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Tag gegen den Schlaganfall: Experte erklärt, wie man vorsorgen kann und Symptome erkennt

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Christian Roth
PD Dr. Christian Roth ist Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Kassel. © Bernd Schoelzchen

Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Dramatisch sind die Folgen. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und darüber hinaus der häufigste Grund für eine bleibende Behinderung im Erwachsenenalter. Der 10. Mai ist der Tag gegen den Schlaganfall. Initiiert von der Deutschen Schlaganfallhilfe, will auch das Klinikum Kassel Bewusstsein für die plötzliche Erkrankung schaffen. PD Dr. Christian Roth, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Kassel, klärt darüber auf, welche Faktoren einen Schlaganfall begünstigen können, wie Symptome schnell erkannt werden und warum die Strukturen und die Expertise am Klinikum Kassel eine optimale Schlaganfallversorgung garantieren. 

Kassel „Man unterscheidet zwischen vermeidbaren Risikofaktoren und solchen, die kaum veränderbar sind. Dazu gehören z.B. Vererbung, das Alter oder Geschlecht“, erläutert PD Dr. Christian Roth, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Kassel. „Beeinflussen kann man aber Übergewicht, Bewegungsmangel oder den Zigarettenkonsum. Aber auch Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen, die ebenfalls zu den Risikofaktoren für einen Schlaganfall zählen, lassen sich in der Regel gut behandeln. Vor allem die körperliche und geistige Aktivität beeinflusst diese Faktoren günstig. Diese haben die Patientinnen und Patienten selbst in der Hand und können aktiv etwas gegen ihr persönliches Schlaganfallrisiko unternehmen.“

Was tun, wenn es doch zu einem Schlaganfall kommt?

Bei einem Schlaganfall ist die Zeit der entscheidende Faktor! Kommt es z.B. zu einem Verschluss der Hirngefäße führt dies innerhalb von wenigen Minuten zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen und letztendlich zu einem raschen Absterben der Hirnzellen“, warnt Dr. Roth. „Je länger er unerkannt bleibt, desto höher ist also die Wahrscheinlichkeit, dass neurologische Störungen und Ausfälle bestehen und eine dauerhafte Behinderung verbleibt. Die Symptome des Schlaganfalls können unterschiedlich sein. Ihnen gemeinsam ist, dass sie plötzlich auftreten.“

Mit dem FAST-Test lässt sich in vielen Fällen ein Schlaganfall leicht erkennen. Der Test stammt aus dem englischsprachigen Raum. FACE steht für „Face-Arms-Speech-Time“:

 Face (Gesicht): Bitten Sie die/den Betroffene/-n zu lächeln. Beide Mundwinkel sollten nach oben zeigen.

 A (Arme): Bitten Sie Ihr Gegenüber beide Arme nach vorne zu heben. Sie sollten gleichzeitig nach oben gehen und bleiben.

 S (Sprache): Lassen Sie die Person einen Satz nachsprechen. Das sollte sie mit verständlicher Stimme können.

 T (Zeit): Wenn eine oder sogar mehrere Handlungen nicht möglich sind, zählt jede Minute. Sofort unter 112 den Notarzt rufen.

Optimale Patientenversorgung im Klinikum Kassel

Weil der Zeitfaktor für die Diagnose und Einleitung einer Therapie so wichtig ist, sind Experten der Neurologie fester Bestandteil des Notfallzentrums Nordhessen. Die hochmodernen Schockräume in der Notaufnahme bieten umfassende Möglichkeiten zur Diagnostik und sofortigen Therapie. Von dort sind die Wege kurz in die Neuroradiologie, in den neurochirurgischen OP oder auf die spezialisierten neurologischen Stationen.

Patienten mit akuten Schlaganfällen müssen auf einer spezialisierten Schlaganfallstation (sogenannte Stroke Unit) behandelt werden. Am Klinikum Kassel bilden die überregional zertifizierte Stroke Unit mit 16 Betten und die Post Stroke Unit eine einzigartige Behandlungseinheit, die Patientinnen und Patienten bis zu ihrer Genesung in einem spezialisierten Umfeld optimal versorgt. 

„Die ersten Tage nach dem Schlaganfall sind besonders kritisch. Deshalb legen wir im Klinikum Kassel großes Augenmerk auf eine spezialisierte Nachsorge“, so Dr. Roth. „Als Maximalversorger bieten wir für alle Typen und Ausprägungen des Schlaganfalls spezialisierte Bereiche und haben so mögliche Komplikationen sofort im Blick. Die Patientinnen und Patienten profitieren von einem breit aufgestellten Expertenteam über alle neurologischen Fachrichtungen, das um Gefäßchirurgen und Kardiologen ergänzt wird. Die Einrichtung der Stroke Units stellt einen großen Fortschritt in der Versorgung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten dar. Für Betroffene bedeuten sie in der Regel kürzere Krankenhausaufenthalte, bessere Behandlungsergebnisse und eine deutliche Begrenzung von Spätfolgen.“

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