Ungeimpftes Personal für Kinderhaus in Calden? Einrichtung empört Eltern mit Impfgegner-Plakat

10 Gründe gegen eine Impfung für Kinder: Auch Donnerstagmittag hing das Anti-Impf-Plakat noch in der Eingangstür des Kinderhauses. Die Urheber des Plakats schreiben online u.a., dass Kinder grundsätzlich nicht von Corona betroffen seien und keinen schweren Verlauf hätten.
+
10 Gründe gegen eine Impfung für Kinder: Auch Donnerstagmittag hing das Anti-Impf-Plakat noch in der Eingangstür des Kinderhauses. Die Urheber des Plakats schreiben online u.a., dass Kinder grundsätzlich nicht von Corona betroffen seien und keinen schweren Verlauf hätten.

Das Kinderhaus in Calden hat auf der Seite impffrei.work nach Mitarbeitern gesucht. Zudem hängt am Eingang der Kita ein „Infoblatt“, das unwahre 10 Gründe nennt, warum Kinder und Jugendliche sich nicht impfen lassen sollte. Die Eltern der Kita-Kinder sind entsetzt. 

Calden. Im Eingang des Kinderhauses in Calden hängt ein Plakat, welches Eltern darauf hinweist, dass eine Impfung für Kinder und Jugendliche nicht empfohlen werden kann. ‚Kinder und Jugendliche sind mit der natürlichen Immunität besser geschützt‘ – zudem sind 10 Gründe auf dem Plakat zu lesen, warum die Jüngsten keine Corona-Impfung erhalten sollten.

Schon dieses Plakat machte einige Eltern, die ihre Kinder in die Krippe in Calden geben, stutzig. Doch nachdem das Kinderhaus Calden ganz bewusst ungeimpftes Personal auf dem umstrittenen Portal impffrei.work suchte, ist die Verunsicherung jetzt noch größer. Zuerst hatte der Focus über den Fall berichtet.

Schon dieses Plakat machte einige Eltern, die ihre Kinder in die Krippe in Calden geben, stutzig. Der Artikel des Focus sorgte nun für zusätzliche Empörung.

Eine besorgte Mutter wendete sich daraufhin an den EXTRA TIP und berichtet: „Mir persönlich ist schon ein bisschen länger bewusst, dass die Kita-Leitung eine andere Einstellung zum Thema Corona und der Impfung hat. Ich als Elternteil hatte mit den Ansichten der Kita-Leitung länger keine Berührungspunkte. Erst als im September dieses Plakat in der Kita hing, war ich wirklich alarmiert. Ich fragte daraufhin beim Kinderhaus nach, erhielt aber nur die Antwort, dass es die Meinung der Kita-Leitung sei. Dass dieses Plakat Unwahrheiten enthält und für die Außenwirkung nicht gut ist, schien egal“, so die besorgte Mutter, die anonym bleiben möchte, um den Betreuungsplatz nicht zu verlieren.

Ihr Kind gebe sie jedoch nur noch mit schlechten Gewissen dort ab, denn „wer weiß, wie die neuesten Verordnungen umgesetzt werden. Ob sich da tatsächlich alle ungeimpften Erzieher verantwortungsvoll testen oder ob man dies vielleicht auch nicht so eng sieht.“

Auf Nachfrage bei der Leitung des Kinderhauses erklärt diese: Kein Kommentar, die Gemeinde Calden würde sich dazu äußern.

Es gäbe auch schon Eltern, die ihre Kinder gar nicht mehr in die Kita brächten – schließlich seien hier die jüngsten Kinder betroffenen und die Betreuung laufe auf Vertrauensbasis. „Ich möchte schon, dass mein Kind von jemanden betreut wird, der wenigstens getestet ist – zum Schutz meines Kindes.“ Einige Mitarbeiter würden dies auch sicher verantwortungsvoll handhaben, doch von der Leitung und deren Ausrichtung zeige man sich eben besorgt. Mit dem Konzept und dem Angebot für die Kinder könne man ansonsten zufrieden sein. „Ich glaube noch nicht mal unbedingt, dass die ausschließlich ungeimpftes Personal suchen, aber dass sie dort auf dieser Plattform inseriert haben, zeigt ja schon, wie es werden kann. Und die Behauptung, dass eine Durchseuchung der Kinder besser wäre als die Impfung, ist weder neutral noch richtig. Das ist gefährlich.“

Seit Bekanntwerden des Focus-Artikels sind jedoch einige Eltern in Aufruhr. Auf Nachfrage bei der Leitung des Kinderhauses erklärt diese: Kein Kommentar, die Gemeinde Calden würde sich dazu äußern.

