Videotheken sterben aus: Internet macht Geschäft kaputt

Eckhard Baum, Video-Film-Shop
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Eckhard Baum, Video-Film-Shop

Durch das Internet und die Streamingdienste wie Netflix wird das Geschäft der Videotheken kaputt gemacht, sagt Eckhard Baum vom Video-Film-Shop Kassel

Kassel. DVD-Player an, CD reinlegen und einem gemütlichen Filmabend auf der Couch steht nichts mehr  im Weg – das hat sich mittlerweile geändert. Viele brauchen dafür jetzt nur noch Laptop oder PC und eine Internetverbindung. Denn sogenannte Streamingdienste, die gegen eine monatliche Gebühr ganz legal unzählige Filme, Serien oder Dokus anbieten, sind auf dem Vormarsch.

Der Branchen-Primus "Netflix" verzeichnet weltweit etwa 81 Millionen Abonnenten. Tendenz steigend. Kein Wunder, schließlich laufen die Clips ohne lange Wartezeiten reibungslos, bieten hervorragende Bild- und Tonqualität und können einfach und bequem vom Sofa aus gestartet werden. Aber nicht jeder begrüßt diese Entwicklung des "Fernsehens 2.0": Videotheken, die gerade am Wochenende gut besucht waren, sterben allmählich aus.

Vorbei sind die Zeiten des analogen Film-Ausleihens, der Abgabefristen und sich durch das Angebot wühlen. "Vor einigen Jahren gab es noch mehr als 70 Videotheken in Kassel, heute sind es nur noch vier", klagt Eckhard Baum. Er hat 1975 die weltweit erste Videothek eröffnet, steht mit seinem "Video-Film-Shop" in der Erzbergerstraße sogar im Guinnessbuch der Rekorde als offiziell älteste Videothek.

"Internet zwingt Videotheken zum Schließen"

Was aus Leidenschaft zu Filmen begann, wurde schnell ein voller Erfolg: "In den 80er und 90er Jahren hatte ich die meisten Kunden. Doch ab 2000 etwa ging es stetig bergab", sagt der 78-Jährige. Schuld sei das Internet, erst durch illegale Raubkopien, jetzt durch die Streamingdienste. "Die Leute wollen nicht mehr rausgehen, es spielt sich nur noch alles im Internet ab." Auch PayTV-Angebote wie Sky tragen zum Sterben der Videotheken bei.

Etwa 40.000 Kunden hat Baum in seinem Karteisystem in den 40 Jahren angesammelt. Heute kämen überwiegend Stammkunden. Genaue Zahlen will er mit Blick auf die Konkurrenz nicht verraten. "Aber der Laden trägt sich nur noch knapp. Meine Frau Lena steuert manchmal ein bisschen von ihrem Verdienst hinzu, damit ich meine Leidenschaft weiter ausleben kann". Denn für Filme schlug sein Herz schon immer. Baum  hat selbst nebenbei in einigen Streifen mitgespielt und auch produziert.

Diese reihen sich in die insgesamt 14.000 Filme, die er in seinem "Video-Film-Shop" anbietet. Und stetig kommen neue hinzu. "Im Monat kaufe ich etwa 30 aktuelle Filme. Am besten laufen aber Kinderfilme und Raritäten. Alte Klassiker, die es nicht im Internet gibt." Und auch deswegen lohne es sich, noch in Videotheken zu gehen, sagt Baum, der nach eigenen Angaben um die 6.000 Filme in seinem Leben gesehen hat: "In guten Videotheken bekommen die Kunden echte Empfehlungen und Hintergrundwissen." Denn für eine Schnuddelei zwischen Filmfans ist Eckhard Baum immer zu haben.

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