Taxifahrer in Kassel wollen streiken

Kämpfen gegen Gesetzesverstöße, die ihre Existenz bedrohen: Kassels Taxifahrer Kamil Epikol, Jutta Rudolph und  Mario Birle vom Interessenverband Kasseler Taxifahrer und -fahrerinnen.
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Kämpfen gegen Gesetzesverstöße, die ihre Existenz bedrohen: Kassels Taxifahrer Kamil Epikol, Jutta Rudolph und  Mario Birle vom Interessenverband Kasseler Taxifahrer und -fahrerinnen.

lokalo24.de im Interview mit Mario Birle, dem Vorsitzenden des Interessenverbandes der Kasseler Taxifahrer.

174 Taxen rollen durch Kassel. Demnächst werden sie stehen. Der Verband „Interessenverband der Kasseler Taxifahrer und -fahrerinnen“ (IGKT) will streiken. Der Grund: Der Streit mit den Mini Cars. lokalo24.de sprach mit dem Vorsitzenden Mario Birle.

Was bringt sie so auf?

Mario Birle: In Kassel wird geltendes Recht gebrochen, und die Stadt schaut tatenlos zu und lässt uns im Stich. Oberbürgermeister Christian Gewselle nimmt sich noch nicht einmal Zeit für ein Gespräch mit uns. Dabei wollte er doch so bürgernah sein.

Welches Recht meinen Sie?

Birle: Das Personenbeförderungsgesetz besagt eindeutig, dass die Mini Cars nach einer Fahrt zu ihrem Stützpunkt in Ihringshausen, Kaufungen oder Kassel zurückkehren müssen. Das passiert nicht.

Sondern?

Birle: Die stehen am Bahnhof Wilhelmshöhe, vor den Clubs der Stadt, auf Taxihalteplätzen, in Hinterhöfen und Seitenstraßen. In Wilhelmshöhe hat es schon Handgreiflichkeiten gegeben.

Was müsste passieren?

Birle: Die Stadt müsste die Mini Cars kontrollieren, Bußgelder verteilen und im Wiederholungsfall die Konzessionen einziehen.

Warum passiert das nicht?

Birle: Das Ordnungsamt sagt, wir haben zu wenig Personal und Geld, um diese zweihundert MiniCars ausreichend kontrollieren zu können. Die Stadtverordnetenversammlung hat mal beschlossen, dafür Stellen zu schaffen, aber die wurden wieder abgeschafft. Der Grund: Es war zu wenig Personal da, um die ganzen Anzeigen zu bearbeiten.

Was noch?

Birle: Wir hatten einen Personenbeförderungsauftrag der KVG. Der ist uns gekündigt worden und ist an die Mini Cars gegangen. Das ist ein Verstoß gegen das Personenbeförderungsgesetz. Die Stadt hilft uns nicht, sondern verstößt damit selber gegen geltendes Recht.

Was hat das für Folgen für Euch?

Birle: Immer mehr Taxifahrer kommen mit weniger als dreißig Euro nachhause. Wir haben nichts mehr in der Tasche. Das Nachtgeschäft ist in den Händen der MiniCars. Vor Diskothelken brauchen wir kaum noch zu warten. Da stehen die überall.

Die Mini Cars sind auch deutlich billiger. Warum?

Birle: Uns diktiert die Stadt den Preis, den wir nehmen dürfen. Wir dürfen noch nicht mal guten Kunden Festpreise anbieten. Aber bestimmte Preise können wir auch nicht unterbieten, wenn wir auf legalem Boden bleiben wollen.

Was wollt Ihr dagegen machen?

Birle: Wir wollen streiken. Wir werden die Stadt lahm legen. Wir wissen genau, wo die Knackpunkte in der Stadt sind. Die Stimmung unter unseren Mitgliedern ist explosiv. Wir werden jetzt eine Mitgliederversammlung am 20. Juni im Hopfengärtchen um 20 Uhr machen und noch vor den Ferien streiken.

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