Tauben: Stadt betreibt seit zehn Jahren Geburtenkontrolle

Tauben, Stadttauben, Königsplatz
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Tauben, Stadttauben, Königsplatz

Anzahl der Kasseler Stadttauben im Rahmen: Seit zehn Jahren wird im Rathaus „Geburtenkontrolle“ betrieben

Kassel. Stadttauben sind vielerorts verpönt. Bei Bezeichnungen wie "Ratten der Lüfte" sträuben sich bei Taubenfan Walter Vollmer allerdings die Nackenhaare. Tauben sind Vollmers Leidenschaft. Er betreut seit zehn Jahren ehrenamtlich den Taubenschlag unterm Rathausdach und besitzt auch im heimischen Garten einen. Mit seinen Tieren ist er bei Wettbewerben regelmäßig erfolgreich.

Seit 2006 gibt es direkt unter dem Dach des Rathaus-Hauptgebäudes einen Ort, an dem sich die Tauben richtig wohlfühlen. Rund 8.000 Euro hat die Stadt damals dafür investiert. Walter Vollmer meldete sich freiwillig für den Pflegedienst, gab nützliche Tipps für die Ausstattung des Taubenschlags. Doch dieser soll den Tieren nicht nur das Leben verschönern, er hat einen viel nützlicheren Hintergrund.

Gelege durch Gipseier ersetzen

Vollmer: "Dieser Zufluchtsort sorgt vor allem dafür, dass die Tauben die Gebäude in der Innenstadt weniger mit Kot verdrecken. Dadurch lassen sich Schäden vermeiden und immer häufiger Kosten für die teure Gebäudereinigung einsparen." Ganz wichtig sei zudem, dass er den Tauben bei der Familienplanung dazwischenfunken könne. "Die Gelege ersetze ich größtenteils durch Gipseier, dadurch gibt es eine gute Geburtenkontrolle", sagt Vollmer. Unter optimalen Bedingungen habe ein Taubenpärchen jedes Jahr zehn bis zwölf Junge. Nach 28 Tagen unternehme ein Jungtier erste Flugversuche. "Nimmt man die Eier nur weg, würden die Tauben das Quartier komplett verlassen und man hat keine Kontrolle mehr über die Fortpflanzung", erklärt Vollmer.

Etwa 150 Tiere leben im Rathaus-Schlag, Platz sei dort für ungefähr 180 Tauben. Säcke-und eimerweise trägt Walter Vollmer das Futter über die schmale Treppe nach oben. "Etwa 30 Kilogramm verputzen die Tauben pro Woche", sagt er. Was kostet dies? "Pro Jahr werden etwa 2.500 Euro fällig, die von der Stadt getragen werden." Doch das zahle sich aus: Die Kosten, um verunreinigte Fassaden instandzusetzen, seien teurer. "Das Projekt hat funktioniert und etwas gebracht." Einmal im Monat wird der Schlag auch gesäubert. "Dann trag ich die Eimer wieder nach unten", schmunzelt Vollmer.

Am Königsplatz habe sich die Taubensituation ebenfalls entspannt: "Seit dort nicht mehr so viele Imbiss-Betriebe angesiedelt sind, sind dort auch die Tauben weniger geworden. Auf rund 1.000 Stadttauben schätzt er die Anzahl in Kassel. Dank der Geburtenkontrolle im Rathaus sei die Vermehrung eingedämmt worden. Alles bewege sich im Rahmen. "Im Bereich Rathaus hat sich die Situation sehr entschärft, dort ist kaum Taubendreck an den Fassaden zu sehen."

Interessierte für Taubenschlag gesucht

Allerdings sei in einigen Stadtteilen an Schulen die Taubenanzahl noch groß. Deswegen sucht Vollmer Privatleute, die es sich vorstellen könnten, dass bei ihnen ebenfalls ein Taubenschlag zur Geburtenkontrolle errichtet werden könne.

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