Zu teuer: Kulturhauptstadt-Bewerbung soll nicht weiter verfolgt werden

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Bei einer Pressekonferenz im Kasseler Rathaus sprachen sich Kulturdezernentin Susanne Völker, Oberbürgermeister Christian Geselle (Mitte) und Stadtbaurat Christof Nolda am Donnerstag gegen die Bewerbung Kassels zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 aus.

Die sechs hauptamtlichen Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung haben sich endgültig gegen die Bewerbung Kassels zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 ausgesprochen. OB Geselle erklärt, wie es dazu kam.

Kassel. Hinter den Kulissen wurde schon darüber gemunkelt. Jetzt hat Oberbürgermeister Geselle bestätigt: „Wir haben alle Zahlen zum Thema Kulturhauptstadt überprüft und werden den Stadtverordneten vorschlagen, die Bewerbung nicht weiter zu verfolgen.“

Lokalo24: 2016 wurde mal gesagt, die Stadt müsse mit 18 Millionen Euro für die Bewerbung rechen. Hat sich da etwas geändert? 

Geselle: Wir haben die letzten zehn europäischen Kulturhauptstädte hinsichtlich des finanziellen Aufwands hinterfragt. Der Pro-Kopf-Aufwand der Städte wurde ermittelt. In Kassel müssten etwa siebzig Millionen Euro für die Veranstaltungen und bis zu zweihundert Millionen Euro für Infrastruktur ausgegeben werden.  

Lokalo24: Wieviel müsste die Stadt davon tragen?

Geselle:Rund sechzig Prozent des Aufwands könnten als Fördermittel eingeworben werden. Von der EU, dem Bund, dem Land und Sponsoren.

Lokalo24: Wie hoch war denn die touristische Wertschöpfung in den Städten und wie nachhaltig ist das?

Geselle:Wir wären ein Jahr lang europäische Kulturhauptstadt. Die touristische Wertschöpfung aus deisem Titel wäre auch nur in diesem einen Jahr möglich. Die Frage ist, ob sie in diesem Jahr ähnlich hoch wäre wie in einem documenta-Jahr. Als documenta-Stadt sind wir schließlich weltbekannt.

Lokalo24: 2016 wurde von 18 Millionen Euro ausgegangen. Jetzt könnten es über 200 Millionen sein. Wie kommt es zu dieser großen Differenz?

Geselle:Damals war man im Stadium der Vorprüfung. Heute haben wir genauere Zahlen. Deshalb stehen wir dem Projekt mit größerer Vorsicht und Zurückhaltung gegenüber. Es kann schließlich nicht darum gehen, Gebäude zu kaufen oder zu bauen, die man kulturell nutzen kann, und anschließend mit den Folgekosten dazustehen.

Lokalo24: Was passisert denn stattdessen, wenn die Stadtverordneten das genauso sehen und den Bewerbungsprozess stoppen?

Geselle:Im Mittelpunkt der Kasseler Kulturpolitik stehen die documenta, das documenta-Institut und die Unterstützung der freien Kulturszene und der Kulturwirtschaft. Das geht auch ohne den Kulturhauptstadt-Titel. Auch hier muss deutlich mehr Geld ausgegeben werden als bisher gedacht.

Lokalo24: Der EXTRA TIP hat bereits darüber berichtet, dass die Bewerbung gestoppt werden soll und kein einziger Kulturschaffender hat sich zu Wort gemeldet. Wie war das bei der Stadt?

Geselle : Wir bedanken uns bei allen, die bisher an dem Prozess der Kulturhauptstadt beteiligt haben. Wir mussten aber leider feststellen, dass eine Begeisterung, wie sie während der Kampagne 2010 zu spüren war, diesmal nicht da war.

Lokalo24: documenta – Was ist da zur Zeit los?

Geselle:Zunächst wird zum 1. April ein Übergangsgeschäftsführer eingestellt. Die endgültige Nachfolge wird noch im Frühjahr geregelt werden. Da sind wir schon in guten Gesprächen. Die documenta GmbH sowie die documenta 15 müssen neu aufgestellt werden. Daran arbeiten wir mit Hochdruck.

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