Wir fragten daher bei Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn nach, der uns erläutert, dass man von der Thematik Kenntnis habe und ihnen von der Leitung mitgeteilt worden sei, dass man ziemlich verzweifelt Personal gesucht habe. „Das Kinderhaus hat wohl auf allen möglichen und auch unmöglichen Wegen versucht, an Personal zu kommen und so auch dieses Portal genutzt, welches sie normalerweise vielleicht nicht genutzt hätten oder nicht hätten nutzen sollen. Wir als Landkreis sind nicht zuständig für die Personalgewinnung eines freien Trägers. Wir gucken, ob der Ablauf in der Kita in Ordnung ist und haben bislang keine schlechten Erfahrungen mit dem Kinderhaus gemacht. Die Suche auf diesem Portal ist natürlich schon ungewöhnlich.“

Bis zu unserem Anruf war Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz und dem Landkreis das Plakat nicht bekannt. Nun überlege man, wie man Einfluss auf die Verantwortlichen nehmen könnte.

Als wir von dem Plakat im Eingang der Kita sprechen, hat man beim Landkreis keine Kenntnis darüber und ist überrascht. Wir leiten es weiter und fragen auch bei Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz an und erhalten folgendes Statement: „Das Vorgehen des Anbieters Kleine Schritte-Große Sprünge Kinderhaus e.V., angesichts der derzeitigen Pandemielage, gezielt nach ungeimpften Mitarbeiter/innen zu suchen, missbilligen die Bürgermeister der Gemeinden Ahnatal (auch dort gibt es ein Kinderhaus/ Anm. d. Red.) und Calden, Stephan Hänes und Maik Mackewitz. Das zeugt von einer Haltung dem Thema gegenüber, die die Gemeinden in einer kommunalen Einrichtung bei den eigenen Mitarbeitern nicht akzeptieren würden. Politisch ist das das völlig falsche Signal, denn gerade kleine Kinder, die ja nicht geimpft werden können, benötigen den besonderen Schutz. Andererseits gilt derzeit am Arbeitsplatz 3G. Wenn also alle, die dort arbeiten, täglich einen gültigen negativen Test vorlegen, wird es kurzfristig keine Möglichkeit geben, einzuschreiten. Wir verlangen von einer Einrichtung, die als Kooperationspartner in unserer Gemeinde Verantwortung hat, dass alles für den Schutz der Mitarbeiter und der Kinder getan wird. Dafür sind die empfohlenen Schutzmaßnahmen mitzutragen und anzuwenden! Die Gemeinden Calden und Ahnatal prüfen daher, wie sie auf die Verantwortlichen Einfluss nehmen können.“

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Polizei nimmt offenbar verwirrten Randalierer mit Messer in Kasseler Café fest: Der beißt einen Beamten
Kassel

Polizei nimmt offenbar verwirrten Randalierer mit Messer in Kasseler Café fest: Der beißt einen Beamten

Am Samstagabend riefen Mitarbeiter eines Cafés am Kasseler Friedrichsplatz gegen 20.50 Uhr die Polizei wegen eines scheinbar verwirrten Mannes, der dort randalierte und …
Polizei nimmt offenbar verwirrten Randalierer mit Messer in Kasseler Café fest: Der beißt einen Beamten
22-Jähriger beklaut wehrlosen Pfandflaschen-Sammler: Dieb kommt dank Zeugenhinweisen nicht weit
Kassel

22-Jähriger beklaut wehrlosen Pfandflaschen-Sammler: Dieb kommt dank Zeugenhinweisen nicht weit

Zu einem äußerst gewissenlosen Diebstahl kam es in der Nacht zum Sonntag in der Unteren Königsstraße in Kassel.
22-Jähriger beklaut wehrlosen Pfandflaschen-Sammler: Dieb kommt dank Zeugenhinweisen nicht weit
Nach Aus mit Thomalla: MT-Star Silvio Heinevetter im Liebes-Urlaub mit neuer Freundin
Kassel

Nach Aus mit Thomalla: MT-Star Silvio Heinevetter im Liebes-Urlaub mit neuer Freundin

Für Silvio Heinevetter und seine MT Melsungen wird es am 10. Januar wieder ernst, denn dann geht es los mit der Vorbereitungen. Doch so lange ist beim MT-Star noch …
Nach Aus mit Thomalla: MT-Star Silvio Heinevetter im Liebes-Urlaub mit neuer Freundin
Testzentrum in Kassel-Wilhelmshöhe seit Mittwoch wieder geöffnet
Kassel

Testzentrum in Kassel-Wilhelmshöhe seit Mittwoch wieder geöffnet

Seit März bietet die Apothekerin Angela Müller-Rebstein von der Landgraf-Karl-Apotheke in einem rund 90 Quadratmeter großen Testzentrum im City-Center Wilhelmshöhe …
Testzentrum in Kassel-Wilhelmshöhe seit Mittwoch wieder geöffnet

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.