"Theater ist mein Traumberuf": Jessica Krüger über ihr Leben als Musical-Darstellerin

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Jessica Krüger als Eliza in „My Fair Lady“.

Als Musicaldarstellerin muss man flexibel sein. Momentan pendelt die Kasselerin Jessica Krüger, denn sie steht nicht nur im TiC für „Babykracher” auf der Bühne, sondern auch für das Weihnachtsmärchen am Hessischen Staatstheater.

Kassel. Gerade zu Weihnachten sind sie ein beliebtes Geschenk: Theater- oder Musicalkarten. Das ganze Jahr über kann man sich an den Performances der Künstler erfreuen, doch wie wird man eigentlich Musical-Darsteller? Wir haben dazu Jessica Krüger aus Kassel gefragt, die momentan im Theater am Centrum (TiC) auf der Bühne steht.

lokalo24.de: Wie bist du zum Musical gekommen? Jessica Krüger: Das ist einfach so passiert (lacht). Ich habe schon immer gesungen. Also gehörten verschiedene Chöre und dann auch der private Gesangsunterricht schon immer zu meinen Hobbys. Kurz vor meinem Abitur habe ich dann einen Musicalworkshop an der German-Musical-Academy (GMA) Osnabrück gemacht. Die drückten mir den Vertrag in die Hand und sagten: Komm, wann du willst. Und damit war alles klar. Ich war Feuer und Flamme und dank der immer währenden Unterstützung meiner Eltern, habe ich nach meinem Abitur 2006 gleich mit der Ausbildung begonnen.

Wie sah deine Ausbildung aus?  Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Musicaldarstellerin an der GMA dauerte drei Jahre. In dieser Zeit wurde ich in den Bereichen Gesang (Musical, Pop und Klassik), Schauspiel (klassisch und Improvisationstheater) und Tanz (Jazz, Ballett, Spitzentanz, Modern, HipHop, Steppen) trainiert und ausgebildet. Dazu kamen Fächer wie Sprechen, Fechten, Musiktheorie, Feldenkrais und Liedinterpretation. 2009 beendete ich diese Ausbildung mit einem Examen. Dann folgte ein „Überbrückungsjahr“ in klassischem Gesang am Institut für Musik (IFM) Osnabrück bis ich mein Zusatzstudium in Vokalpädagogik Musical anfangen konnte. 2011 habe ich meinen Bachelor of Arts in eben diesem Fach gemacht.

Wo spielst du gerade? In zwei Wochen feiern wir die Premiere von Nils Holgerson am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, dafür stecken wir gerade in den Endproben und ich kann nur sagen: es geht hoch hinaus! Außerdem spiele ich jedes Wochenende im Theater im Centrum (TiC) in Kassel. Das Stück heißt Babykracher und ist nur zu empfehlen. Vor allem, wenn man gerne lacht und Musik aus den 60/70er mag.

Wie sieht das Leben als Musical-Darstellerin aus? Ist man jedes Jahr woanders oder hat man auch langfristige Engagements? Ich glaube, da sind wir Darsteller uns einig, es ist ein Traumberuf. Allerdings nur in den Zeiten, in denen man ihn leben kann. Und das ist gar nicht so leicht. Die Konkurrenz ist riesig, vor allem bei den Frauen. Und oft liegt es nicht am Talent oder am Willen, sondern einfach am Überangebot von guten Darstellerinnen. Als freie Darstellerin ist das Arbeitsleben in keinster Weise mit einem 9to5 Job zu vergleichen. Ein gleichbleibendes, monatliches Einkommen ist als Freiberuflerin selten, die üblichen Arbeitszeiten mit Wochenenden und Feiertagen nicht möglich und das Reisen und Leben in verschiedenen Städten für längere Zeit unerlässlich. Als Musicaldarstellerin wird man meist für eine Produktion engagiert. (Ausnahme: Festengagements über ein Jahr z.B. bei Stage Entertainment, oder wenigen Theatern mit festem Musical-Ensemble). Ist ein Stück abgespielt, dann endet auch das Arbeitsverhältnis. Folgt im Anschluss keine weitere Produktion, dann ist man erstmal „arbeitslos“, bis man wieder für ein nächstes Stück engagiert wird. Geprobt wird sechs Wochen, gespielt ganz unterschiedlich. Mal alle zwei Wochen, mal jedes Wochenende Fr/Sa/So, mal unter der Woche mal mit vier Wochen Pause. Somit kann es auch vorkommen, dass man drei Stücke gleichzeitig spielt. Ich spiele z.B. ab November jeden Tag morgens in Wiesbaden und dazu am Wochenende abends in Kassel. In den Zeiten zwischen den Shows ist mein Auto mein bester Freund und die Vitaminbomben stehen im Getränkehalter. Auch die Gagen werden zu jeder Produktion neu verhandelt, mal besser mal schlechter. Aber genau das macht diesen Job auch so interessant und großartig.

Was verbindet dich mit der Region Nordhessen? Leider noch viel zu wenig. Ich wohne nun seit fast zwei Jahren mit meinem Partner in Kassel und kenne leider kaum etwas. Da wir ständig unterwegs sind, ist bisher noch nicht viel Freizeit zum erkunden geblieben. Dabei sieht man ja schon auf der Autobahn durch die Kasseler Berge wie schön es sein kann. Zur Zeit ist wohl die schönste Verbindung zu Nordhessen, dass mein Bruder und meine besten Freunde in Kassel leben und auch der Weg zu meiner Familie nach Bad Salzuflen – da komme ich gebürtig her – nicht ganz so weit ist.

Möchtest du langfristig zurück in die Heimat und was für Möglichkeiten hättest du hier? Zur Zeit spiele ich am TiC und bin sehr froh, dass ich die Chance bekommen habe an so einem professionellen Haus arbeiten zu können. Und das dann auch noch fast vor der Haustür, ein Bonus mehr. Natürlich ist es auch in unserem Job toll dort arbeiten zu können, wo man wohnt. Aber es ist eben auch nicht der Standard – oft weit weg zu arbeiten ist in unserer Welt „normal“. Um so mehr freue ich mich, dass ich im nächsten Sommer beim Brüder Grimm Festival in Kassel spielen werde und sich somit ein weiterer Job in meiner neuen Heimat ergeben hat.

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