Umdenken: Sabina Michel über den Sinn unverpackter Lebensmittel

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Ihren Unverpacktladen wollte Sabina Michel aus Eigenbedarf eröffnen, da zum Zeitpunkt ihrer Konzeptgründung in Kassel noch kein Angebot für lose Lebensmittel existierte.

Seit fünf Jahren ist Sabina Michel Vegetarierin und schränkt fortlaufend ihren Plastikverbrauch ein. Wir haben mit der Inhaberin des Kasseler Unverpacktladens "Einfach bewusst" über Nachhaltigkeit und ihr Standkonzept gesprochen.

Kassel. Die Produkte, die Sabina Michel seit Juni in der oberen Etage der Markthalle anbietet, sind bio, regional produziert und werden Co2-neutral geliefert. Ihr Geschäft zeichnet aber noch etwas aus: Nachdem im Kasseler Westen in diesem Jahr die beiden Unverpacktläden „Nachfüllbar“ und „Partout Bio“ eröffnet haben, hat Sabina Michel mit ihrem Markthallen-Stand eine dritte Anlaufstelle für plastikfreies Einkaufen im Stadtgebiet geschaffen.

EXTRA TIP: Ihr Laden heißt „Einfach bewusst“ – Was bedeutet der Begriff „bewusst“ für Sie? 

Sabina Michel: Der Name bezieht sich auf das Kaufverhalten, denn wir schmeißen viel zu viel weg. Heutzutage sollte man das eigene Verhalten aber hinterfragen und sich bewusst machen, was man an Lebensmitteln braucht und überhaupt verarbeiten kann. Gleichzeitig sollte man sich der akuten Problematik dieser Zeit bewusst sein: dem Klimawandel und den Müllbergen, die aus menschlichem Handeln resultieren.

Inwiefern leben Sie bewusst?

Gesunde Ernährung steht für mich im Zentrum, seit 2015 bin ich Vegetarierin. Anschließend habe ich mein Handeln und meine Lebenshaltung weiter hinterfragt und habe meinen Plastikverbrauch mehr und mehr eingeschränkt. Schließlich erledigte ich meinen Wocheneinkauf mit viel frischem Obst und Gemüse in der Markthalle.

Dort wollten Sie direkt auch ihr Konzept verwirklichen?

Die Markthalle ist ein absoluter Entschleunigungsort für mich und stellt einen attraktiven Standort dar. Ich wollte nicht, dass die Kunden irgendwo in der Stadt extra zu mir kommen müssen, sondern beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt meine unverpackten Waren entdecken können.

Warum haben Sie einen Unverpacktladen eröffnet?

Mein Ziel ist es, Bioware anzubieten, um Ressourcen zu schonen, Müll zu vermeiden und dadurch die Umwelt zu erhalten. Mit dem Unverpacktladen möchte ich anstoßen, dass sich die Menschen bewusst werden, das es so nicht weiter geht. Impulse geben und zum Hinterfragen animieren. Mit den natürlichen Produkten möchte ich meinen Kunden außerdem bei ihrer gesundheitlichen Selbsterhaltung helfen.

Und wer kauft bei Ihnen ein?

Mein Kundenspektrum ist sehr breit gefächert. Donnerstags ist bei mir Studierenden-Tag, da erhalten Studierende und Auszubildende zehn Prozent Nachlass auf das ganze Sortiment. Freitags und samstags kommen dann eher Kunden ab 35 Jahren.

Was kann bei Ihnen abgefüllt werden?

Verschiedene Reis- oder Nudelsorten, Nüsse, Hülsenfrüchte und Lupinen aber auch Reinigungsmittel und vegane Kosmetik. Schwerpunktmäßig sind meine Waren regional produziert und auch von Hand gefertigt. Zusätzlich liefere zu allen Produkten Hintergrundinfos über Zutaten, Allergene und die Anwendung. Man ist gut informiert bei mir.

Die unverpackten Lebensmittel, Kräuter und Gewürze liefert Sabina Michel auch an ihre Kunden.

Wie hygienisch ist das selbstständige Abfüllen von Lebensmitteln angesichts der Corona-Pandemie?

Schon vor Corona stand bei Unverpacktläden ein geregeltes Hygienekonzept an erster Stelle. 80 Prozent meiner Kunden bediene ich zudem und fülle die Waren selbst in die mitgebrachten Behältnisse, die generell nie mit den Lebensmitteln in den Spendern in Berührung kommen. Die restlichen Käufer desinfizieren sich vor dem eigenständigen Abfüllen die Hände. Für alle gilt auch an meinem Stand die Mundschutzpflicht.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsprodukt?

Ich liebe die Naturkosmetik. Sie ist rein pflanzlich und kommt ohne Chemie und Mikroplastik aus. Ganz toll sind bei mir die Sanddorn-Bodylotion und eine sehr gut riechende Sheabutter mit Limette. Persönlich benutze ich am liebsten „Daumenschmaus“, das ist eine feste Handcreme aus Süddeutschland.

Wo müsste Ihrer Einschätzung nach im „normalen“ Supermarkt Plastik vor allem reduziert werden? Abgepacktes Brot, Kuchen und Kekse müssen zum Abfüllen angeboten werden. Und wenn schon eine Verpackung notwendig ist, sollten allgemein recyceltes Papier oder Gläser verwendet werden.

Womit können Verbraucher anfangen, um bewusster einzukaufen? Haben Sie Tipps?

Loses Obst und Gemüse wählen und nicht gezielt nach den abgepackten Paprikas greifen. Ebenso haben wir sehr sauberes Leitungswasser in Deutschland. Das kann man trinken anstatt die großen Pakete mit Plastik-Einwegflaschen zu kaufen. Das sind kleine Schritte, die jeder leicht gehen kann. Ansonsten ist auch ein guter Tipp, sich Reinigungsmittel aus Zitronensäure und Natron einfach selbst herzustellen.

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