Unwetter vor einem Jahr verwüstete Agentur: So geht es der Tigertatze heute 

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Vor ihren neuen Büroräumen: Klaus Hartwig Christine Haertel, Ilki Kocer, Inhaber David Balhorn, Sandra Balhorn und Ulrike Daub.

Vor einem Jahr verwüstete ein Unwetter die Büroräume der Kinderagentur Tigertatze am Hauptbahnhof. Eine schwierige Zeit für das junge Team - so geht es ihnen heute.

Kassel. Rückblick: Es ist Freitag, der 22. Juli 2016. Klaus Hartwig betritt den Nordflügel des Kasseler Hauptbahnhofs. Er arbeitet bei der Kinderagentur Tigertatze, die die Räume gemietet hat. Er hört einen Knall, es blitzt – dann stürzen Teile des Dachs auf die nahegelegenen Gleise.

Hinter David Balhorn und seinem Tigertatzen Team liegt eine schwierige Zeit. „Wir mussten uns erstmal aufrappeln, nachdem uns bei dem Unwetter das Dach weggeflogen ist“, sagt Balhorn ein Jahr später. Von ihrem Equipment war kaum noch etwas zu gebrauchen, die Büroräume konnten sie nicht mehr betreten, wichtige Unterlagen gingen verloren – vom Winde verweht.

Die Tigertatze informierte seine Kunden über die neue Situation. Diese zogen daraufhin Aufträge zurück, mit der Begründung, die Agentur solle sich erstmal um sich selbst kümmern, man bleibe in Kontakt – sie zweifelten an der Tigertatze. „Zuerst war ich wütend, im Nachhinein kann ich die Kunden aber verstehen“, sagt Balhorn.

 

So sah es vor einem Jahr aus: Teile des Dachs stürzten auf die Gleise am Hauptbahnhof.

Bei Chilli Mind, einer befreundeten Agentur am Königstor in Kassel, kamen David Balhorn und sein Team vorerst unter. „Unser Lager hatten wir bei der Metro – das war alles andere als effektiv“, berichtet er. Ohnehin konnte sich die Agentur lange Zeit kaum auf ihr eigentliche Arbeit konzentrieren – verhandelte stattdessen wegen des Schadens mit der Versicherung und suchte neue Büroräume. Man plante einen Neubau in Rothenditmold, das passende Grundstück war gefunden, doch im letzten Moment platzte der Deal. „Das war schon kurios“, erklärt die Finanzchefin der Tigertatze Sandra Balhorn, „so richtig wissen wir auch nicht was da schiefgelaufen ist, es passte aber zur Situation“, sagt sie heute und schmunzelt.

Von der Ausrüstung war nach dem Sturm nur noch wenig zu gebrauchen.

„Bis zum Unwetter ging es für uns immer nur bergauf – dieses Gefühl der Hilflosigkeit kannten wir nicht“, stellt David Balhorn fest. Nun arbeitet das Team im Grünen Weg in Kassel. Erst vor kurzem haben sie werbewirksam 1000 Ikea Taschen in der Kasseler Innenstadt zwischen Laternen aufgehängt und für Aufsehen gesorgt. „So langsam sind wir über den Berg, aber das vergangene Jahr hat uns verdammt viel Kraft gekostet“, sagt Sandra Balhorn.

Damals, kurz nachdem das Unwetter seine Spuren hinterließ, war sich ihr Mann David schon sicher: „Wir haben ein tolles Team und schaffen das.“ Das Team ist nicht mehr dasselbe wie vor einem Jahr, die schwierigste Zeit haben sie wohl trotzdem überstanden.

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