Verkehrschaos um den Bergpark: Bürger und Experten suchten Lösungsansätze

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Die Podiumsdiskussion mit (v.li.) Verkehrsdezernent Dirk Stochla, MHK-Direktor Prof. Dr. Martin Eberle, Verkehrsplaner Prof. Rainer Meyfahrt und dem ehem. Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, Prof. Dr. Gerd Weiß, wurde moderiert von Journalistin Petra Nagel.

Vor Kurzem tauschten sich Experten und Bürger bei einer Podiumsdiskussion zur Verkehrsproblematik am Bergpark aus. Könnte eine Herkulesbahn die Lösung sein? 

Kassel. Überfüllte Parkplätze, Stauschlangen, Verkehrschaos –­ ein kurzer Einspielfilm ließ mit diesen Bildern die Diskussionsveranstaltung über das Verkehrskonzept zum Bergpark beginnen. Neben der Wilhelmshöher Ortsvorsteherin, Anja Lipschick, sprachen in dem Kurzfilm auch die Gastronomen der Alten Wache und der Kaskadenwirtschaft über die Verkehrsproblematik rund um das Weltkulturerbe. Bevor sich interessierte Bürgern zu Wort meldeten, gaben der ehemalige Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, Prof. Dr. Gerd Weiß, Verkehrsplaner Prof. Rainer Meyfahrt, MHK-Direktor Prof. Dr. Martin Eberle und Verkehrsdezernent Dirk Stochla ihre persönliche Einschätzung zur Verkehrsproblematik.

„Der Bergpark ist eine Anlage, die man sich zu Fuß erschließen muss“, sagte Prof. Dr. Weiß. „Die Bilder im Einspielfilm haben gezeigt, dass es sich vor allem um ein Massenproblem handelt, das mit Shuttlebussen nicht lösbar ist. Es muss generell weniger Verkehr im Bergpark sein und dazu muss der öffentliche Verkehr gestärkt werden“, so Prof. Meyfahrt und verwies auf die Transportflexibilität von Straßenbahnen. Während Prof. Dr. Eberle den Naturschutz in den Fokus rückte und appellierte, den Bergpark als Gesamterlebnis aufzufassen, erinnerte Verkehrsdezernent Stochla an die Aktualisierung der Machbarkeitsstudie zur Herkulesbahn aus dem Jahr 2010. Einer möglichen Verlängerung der Tramlinie 1 stand Prof. Dr. Weiß nicht nur in Anbetracht sich ständig entwickelnder, zukünftiger Technologien skeptisch gegenüber: „In Deutschland resultieren derartige Verkehrsprobleme maßgeblich aus der Bequemlichkeit der Menschen. Von Reisen nach Asien kann ich berichten, dass Besucher dort oft selbstverständlich weite Wege zu Fuß zu den Denkmälern zurücklegen.“

Meldete sich zu Wort: Heinz Schäfer aus Nordshausen, der 38 Jahre lang als Straßenbahnfahrer im Einsatz war und auch die alte Herkulesbahn fuhr.

Nach der Podiumsdiskussion kamen die Kasseler Bürger zu Wort und äußerten neben Kritik auch Wunschvorstellungen. Der enorme Stellenwert, den das heiß diskutierte Thema bei den Kasselern besitzt, wurde deutlich, als sich die Fragen nahezu überschlugen und die Experten mit den Antworten kaum hinterher kamen. „Ich war 38 Jahre lang Straßenbahnfahrer bei der KVG, habe die alte Herkulesbahn bedient und kenne mich bestens aus. Mein Vorschlag wäre es, eine Straßenbahn-Wendeschleife einzurichten“, so Heinz Schäfer aus Nordhausen. Weitere Bürger äußerten Kritik darüber, dass sie bereits über viele Jahre solche Diskussionen zur Verkehrsproblematik gehört hätten, sich zu wenige Parkbänke in der Tulpenstraße befänden oder, dass die Parkbesucher immer rücksichtsloser auf E-Bikes und Mountainbikes unterwegs seien.

Während der Vorschlag geäußert wurde, die Mulangstraße als Anliegerstraße umzugestalten, stellte aus touristischer Sicht eine Gästeführerin die Stellplatzproblematik für Reisebusse dar. „Genügend Parkplätze, die sowohl für den Individualverkehr als auch für Reisebusse ausreichend sind, können gar nicht geschaffen werden“, sagte Prof. Dr. Eberle. Nachdem eine Bürgerin die bekannte Überlegung, eine Seilbahn im Bergpark zu installieren, aufleben ließ, ergriff Peter Klemt vom Fördervereins der Neuen Herkulesbahn das Wort. „Mit den Verkehrsmitteln, die wir hier zur Verfügung haben, sollte eine Verbindung ohne Umsteigen geschaffen werden“, sagte Klemt und bezog sich dabei auf den kurzen Asienexkurs von Prof. Dr. Gerd Weiß.

Dieser gab die Empfehlung eines stufenweisen Vorgehens zur Lösung der Verkehrsproblematik, statt einen Masterplan fassen zu wollen. Prof. Meyfahrt riet dazu, den Einspielfilm und dessen abschreckende Staubilder möglichst zu verbreiten. Wie die moderierende Journalistin Petra Nagel aufzeigte, verfolgte der Abend nicht das Ziel eine Lösung zu finden, sondern Lösungsansätze und neue Ideen zu sammeln.

Ein Ansatz zog sich jedoch wie ein roter Faden durch die Verkehrsdiskussion: Den Personen, die mit dem Auto den Bergpark besuchen, müssen deutlich bessere und attraktivere Angebote gemacht werden, um das Auto von Anfang an stehen zu lassen.

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