Verschärfte Regeln in Kassel: So reagiert die Gastro auf die 2G+-Regel

Rainer Holzhauer
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Seit Donnerstag gelten für die Kasseler Gastronomie verschärfte Regeln. Kasseler Gastronomen wie Rainer Holzhauer (Grischäfer, Kaskadenwirtschaft, Renthof, Orangerie) sehen die Regelungen kritisch.

Kassel ist jetzt Corona-Hotspot. Das bedeutete, die Regeln in der Stadt werden verschärft. Seit Donnerstag dürfen nur Menschen in Restaurants, die die 2G+-Regel erfüllen. Was die Kasseler Gastronomen und Gastronominnen zur neuen Regelung sagen.

Kassel Seit Mittwoch ist Kassel ein Corona-Hotspot.  Drei Tagen in Folge lag Kassel über dem Inzidenzwert von 350. Demnach gelten nun auch verschärfte Corona-Regeln. In Restaurants darf derzeit nur, wer die 2G+-Regel erfüllt. Bedeutet: Geimpfte oder Genese müssen zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Test oder eine Auffrischungsimpfung vorweisen ist. Der Test kann ein Antigentest sein.

Die aktuellen Corona-Zahlen für Kassel finden Sie hier

Der Branchenverband DEHOGA sprach schon vorab von einer Katastrophe für die Betriebe: „Mit diesen Entscheidungen drückt man das Gastgewerbe an die Wand.“ Wir haben mit Kasseler Gastronomen und Gastronominnen gesprochen und wollten wissen, was diese von den neuen Regelungen halten.

„Für meine Restaurant-Betriebe bedeutet die 2G+-Regel natürlich wieder Einschnitte“, berichtet Gastronom Gianluca Luciano (Da Vinci, Solo, Avanti im dez). „Es bringt aber nichts, sich darüber aufzuregen. Man muss nach vorn schauen. Viele unserer Stammgäste sind auch schon geboostert.“

 Gianluca Luciano vom Da Vinci, Solo und Avanti im dez.

„Begeistert sind wir natürlich nicht, aber gespannt wie es dann läuft“, sagt Karina Appelhans vom Schindelhaus. Nach einer kurzen Winterpause ist das Schindelhaus seit Montag wieder geöffnet. „Unsere Gäste haben sich an den Ablauf mit 2G-Regel gewöhnt, da gab es keine Probleme. Die Verschärfung werden wir sicher zu spüren bekommen, denn viele Gäste die kurzfristig zu uns kommen wollen, müssen sich jetzt noch testen lassen. Ich glaube, die Leute sind einfach müde von der Gesamtsituation“, sagt Appelhans. Viele ihrer Gäste seien aber auch schon geboostert.

Sind sich sicher, dass sie die neue Regelung merken werden: Janin Klein und Karina Appelhans vom Schindelhaus. 

Rainer Holzhauser (Grischäfer, Kaskadenwirtschaft, Renthof, Orangerie) meint: „Langsam reicht es. Zum einen unternehmen wir Gastronomen in Sachen ‚Gäste-Sicherheit‘ ja sowieso schon wahnsinnig viel. Bei uns steht beispielsweise Personal in den Eingangsbereichen und überprüft Covid-Apps und Impfpässe, um nur ein Besipiel zu nennen. Und zum anderen werden auch die Gäste zusehends verunsichert. Wenn uns jetzt – aufgrund der neuen Vorgaben – abermals ein Drittel wegfliegt, dann wissen wir irgendwann nicht mehr, wie es noch weitergehen soll.“

Sind die Restaurants bald alle leer? Gastronom Rainer Holzhauer (Grischäfer, Kaskadenwirtschaft, Renthof, Orangerie) hat die große Sorge, dass sich die 2G+-Regel für Restaurants abermals negativ auf die Gastronomie auswirkt.

Auch Alberto Jaber vom Fosters Garden und dem Fachwerk in Bettenhausen weist daraufhin, dass die Lage für Gastronomen immer problematischer wird: „Es war vorauszusehen, dass die 2G+-Regel kommt. Bei uns im Fachwerk werden wir vermutlich nicht so spürbar Probleme bekommen, da unsere Gäste eher über 50 und somit meist schon geboostert sind. Aber im Fosters Garden haben wir eher jüngeres Publikum, die vielleicht noch keine dritte Impfung bekommen haben. Ich überlege, Tests anzubieten, so dass Gäste auch spontan ohne Test zu uns kommen können. Doch erst einmal warte ich die nächste Woche ab, ob sich der Mehraufwand und die Investition lohnt und was noch entschieden wird. Wenn zu wenig Gäste kommen, werden wir schließlich und wieder auf Lieferservice und Abholung setzen. Doch was passiert, wenn diese Maßnahmen in der Gastronomie nicht helfen – kommt dann der Lockdown? Dann sollte die Regierung lieber direkt durchgreifen und einmal alles schließen. Doch statt ein Machtwort zu sprechen, sind wir bei Stirb Langsam 2.0.“

Hat nun wieder Mehraufwand: Alberto Jaber vom Fosters und Fachwerk. Archivfoto: feldle

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