Trotz Absage der Stadt: Kassel gedenkt NSU-Terror-Opfer Halit Yozgat

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Heute, am 6. April, jährt sich zum zwölften Mal der Todestag des Kasselers Halit Yozgat, der von den NSU-Terroristen an der Holländischen Straße erschossen wurde.

Kassel. Die Stadt Kassel hatte im gemeinsamen Einvernehmen mit der Familie des NSU-Terror-Opfers die geplante Gedenkveranstaltung abgesagt. Hintergrund sind die Spannungen zwischen Türken und Kurden, die zuletzt auch in Kassel in einem Brandanschlag auf eine Moschee gipfelten. Ebenso wollte man vermeiden, dass die Veranstaltung als Plattform für politische Botschaften genutzt wird. Für ihre Absage hatte die Stadt Kassel viel Kritik einstecken müssen.

Die Initiative 6. April hatte nach der Absage dennoch an der Umsetzung der Gedenkveranstaltung gearbeitet, so dass sich, auch ohne Beteiligung der Stadt, zahlreiche Menschen auf dem Halitplatz versammelt, um Halit Yozgat zu gedenken.

"Der Tod von Halit Yozgat bleibe für die Stadt Kassel eine stetige Mahnung, für die Werte des Rechtsstaates mit aller Entschlossenheit einzutreten und Extremisten keinen Raum zu geben", so Oberbürgermeister Christian Geselle in einem Statement der Stadt.   

"Auch aus Respekt vor der Familie Yozgat lassen wir nicht zu, dass durch politische Instrumentalisierung – egal von welcher Seite – das Ansehen unseres Kasseler Mitbürgers Halit Yozgat beschädigt wird", erklärte Oberbürgermeister Christian Geselle. "Auch wenn am heutigen zwölften Todestag keine offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Kassel stattfindet, werden wir innehalten und Halit Yozgat gedenken", so Geselle.

Absage falsches Signal

Kritiker hatten der Stadt vorgeworfen, die Absage der Veranstaltung sei das falsche Signal. "Ein ungeklärter Brandanschlag auf eine Moschee ist für uns gerade kein Grund, die Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat abzusagen – im Gegenteil! Die Gedenkfeier wird ein guter Anlass sein, jeden politischen und religiösen Extremismus zurückzuweisen und für gemeinsame demokratische Werte und die unteilbaren Menschenrechte einzutreten – wenn nötig unter dem Schutz der Polizei und mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen. Wir dürfen es nicht Brandstiftern und Extremisten überlassen, ob wir uns öffentlich versammeln" heißt es in einem "Aufruf von Akteuren der Kasseler Stadtgesellschaft".

Die Pressemitteilung der Stadt Kassel zum zwölften Todestag von Halit Yozgat im Wortlaut:

Heute vor zwölf Jahren, am 6. April 2006, wurde der Kasseler Bürger Halit Yozgat in seinem Internetcafé im Stadtteil Nord-Holland mutmaßlich von der rechtsextremen terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) als Opfer einer Mordserie erschossen. Der Tod von Halit Yozgat bleibe für die Stadt Kassel eine stetige Mahnung, für die Werte des Rechtsstaates mit aller Entschlossenheit einzutreten und Extremisten keinen Raum zu geben, betonte Oberbürgermeister Christian Geselle. "Kassel steht für ein Deutschland, in dem alle in Freiheit und gegenseitigem Respekt ohne Angst leben und sich sicher fühlen sollen." Ein Schlüssel hierfür sei eine gelungene Integration. Der Kasseler Weg sei das Gespräch und der Dialog. Daran wirken alle mit, Ausländerbeirat und Kommunalpolitik, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Nachbarschaften und Vereine, sagte Geselle. "Auf diese Kultur der Zusammenarbeit in unserer Stadt können wir stolz sein. Ich rufe alle Menschen in Kassel auf, auch in Zukunft für gegenseitigen Respekt, Anerkennung und Gleichberechtigung einzutreten. Helfen Sie mit, dass Kassel weltoffen und ein friedliches Zuhause für uns alle bleibt." Die Stadt Kassel werde ihrem Mitbürger Halit Yozgat auch deshalb ein ehrendes Andenken bewahren, "weil die NSU-Mordserie ein dunkles Kapitel unseres Rechtsstaats markiert", so Geselle. Mehr als fünf Jahre nach dem Mord an Halit Yozgat wurde aufgedeckt, dass ein Netzwerk rechtsextremer Terroristen aus Fremdenhass für diese ungeheuerlichen Taten verantwortlich war. Für die Angehörigen der Mordopfer habe dies eine quälend lange Zeit der Ungewissheit bedeutet. "Auf ihre Fragen nach dem ,Warum?‘ bekamen sie keine Antworten. Ihr Schmerz über den Verlust geliebter Menschen wurde sogar noch verstärkt, weil sie sich stattdessen falscher Verdächtigungen und Spekulationen ausgesetzt sahen", so Geselle. "Auch aus Respekt vor der Familie Yozgat lassen wir nicht zu, dass durch politische Instrumentalisierung – egal von welcher Seite – das Ansehen unseres Kasseler Mitbürgers Halit Yozgat beschädigt wird", erklärte Oberbürgermeister Christian Geselle. "Auch wenn am heutigen zwölften Todestag keine offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Kassel stattfindet, werden wir innehalten und Halit Yozgat gedenken."

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