Unfallflucht: "Die Zahlen steigen stetig"

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Kassel. Auch in diesem Jahr wird die Vorjahreszahl von 2635 Unfallfluchten wieder übertroffen, sagt der Polizei-Experte der Unfallfluchtgruppe.

Kassel. "Auch in diesem Jahr werden wir die Vorjahreszahlen wieder übertreffen", sagt Frank Behrens, Leiter der Unfallfluchtgruppe des Kasseler Polizeipräsidiums im EXTRA TIP-Gespräch.  Nicht überraschend, denn seit 2006 sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen. Von 2016 (2006) auf 2635 Unfallfluchten im vergangenen Jahr."Und die Dunkelziffer ist weit höher", weiß der Experte. Denn  längst nicht jeder Autofahrer, der Opfer einer Unfallflucht wurde, bringt Beulen und Schrammen zur Anzeige. Meist weil er nicht weiß, wo seinem Wagen diese Schäden beigebracht wurden.  Dabei ist die Auflärungsquote, die sich zwischen 40 und 45 Prozent aller angezeigten Fälle bewegt, durchaus ordentlich – wenn auch sehr stark von der Unfall-Situation abhängig: "Ein abgefahrener Spiegel in der Wohnstraße wird uns eher zum Erfolg führen als einer an der stark befahrenen Durchgangsstraße", sagt Frank Behrens.

Der Ermittlungserfolg hängt von Zeugen und Spurenlage ab. "Autoteile am Unfallort sind für uns ein echtes Glück – anhand von Seriennummern können wir sehr schnell das genaue Fabrikat herausfinden", sagt Frank Behrens.  Der größte Teil der angezeigten Unfallfluchten  sind Parkrempler – "und da muss man schon ermitteln, ob der Fahrer den Unfall überhaupt mitbekommen hat oder haben kann und dann weggefahren ist." Erst dann ist der Vorsatz einer Unfallflucht erfüllt. Die Motive sind unterschiedlich: Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss,  ohne Führerschein mit einem geklauten Auto. Oder aber einfach nur aus Angst vor finanziellen Nachteilen durch Hochstufung bei der Versicherung. "Es gibt aber tatsächlich auch eine Flucht aus Panik. Schließlich ist ein Unfall ja nichts Alltägliches für die meisten Autofahrer", weiß Frank Behrens.  Um nicht Gefahr zu laufen, Unfallflüchtiger zu werden,  rät Behrens zu einer angemessenen Wartezeit auf den Geschädigten. "Auf dem dez-Parkplatz zur Mittagszeit kann das auch mal eine Stunde sein." Ein Zettel hinterm Scheibenwischer mit Nachricht und Adresse reiche nicht aus, da es nicht sichergestellt sei, dass der andere Autofahrer ihn vorfinde. Die Polizei zu informieren sei der sicherste Weg.

Übrigens: Manchmal begehen auch jene Unfallflucht, die eigentlich zu Schaden gekommen sind. Die Motive gleichen denen der Unfallverursacher.Und: Auch die vermeintlich schwächeren Verkehrsteilnehmer wie  Radfahrer und Fußgänger können zu Unfallflüchtigen werden. In einem Fall hatte es Frank Behrens’ Team mit einem Mann zu tun, der volltrunken aus einer Kneipe direkt vor ein  Auto torkelte. Nach dem Aufprall machte er sich schnell aus dem Staub – der Fahrer blieb mit seinem beschädigten Fahrzeug zurück.  In den meisten Fällen stehen jedoch Autos im Fokus. "Und da ist es für uns ein positiver Nebeneffekt, wenn die Geschädigten zu ihrem Recht und finanziellen Ausgleich kommen, wenn wir das  Täter-Fahrzeug ausfindig machen. Selbst dann wenn der Fahrer vielleicht nicht abschließend ermittelt werden kann."

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