Suche Zimmer, biete Mitarbeit: Wohnen für Hilfe bringt Studenten und interessierte Bürger zusammen

Wohnen für Hilfe bietet eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Man wohnt zusammen und erleichtert sich den Alltag.
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Wohnen für Hilfe bietet eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Man wohnt zusammen und erleichtert sich den Alltag.

Studenten suchen Wohnungen oder Zimmer - Bürger haben Platz. Wohnen für Hilfe bringt beide Parteien zusammen.

Kassel/Witzenhausen. Studenten kommen in die Stadt und suchen Zimmer – und in und um Kassel stehen viele Wohnräume ungenutzt leer. Denn bei einigen Bürgern in Kassel und Umgebung, seien es Senioren, Alleinstehende oder Familien, sind die Kinder aus dem Haus, man hat ein Zimmer übrig oder für den Übergang Platz in seiner Wohnung oder im Haus. Das Projekt „Wohnen für Hilfe“ will beide Parteien zusammenbringen, so dass jeder vom anderen profitiert. „Man ist bei dieser Art der Wohnraumvermittlung auf der sicheren Seite. Die Studierenden werden vorausgewählt, die Wohnmöglichkeiten werden auf ihre Tauglichkeit geprüft und man lernt sich gemeinsam kennen. Stimmen die Vorstellungen vom Zusammenleben, kann man einen individuellen Wohnraumüberlassungsvertrag schließen, der über ein Jahr läuft und genau erfasst, was von beiden Seiten aus zu erbringen ist.

Im Landkreis Kassel gibt es ein Paradebeispiel, bei dem ein junger Franzose schon seit zwei Jahren bei einer älteren Frau mit wohnt und ihr dafür bei technischen Dingen wie Arbeiten am Computer oder im Garten aushilft“, berichtet Heike Scheutzel von der Fachkoordinatorin Älterwerden in Niederzwehren, wo kürzlich eine Infoveranstaltung zum Thema stattfand. Aber nicht nur in Kassel hat man bislang gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht.

Auch in Witzenhausen, wo das Projekt Mitte 2015 ebenfalls an den Start gegangen ist, habe man erste Erfolge erzielt, wie Karin Weinsberg vom Diakonischen Werk Werra-Meißner berichtet. Insgesamt drei „Partner“ hätten sich in den vergangenen Jahren zusammengefunden, die sich auf die besondere Art der Wohngemeinschaft eingelassen und von der gegenseitigen Unterstützung profitiert hätten.

Hilfeleistungen können individuell festgelegt werden

Sandra Parker vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss der Uni Kassel (AStA) kümmert sich um die Vermittlungen. „Interessierte, die Wohnraum zur Verfügung stellen möchten, bekommen von mir einen Fragebogen zugeschickt und ich lerne sie kennen, schaue mir die Wohnmöglichkeiten an und schaue, welcher Student in Frage kommt. Findet sich ein passendes

Heike Scheutzel, Fachkoordinatorin Älterwerden in Niederzwehren.

Gegenstück, vermittelt ich den Kontakt und bin auf Wunsch auch bei einem gemeinsamen Kennenlernen dabei. Passt es von beiden Seiten, kann ein Vertrag mit den individuellen Hilfeleistungen aufgesetzt werden.“ Die Art der Unterstützung der Studenten können gemeinsam mit den Wohnraumgebenden festgelegt werden. Am häufigsten geht es um Gartenarbeit, Hilfe im Haushalt, Kinderbetreuung, aber auch um die Erledigung von Behördengängen, Fahrdienste und Unterstützung im Schriftverkehr oder am Computer. Die Absprachen werden in diesem Vertrag für ein Jahr genau festgehalten; vor allem, wie viele Stunden Hilfe zu leisten sind, ob die Miete damit völlig abgegolten wird oder ob eine Zuzahlung erforderlich ist.

Als Faustregel gilt: eine Stunde Hilfe im Monat für einen Quadratmeter Wohnfläche. Anfallende Nebenkosten wie Strom und Wasser werden in der Regel von den Studierenden übernommen. „Häufig sind es alleinstehende ältere Damen, die sich wünschen, wieder jemandem im Haus zu haben, der hilft und sich ein bisschen kümmert“, berichtet Parker. Hier finden sich weitere Infos und Wohnangebote.

Für Interessierte

Das Projekt wird in Kassel vom Seniorenbeirat und dem Referat für Altenhilfe der Stadt Kassel unterstützt. Wohnraumanbietende aus Kassel können sich an die Wohnraumberatung des Caritasverbandes unter 0561 7004204, an das Stadtteilbüro Älter werden 50 Plus Harleshausen, 0561 9707805 und Niederzwehrener Interessierte können sich an Fachkoordination Älterwerden in Niederzwehren (FÄN), Infotelefon: 0561 92012475, wenden.

Sandra Parker vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss der Uni Kassel.

Ansonsten gibt „Wohnen für Hilfe“ Projektleiterin Sandra Parker vom Studierendenausschuss der Uni Kassel unter 0561 8042886 Auskunft. Wohnraumanbietende aus Witzenhausen und Umgebung können sich an Katja Eggert, Beauftragte für Gleichstellung und Integration bei der Stadt Witzenhausen, 05542 508105, katja.eggert@witzenhausen.de, und Karin Weinsberg vom Diakonischen Werk Werra-Meißner, 05542 911170, kasl-wiz@diakonie-werra-meissner.de wenden. Ansprechpartnerin für Studierende in Witzenhausen ist Zahra Kanaani, 0175 6724115, z_kanaani@yahoo.de.

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