „Wir konnten zum Glück über Videoanrufe oder den Balkon Kontakt halten, aber dies war nicht allen möglich. Es ist schön, wenn ich meiner Oma jetzt wieder gegenüber sitzen darf“, freut sich Enkelin Janine. Sie kam und kommt regelmäßig ins beziehungsweise an das Käthe-Richter-Haus und schnuddelt mit Oma über den Balkon „wie Romeo und Julia damals“.

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