Verkehrschaos am Weltkulturerbe: Neue Herkulesbahn könnte Parksituation verbessern.  

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Da die Besucher zum Großteil mit dem Auto zum Herkules fahren, reichen die Parkplätze kaum aus und es wird überall an den Rändern und Rasenstreifen geparkt.

Bei schönem Wetter parken die Autos am Herkulesparkplatz überall und es herrscht Verkehrschaos. Ein ehrenamtlicher Verein spricht sich seit Jahren für eine neue Herkulesbahn aus.

Kassel. Sonnenstrahlen brechen an einem Sonntagnachmittag durch das derzeit trübe Winterwetter –­ die scheinbar perfekte Gelegenheit dem Dunstkreis der Stadt zu entkommen und einen ausgedehnten Spaziergang am hochgelegenen Herkules zu unternehmen. Wer bei so schönem Wetter auf eine entspannte Sonntagstour bei frischer Luft hofft, wird auf dem Hinweg zum berühmten Weltkulturerbe zunächst enttäuscht. Eine Autoschlange schiebt sich hoch zum Parkplatz an der Statue, lange Zeit wird kreisend spekuliert, ob irgendwo endlich ein anderes Auto ausparkt. Dabei ist es keine Seltenheit, dass zwischen den ganzen Autoabgasen und dem Gehupe schon einmal ein handfester Streit um eine begehrte Parklücke entsteht.

Macht man sich ohne Auto auf den Weg zum Herkules, kann man zwischen zwei Optionen wählen, die während eines hohen Besucherandrangs anstrengend ausfallen und viel Zeit in Anspruch nehmen können. Besucher können zum einen ab der Haltestelle Druseltal die alle halbe Stunde verkehrende Buslinie 22 nutzen, zu den Wasserspielen verkehrt die zusätzliche Buslinie 23. Zum anderen besteht die Möglichkeit mit der Tram Linie 1 bis zum Bergpark am Schloss Wilhelmshöhe zu fahren und anschließend die unzähligen Stufen zum Herkules hinaufzulaufen. Bis zum Jahr 1966 bestand jedoch eine weitere Beförderungsvariante, die durch den Busverkehr ersetzt wurde: Die historische Herkulesbahn.

Hält die Parkplatzsituation am Kasseler Herkules für überfüllt und spricht über die Vorteile einer neuen Herkulesbahn: Peter Klemt, Erster Vorsitzender des Fördervereins Neue Herkulesbahn.

„1962 gab es den Beschluss, dass die Herkulesbahn nicht eingestellt, sondern verlegt werden sollte. In diese Umspurung wurde sogar investiert, ein Jahr später nahm man den Beschluss jedoch überraschend wegen zu hoher Kosten zurück“, erzählt Peter Klemt, Vorsitzender des Fördervereins Neue Herkulesbahn Kassel. Die Bahnlinie wurde eingestellt, die Gleise und die Endhaltestelle am Herkules entfernt. Da aber die alte Trasse noch vorhanden ist, wollen die 80 Mitglieder des Fördervereins an den Beschluss von 1962 anknüpfen und sehen große Vorteile darin, eine neue durchgehende Bahnverbindung von der Innenstadt bis zum Besucherzentrum am Herkules einzurichten.

Vorteile einer neuen Herkulesbahn

„Wir wollen keine Nostalgiebahn. Unser Verein hält eine neue Herkulesbahn für nötig, um die Parkplätze an Kassels Wahrzeichen zu entlasten und, um den Besuchern eine andere Möglichkeit zu bieten, als mit dem Bus oder dem Auto anzureisen“. Bereits seit 15 Jahren hat es sich der ehrenamtliche Verein zur Aufgabe gemacht, Bürger über die Vorteile einer neuen Herkulesbahn zu informieren und Politiker auf die Thematik aufmerksam zu machen. Eine neue Bahnlinie könnte nach Angaben von Peter Klemt die Stadt und das Erholungsgebiet Bergpark wieder direkt verbinden, ohne dass das Weltkulturerbe davon beeinträchtigt wird. Ein denkbarer Streckenverlauf würde genau an dessen Rand entlangführen.

„Wenn eine attraktive Verbindung da ist, dann ist das nicht nur ein Vorteil für den Tourismus. Die Naherholung am Herkules wäre auch unter der Woche leichter möglich und der Besucherandrang ballt sich nicht mehr so stark an den Wochenenden. Es wäre unkomplizierter, wenn man sich nach der Arbeit schnell in eine Bahnlinie setzen kann, die auf direktem Wege zum Weltkulturerbe fährt“, so Klemt. Doch der Wunsch nach einer Bahn, die die Gäste wieder hinauf zum Herkules bringt, besteht bei den Kasseler schon längere Zeit.

„Es kam im Jahr 2009 bereits zu einer Machbarkeitsstudie der KVG, die dem Magistrat der Stadt Kassel vorgelegt wurde. Viele Jahre sind seitdem vergangen, die Studie ist deswegen nicht mehr zeitgemäß. Aktuell wird an einer neuen Untersuchung gearbeitet, die hoffentlich im Sommer vorliegt. Dann sind erneut die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat an der Reihe eine Entscheidung zu treffen“, erzählt Klemt.

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