Venezianer musiziert mit Flüchtlingskindern in der Kasseler Nordstadt

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„Junge Menschen sollen an sich glauben“, sagt Alessandro Fabris, der im Zuge europäischen Freiwilligendienstes nach Kassel kam und schwärmt: „piano bietet einen tollen Rahmen, sich auszuprobieren.“ 

Alessandro Fabris kam als Freiwilliger aus Venedig nach Kassel – und arbeitet nun für den Verein „piano“ mit Flüchtlingskindern.

Kassel.  Sein Lächeln erfüllt den Raum. Und so muss es auch im Sommer vor zwei Jahren gewesen sein, als Alessandro Fabris aus Venedig kommend am Bahnhof Wilhelmshöhe stand und Monika Pawlak, Vorstandsmitglied beim Nachbarschaftsverein „piano“ gleich verblüfft: „Er sprach kein Deutsch“, erinnert sie sich lächelnd. Dabei war das eine der Voraussetzungen, die sich der Verein für seine Freiwilligen gewünscht hatte. „Alessandro hat dann eben mit dem Herzen gesprochen“, berichtet Annett Martin, ebenfalls im Piano-Vorstand. Dem Gedanken folgend, Alt und Jung zusammenzubringen, ließ der junge Venezianer die alten Menschen regelrecht aufblühen, die er seitdem durch ihren Alltag begleitete. „Sie haben mir mit großem Eifer und Geduld die Sprache beigebracht“, berichtet Alessandro in fließendem Deutsch. Gewonnen haben in seiner Freiwilligen-Zeit alle: Die ältere Dame, die in Begleitung wieder kleine Spaziergänge machte, was vor ein paar Monaten undenkbar war. Der Verein Piano, der in seiner Stadtteilarbeit ganz neue Impulse setzen kann. Und die Freiwilligen, die neben dem Erlernen der deutschen Sprache auch ihre soziale Kompetenz erweitern und ein europäisches Bewusstsein schaffen. „Mein Konzept von Heimat hat sich verändert“, sagt Alessandro. „Es sind die Menschen, die mich heimisch fühlen lassen.“

Mit dem Instrument „Hang“ im Stadtteiltreffpunkt Waschcafé am Rothenberg: (v.li.) Monika Pawlak (Vorstand piano), Alessandro Fabris und Annett Martin (Vorstand piano).

Damit könnte die Geschichte schon beendet sein. Doch für Alessandro, den ersten europäischen Freiwilligen im Dienst von piano, geht sie weiter: Er wurde fest angestellt, hat seinen Schwerpunkt nun in der Arbeit mit Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft Bunsenstraße. „Die Freiwilligen können sich mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten selbst engagieren oder in bestehende Aktivitäten einbringen“, beschreibt Monika Pawlak die Idee, die Alessandro nun mit Leben füllt. „Mit Musik kann man sich auch ohne Sprache verständigen“, sagt er. Und animiert mit seiner „Hang“ – zwei zusammengeklebten Halbschalen aus Stahlblech – sowie Rasseln, Shakern und Trommeln vor allem Kinder zum Mitmachen. Stolz nehmen diese ihren „Trommelführerschein“ nach bestandener Prüfung in Empfang.

Nächster Weg führt nach Peru

Und so schließt sich der Kreis: Als Fremder kam Allessandro nach Deutschland, lernte von den Alten. Und heißt nun die ganz Jungen in ihrer neuen Heimat willkommen. Im August endet nun auch dieses Kapitel. Alessandro geht für ein deutsches Projekt nach Peru, um dort in den Armenvierteln mit Kindern zu musizieren. Sechs andere Freiwillige (aus Italien, Frankreich, Ungarn) werden im Sommer ihren Dienst in Kassel antreten. „Ein Teil von piano geht mit mir“, sagt Alessandro Fabri dankbar. Und ein großes Stück Alessandro bleibt auch bis zu seiner Rückkehr bei piano. Man wird ihn hier vermissen. Nicht nur wegen seiner fantastischen Pasta nach Mamas Rezept.

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