57 Millionen Euro: Raser füllen die Landeskasse

Die Zentrale Bußgeldstelle kassierte im Jahr 2016 57 Millionen Euro für Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.

Kassel. Ja, herrscht den Wildwest auf Hessens Straßen? Rund vier Millionen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung werden jährlich gezählt. 1.083.117 Anzeigen gingen 2016 in der Zentralen Bußgeldstelle ein. Den Rest bearbeiten Städte und Gemeinden. „57 Millionen Euro haben wir eingenommen. Ausgaben haben wir in Höhe von 15 Millionen Euro. Ein schöne Summe für die Landeskasse“, schmunzelte Peter Koch, der Chef der Zentralen Bußgeldstelle, die im Regierungspräsidium Kassel arbeitet. 2015 waren es noch 92.607 Anzeigen mehr.

Waren die Fahrer 2016 disziplinierter? „Nein“, wehrt Koch ab. „Das lag an Instandsetzungsarbeiten am Darmstädter Kreuz, am Elzer Berg, an der Schiersteiner Brücke, aber auch an der Bergshäuser Brücke. Da wurden stationäre Radaranlagen außer Betreib genommen. Mobile Messungen in diesen Bereichen sind nicht mit dem Anzigenaufkommen stationärer Anlagen zu vergleichen.“

30.244 Fahrverbote

Der Herr der Knöllchen: Peter Koch, Leiter der Zentralen Bußgeldstelle.

Die Bußgeldstelle hat 2016 443.825 Bußgeldbescheide verschickt. Davon waren 30.244 mit einem Fahrverbot verbunden. In 28.166 Fällen wurden die Verfahrensakten aufgrund eines Einspruchs, in 1631 Fällen wegen Rechtsbehelfe oder Strafverdachts an die Justiz abgegeben. 137.122 mal mussten Ermittlungen veranlasst werden. Aufenthaltsermittlungen waren 95.895 mal erforderlich.

Ausländer zahlen ungern

78.791 mal wurden im Ausland wohnhafte Autofahrer darüber informiert, das ihnen in Hessen Geschwindigkeitsüberschreitungen oder schwerwiegende Verstöße vorgeworfen werden. Kurios: Informiert werden dürfen diese Autofahrer. Die Strafzahlung ist freiwillig. Der größte Teil der Schreiben geht in die Niederlande, nach Polen, Östereich und Rumänien. In dreißig Prozent der Fälle wird gezahlt – insbesondere von Österreichern und Niederländern. Im Osten Europas zahlt man nicht so gerne.

Plaudernd in den Tod

„Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn dafür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons in die Hand genommen werden muss.“ Gegen Paragraph 49 der Straßenverkehrsordnung wird immer häufiger verstoßen. „Unfälle mit Handy gibt es immer öfter, sind aber schwer zu beweisen“, erklärte Jürgen Wolf, bei der Polizei für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. „17.402 mal wurden Fahrer erwischt. Fachleute gegen davon aus, dass die Dunkelziffer bis zu 3400mal so hoch ist.“ Autofahrer erhalten in der Regel eine Strafe von 60 Euro und einen Punkt im Fahreignungsregister. Radfahrer, die verbotswidrig telefonieren, müssen 25 Euro für die Verwarnung bezahlen.

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